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Während in früheren Jahren die Erkrankungen des Nervensystems in den meisten Fällen einen wenig beeinflußbaren und oft chronischen Verlauf nahmen, bestehen heute vielfältige therapeutische Möglichkeiten, diese Beschwerden zu heilen, zu bessern oder zu lindern.
Ein Schwerpunkt liegt in der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten, auch im Rahmen der Frührehabilitation, also noch bei erheblicher Pflegebedürftigkeit.
Im therapeutischen Team arbeiten verschiedene Berufsgruppen (Ärzte, Pflegekräfte, Ergo- und Physiotherapeuten, Sprachtherapeuten, Psychotherapeuten und Neuropsychologen sowie Sozialarbeiter) eng zusammen, um auch komplexe Störungsbilder behandeln zu können. Es wird ein pragmatisches Konzept verfolgt, bei dem die Förderung der Selbstständigkeit im täglichen Leben äußerste Priorität hat.
Zum Team der Abteilung Neuropsychologie/Psychologie gehören qualifizierte Mitarbeiterinnen, die eine abgeschlossene Ausbildung zur Klinischen Neuropsychologin GNP (Gesellschaft für Neuropsychologie) absolviert haben bzw. die sich in Ausbildung zur Klinischen Neuropsychologin GNP befinden. Die MEDIAN Weserklinik ist von der GNP akkreditiert. Weitere Mitarbeiterinnen verfügen über eine Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin bzw. befinden sich noch in der Zusatzausbildung.
Das Aufgabengebiet der Abteilung Neuropsychologie/Psychologie umfasst:
In der neuropsychologischen Diagnostik werden vor dem Hintergrund der jeweiligen cerebralen Schädigung verschiedene kognitive Leistungsbereiche auf Stärken und Schwächen überprüft. Eine Beurteilung der Leistung erfolgt dabei im Hinblick auf die Alltagsrelevanz, wie selbstständige Lebensführung bzw. notwendige Unterstützungen dabei und/oder berufliche Reintegration. Im Einzelnen können folgende kognitive Teilleistungsbereiche erfasst werden:
Differenzierte Überprüfung verschiedener Aufmerksamkeitsfunktionen mit standardisierten und international anerkannten computergestützten Diagnostikverfahren (z. B. TAP, WienerTest-System) sowie Papier-Bleistift-Tests (z. B. TMT, d2, ZVT). Ziel ist die Beurteilung der Aufmerksamkeitsleistungen auch im Hinblick auf z. B. Fahreignung, berufliche Wiedereingliederung, selbstständige Lebensführung.
Beurteilt werden die Wahrnehmungsleistungen in Bezug auf die Alltagsrelevanz für den Patienten (selbstständiges Ankleiden, Lesen, räumliche Orientierung etc. bis hin zur Fahreignung und beruflichen Relevanz).
Erfassung verschiedener mnestischer Prozesse und Leistungen des verbalen und figuralen Gedächtnisses mit standardisierten Verfahren (z. B. CERAD, NAI, WMS-R, VLMT, DCS).
Beurteilt werden die Gedächtnisleistungen unter anderem auch im Hinblick auf eine selbstständige Lebensführung, die Notwendigkeit einer Betreuung und mögliche Schwierigkeiten bei der sozialen und beruflichen Reintegration.
Überprüft werden verschiedene „höhere“ kognitive Teilleistungen wie z. B. Handlungsplanung, logisches Denken, induktives und deduktives Denken, Abstraktion, Organisation, Problemlösung und produktives Denken. Zu berücksichtigen ist hier insbesondere eine Einschränkung des Störungsbewusstseins. Zum Einsatz kommen auch hier anerkannte und standardisierte Verfahren wie z. B. TvL, BADS, Untertests aus dem LPS, WCST und verbal fluency Aufgaben. Der Beurteilung exekutiver Teilleistungen kommt gerade im Hinblick auf die berufliche Wiedereingliederung eine besondere Beachtung zu. Aber auch in der sozialen Reintegration kann es bei Störungen in diesem Bereich zu Komplikationen kommen, da sie sich auch auf soziale Kompetenzen negativ auswirken können.
Zum Abschluss des stationären Aufenthaltes findet erneut eine Überprüfung relevanter kognitiver Funktionen statt, um den Therapieerfolg zu evaluieren. Bei einer angestrebten beruflichen Wiedereingliederung erfolgt diese u. a. innerhalb einer mindestens drei stündigen Belastungserprobung. Im Hinblick auf die Einschätzung der Fahreignung besteht zudem die Möglichkeit, am Ende des stationären Aufenthaltes bei einer kooperierenden Fahrschule eine praktische Fahrverhaltensprobe auf einer standardisierten Fahrstrecke im Beisein eines Fahrlehrers durchzuführen.
Die neuropsychologische Behandlung findet innerhalb verschiedener Therapieformen statt.
Individuell abgestimmt auf das Krankheitsbild und die Belastbarkeit des Patienten finden in individuell abgestimmter Frequenz und Dauer Einzeltherapien statt. Es kommen dabei sowohl computergestützte Therapieprogramme (z. B. RehaCom, Eye move, CogniPlus, COGPACK) wie auch evaluierte Therapiematerialien (z. B. EKN-Materialien) und individuell erstellte Übungsmaterialien zum Einsatz. Mit den Methoden der Restitution werden kognitive Leistungen verbessert bzw. wiederhergestellt (z. B. bei Aufmerksamkeitsdefiziten). Durch Kompensationsmethoden werden vorhandene Defizite durch intakte Fähigkeiten ersetzt (z. B. Vermittlung von Gedächtnisstrategien, wie Einsatz eines Gedächtnistagebuchs). Daneben wird der Patient in begleitenden Gesprächen in der Auseinandersetzung mit seiner Erkrankung unterstützt, um z. B. eine depressive Krankheitsverarbeitung zu vermeiden und die Therapiemotivation aufrecht zu halten.
Zu verschiedenen Funktionsbereichen werden auch Gruppentherapien angeboten (z. B. Aufmerksamkeitsgruppe, Gedächtnisgruppe). Neben einer Vertiefung der Therapieeffekte soll auch der Umgang mit der Erkrankung verbessert werden. So lernt der Patient über den sozialen Vergleich seine Fähigkeiten realistischer einzuschätzen, soziale Kompetenzen werden stabilisiert und zudem wird z. B. die Anwendung von Kompensationsstrategien eher akzeptiert.
Für schwerer betroffene Patienten bieten wir die Teilnahme an einer Aktivgruppe mit allgemein übendem und sozialem Charakter an.
Der psychoedukative Bereich dient dazu, sowohl Patienten als auch deren Angehörige zu schulen und zu beraten, um das Risiko für weitere Erkrankungen als Folge der akut behandelten oder auch als Folge des Lebensstils und alltäglicher Belastungen zu minimieren. Das erfolgt z. B. in Form von Vorträgen („Stress und Stressbewältigung“), aber auch in Gruppentherapien („Angehörigentreffpunkt“). Daneben finden bei Bedarf auch Schulungen im einzeltherapeutischen Kontext statt (z. B. „Raucherentwöhnung“).
Ein psychotherapeutischer Behandlungsbedarf kann infolge der neurologischen Erkrankung entstehen. Neben organischen bedingten Ursachen für ein verändertes emotionales Erleben und Verhalten (z. B. erhöhte Reizbarkeit, mangelnde Impulskontrolle), kann dies auch rein psychische Ursachen infolge fehlender Krankheitsverarbeitung haben, was z. B. zu Depressionen, Schlafstörungen, erhöhte Aggressivität und weiteren psychischen Auffälligkeiten führen kann.
Daneben besteht aber auch die Möglichkeit der Komorbidität, das heißt eine schon vorher vorhandene psychische Erkrankung wirkt sich negativ auf den Rehaerfolg aus. Dies könnte z. B. bei Angststörungen oder auch bei Depressionen der Fall sein, so dass diese im Rahmen des stationären Aufenthaltes mit berücksichtigt werden.
Zur Anwendung kommen neben den klassischen Entspannungsmethoden (Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training) auch entlastende und beratende Gespräche in einzeltherapeutischen Sitzungen.



