Daten in der Rehabilitation: Wie sie Forschung, Qualität und Patient*innenorientierung verbessern
Wie können Daten die Rehabilitation verbessern? Sie helfen, Behandlungsverläufe zu erforschen, Qualität sichtbar zu machen und Patient*innen bei Entscheidungen zu unterstützen. Entscheidend ist, aus vorhandenen Informationen konkreten Nutzen für die Versorgung zu gewinnen.
Gerade für eine zukunftsfähige Rehabilitation liegt darin großes Potenzial: Daten können Qualität transparenter machen.
Dieser Beitrag basiert auf dem Fachbeitrag „Zukunft der Rehabilitation – Daten aus der Rehabilitation im System der Deutschen Rentenversicherung“ aus dem Buch „Rehabilitation der Zukunft – Zwischen Hightech, Evidenz und Empathie“, herausgegeben von Dr. Marc Baenkler.
Über den Beitrag
Daten können die Rehabilitation auf mehreren Ebenen verbessern: Sie schaffen neue Erkenntnisse für die Forschung, ermöglichen eine frühere Identifikation von Unterstützungsbedarf und machen Qualität transparenter. Entscheidend ist, die vorhandenen Informationen so aufzubereiten, dass Patient*innen, Fachkräfte und Einrichtungen tatsächlich davon profitieren.
Über das Autorenteam
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Dr. med. Susanne Weinbrenner, MPH
Dr. med. Susanne Weinbrenner, MPH, ist Leitende Ärztin und Leiterin des Geschäftsbereichs Prävention, Rehabilitation und Sozialmedizin der Deutschen Rentenversicherung Bund sowie Geschäftsführerin der Akademie für Sozialmedizin.
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Dr. med. Johannes Falk, MPH
Dr. med. Johannes Falk, MPH, leitet das Dezernat Reha-Qualitätssicherung, Epidemiologie und Statistik der Deutschen Rentenversicherung Bund. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen in der medizinischen Rehabilitation, Epidemiologie und Versorgung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Routinedaten schaffen Wissen über Rehabilitation
In der Reha-Statistik-Datenbasis werden solche Informationen zusammengeführt. Für die Forschung entsteht dadurch die Möglichkeit, Rehabilitationsverläufe über längere Zeiträume zu betrachten: Wie entwickelt sich die Erwerbstätigkeit nach einer Rehabilitation? Welche Menschen nehmen wiederholt Leistungen in Anspruch? Und welche Faktoren beeinflussen den weiteren Verlauf?
Besonders wertvoll sind Längsschnittdaten, mit denen sich unterschiedliche Lebens- und Erwerbsphasen nachvollziehen lassen. Forschende können damit beispielsweise Menschen vergleichen, die Rehabilitationsleistungen erhalten haben, mit Versicherten ohne entsprechende Leistungen. Ein dafür zur Verfügung stehender Forschungsdatensatz umfasst Informationen zu rund vier Millionen Versicherten.
Solche Daten helfen, Rehabilitation nicht nur anhand einzelner Momentaufnahmen zu beurteilen, sondern ihre längerfristige Wirkung besser zu verstehen.
Unterstützungsbedarf früher erkennen
Daten können jedoch nicht nur rückblickend ausgewertet werden. Sie eröffnen auch die Möglichkeit, Menschen früher auf geeignete Unterstützung aufmerksam zu machen.
Ein Beispiel ist der „Risikoindex Erwerbsminderungsrente“. Dafür werden bereits vorhandene Informationen aus dem Versicherungskonto genutzt – etwa zur Erwerbsbiografie, zu Arbeitslosigkeit oder Krankengeldbezug. Daraus lässt sich ein erhöhtes Risiko für eine spätere Erwerbsminderung erkennen.
Das Ziel ist nicht, automatisch über eine Behandlung zu entscheiden. Vielmehr können Versicherte mit einem erhöhten Risiko frühzeitig angesprochen, über Rehabilitationsangebote informiert und niedrigschwellig beraten werden.
Damit verändert sich die Rolle von Daten: Sie dokumentieren nicht nur, was bereits geschehen ist, sondern können helfen, Unterstützungsbedarf rechtzeitig zu erkennen und einem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Erwerbsleben entgegenzuwirken. Der Ansatz wird derzeit von mehreren Rentenversicherungsträgern erprobt und weiterentwickelt.
Qualität aus verschiedenen Perspektiven betrachten
Medizinische Rehabilitation lässt sich nicht sinnvoll anhand einer einzigen Kennzahl bewerten. Die Qualitätssicherung der Deutschen Rentenversicherung verbindet deshalb drei Perspektiven.
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Routinedaten
Daten aus Rehabilitation, Versicherung und Rente zeigen, wie Behandlungen verlaufen und welche Ergebnisse sie erzielen.
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Befragungen
Patient*innen berichten über ihre Erfahrungen. Ihre persönliche Sicht ergänzt die objektivierbaren Daten zur Rehabilitation.
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Fachliche Bewertung
Fachliche Bewertungen ergänzen die Daten und Erfahrungen zu einem umfassenden Bild von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität.
Qualität darf nicht zum reinen Kontrollinstrument werden
Digitalisierung kann Qualitätsergebnisse aktueller nutzbar machen: Daten werden schneller verfügbar, Prozesse automatisiert und Systeme besser miteinander verbunden. Das ist sowohl für Kostenträger als auch für Reha-Einrichtungen relevant. Reha-Einrichtungen benötigen möglichst aktuelle Informationen, um ihre Behandlungsprozesse zu reflektieren und gezielt weiterzuentwickeln.
Daten allein verbessern jedoch noch keine Behandlung. Entscheidend ist, wie sie genutzt werden. Werden Qualitätsindikatoren ausschließlich als Kontrollinstrument verstanden, besteht die Gefahr, dass sich Einrichtungen vor allem an Mindeststandards orientieren. Qualitätsmanagement sollte dagegen einen kontinuierlichen Lernprozess unterstützen.
Dafür braucht es eine Kultur, in der Ergebnisse offen betrachtet, Verbesserungspotenziale erkannt und Erfahrungen aus dem klinischen Alltag einbezogen werden. Aktuelle Qualitätsdaten können dabei wertvolle Hinweise geben – vorausgesetzt, sie werden verständlich aufbereitet und nicht nur in umfangreichen Berichten abgelegt.
Die Qualitätssicherung der Zukunft sollte deshalb transparenter, aktueller und stärker auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer*innen ausgerichtet sein. Einrichtungen könnten ihre Ergebnisse künftig zeitnah digital erhalten und für das eigene Qualitätsmanagement individuell visualisieren.
Patient*innen sollen Qualität besser vergleichen können
Das Wunsch- und Wahlrecht wurde in den vergangenen Jahren gestärkt. Die Auswahl einer Reha-Einrichtung soll qualitätsorientiert, transparent, nachvollziehbar und diskriminierungsfrei erfolgen.
Auch die Einrichtungsauswahl wird datenbasierter
Wenn Versicherte keine bestimmte Einrichtung nennen oder ihr Wunschstandort medizinisch nicht geeignet ist, kann die Rentenversicherung Alternativen vorschlagen. Der datenbasierte Auswahlprozess folgt klaren Kriterien:
- Medizinische Eignung prüfen
Zunächst wird geprüft, welche Einrichtungen für die benötigte Rehabilitation medizinisch geeignet sind. - Angebote einordnen
Die geeigneten Einrichtungen werden anhand von Qualität, Entfernung und voraussichtlicher Wartezeit eingeordnet. Qualität hat dabei den größten Einfluss auf das Ranking. - Nachvollziehbar auswählen
Der automatisierte Prozess soll sicherstellen, dass für alle Versicherten dieselben Kriterien gelten. Das Wunsch- und Wahlrecht bleibt bestehen; öffentlich zugängliche Informationen machen die Auswahl nachvollziehbarer.
Daten werden zum Werkzeug für eine patientenzentrierte Rehabilitation
Die Rehabilitation der Zukunft wird datenbasierter – doch nicht um der Daten willen.
Der entscheidende Nutzen entsteht dann, wenn aus Informationen bessere Entscheidungen werden: Forschende können langfristige Reha-Verläufe untersuchen. Versicherte mit erhöhtem Unterstützungsbedarf können früher erreicht werden. Reha-Einrichtungen erhalten konkretere Hinweise zur Weiterentwicklung ihrer Qualität. Und Patient*innen können fundierter entscheiden, welche Einrichtung zu ihren persönlichen Bedürfnissen passt.
Dafür müssen Daten aktuell, verständlich, sicher und sinnvoll miteinander verknüpft sein. So kann aus Verwaltungswissen ein Werkzeug für eine Rehabilitation werden, die transparenter, lernfähiger und stärker an den Menschen ausgerichtet ist.
Pressekontakt und Expertenvermittlung
Der Beitrag wurde von Franziska Riethmüller, Head of Communications bei MEDIAN, auf Basis des Fachbeitrags redaktionell aufbereitet. Bei Fragen zum Thema oder Interviewanfragen stellt sie gerne den Kontakt zu den entsprechenden MEDIAN Expertinnen und Experten her.