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Digitale Rehabilitation: Was digitale Angebote erfolgreich macht

Digitale Angebote können Rehabilitation heute weit über den Aufenthalt in einer Klinik hinaus begleiten. Sie helfen Patient*innen, sich auf ihre Rehabilitation vorzubereiten, ergänzen die Therapie während des Aufenthalts und können nach der Entlassung dabei unterstützen, erreichte Fortschritte im Alltag zu festigen. Insbesondere angesichts eines steigenden Rehabilitationsbedarfs, des Fachkräftemangels und regionaler Unterschiede in der Versorgung gewinnen solche Angebote an Bedeutung.

Damit digitale Rehabilitation tatsächlich einen Mehrwert schafft, reicht eine gute technische Lösung allein jedoch nicht aus. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus fachlicher Qualität und Nutzerzentrierung, einer funktionierenden technischen und organisatorischen Umsetzung sowie verlässlichen regulatorischen Rahmenbedingungen.

Dieser Beitrag basiert auf dem Fachbeitrag „Erfolgsfaktoren digitaler Angebote in der Rehabilitation“ aus dem Buch 
„Rehabilitation der Zukunft – Zwischen Hightech, Evidenz und Empathie“, herausgegeben von Dr. Marc Baenkler.

Über den Beitrag

Digitale Rehabilitation ist dann erfolgreich, wenn sie einen konkreten therapeutischen Nutzen für Patient*innen schafft, einfach und sicher in den Behandlungsalltag integriert werden kann und auch dauerhaft finanziert wird. Digitale Anwendungen sollen die persönliche Therapie dabei nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen und Versorgung über den Klinikaufenthalt hinaus ermöglichen.

Über das Autorenteam

Jakob Henschke

Jakob Henschke ist Teamlead Rollout Somatik im MEDIAN Geschäftsbereich Digitale Gesundheit und verantwortet die Implementierung digitaler Lösungen im Klinikalltag sowie die damit verbundenen Prozessanpassungen.

Sven Schunter

Sven Schunter ist Kaufmännischer Leiter des MEDIAN Ambulanten Gesundheitszentrums Düsseldorf und Stellvertretender Regionalgeschäftsführer Digitale Gesundheit. Seit 2019 baute er das MEDIAN Digitale Nachsorgezentrum Düsseldorf auf.

Judith Dittmer

Judith Dittmer ist Group Head of Digital Health der MEDIAN Group und Regionalgeschäftsführerin Digitale Gesundheit. Seit 2021 hat sie die Konzeption, Entwicklung und Einführung digitaler Angebote in mehr als 60 MEDIAN Kliniken geleitet.

Digitale Angebote begleiten den gesamten Reha-Weg

Der Nutzen digitaler Angebote kann bereits vor dem eigentlichen Rehabilitationsaufenthalt beginnen. Patient*innen können beispielsweise individuell auf ihren Aufenthalt vorbereitet werden, Fragebögen vorab ausfüllen oder wichtige Informationen digital erhalten. Dadurch kommen sie besser vorbereitet in die Klinik und Aufnahmeprozesse können effizienter gestaltet werden.

Während der Rehabilitation können digitale Anwendungen den Therapiealltag ergänzen. Denkbar sind beispielsweise edukative Inhalte, logopädische Übungen, Entspannungsangebote oder digitale Eigentrainings. Aktuelle Tagespläne auf dem Smartphone erleichtern zusätzlich die Orientierung im Klinikalltag.

Eine Person die am Handy ist

Besonders wichtig ist jedoch die Verbindung zur Zeit nach der Entlassung. Werden digitale Nachsorgeangebote bereits während der Rehabilitation eingeführt und gemeinsam mit Therapeut*innen eingeübt, können Patient*innen sie später selbstständiger weiterführen. So entsteht eine kontinuierlichere Versorgung von der Vorbereitung über die Behandlung bis zurück in den Alltag.

Der therapeutische Nutzen muss im Mittelpunkt stehen

Ob eine digitale Anwendung erfolgreich ist, entscheidet sich zuerst an ihrer fachlichen Qualität. Digitale Angebote sollten evidenzbasierte Inhalte vermitteln, bestehende Versorgungslücken schließen oder die Qualität und Intensität einer Therapie verbessern.

Ein Beispiel ist der Einsatz von Virtual Reality in der Suchtrehabilitation. Mithilfe einer VR-Brille können Patient*innen unter therapeutischer Begleitung Situationen trainieren, die in einer Klinik kaum realistisch nachgestellt werden können – etwa die Konfrontation mit Alkohol in einer Bar oder auf einer Feier. Sie können Verhaltensstrategien in einer geschützten Umgebung einüben und sich so gezielter auf mögliche Risikosituationen nach der Rehabilitation vorbereiten.

Auch digitale Nachsorge kann Versorgungslücken schließen. Nicht alle Patient*innen können nach der Rehabilitation an klassischen Nachsorgeangeboten vor Ort teilnehmen – beispielsweise weil entsprechende Angebote in ihrer Region fehlen. Digitale Formate ermöglichen es, die in der Klinik erzielten Fortschritte trotzdem weiter zu stabilisieren und auszubauen.

Digitale Rehabilitation wird individueller

Menschen unterscheiden sich in ihren Erkrankungen, Fähigkeiten und persönlichen Zielen. Digitale Therapie sollte diese Unterschiede ebenso berücksichtigen wie eine persönliche Behandlung.

Die Frau macht eine Übung und bekommt Hilfe von der Trainerin

Individuell angepasst

Digitale Anwendungen können Inhalte und Schwierigkeitsgrade an Erkrankung, Fähigkeiten und persönliche Therapieziele der Patient*innen anpassen.

Eine Person vor der sich digitale Checklisten öffnen

Intelligent unterstützt

Die Auswahl und Anpassung der Inhalte kann durch Therapeut*innen erfolgen und perspektivisch auch durch künstliche Intelligenz unterstützt werden.

Eine Frau die die Übungen nachmacht die auf Ihrem MacBook zusehen sind

Langfristig motiviert

Fortschrittsanzeigen, Erinnerungen und spielerische Elemente können die Motivation stärken und Patient*innen dabei unterstützen, langfristig am Ball zu bleiben.

Digitale Angebote ergänzen persönliche Therapie

So hilfreich digitale Anwendungen sein können: Sie ersetzen die persönliche Beziehung zwischen Patient*innen und therapeutischen Fachkräften nicht.

Gerade bei komplexen Erkrankungen oder psychosomatischen Belastungen bleibt der direkte Austausch ein zentraler Bestandteil einer erfolgreichen Behandlung. Digitale Angebote entfalten ihren größten Nutzen deshalb häufig in Verbindung mit persönlicher Begleitung.

Bereits während der Rehabilitation können Therapeut*innen die Patient*innen darin unterstützen, Anwendungen richtig zu nutzen, Übungen individuell anzupassen und die korrekte Durchführung zu überprüfen. In der späteren Nachsorge können persönliche Kontakte beispielsweise über Videotherapie, Chats oder digitale Fragestunden bestehen bleiben.
Digitale Inhalte werden dadurch nicht isoliert konsumiert, sondern bleiben Teil eines therapeutischen Gesamtkonzepts.
 

Einfache Bedienung entscheidet über den Erfolg

Eine therapeutisch überzeugende Anwendung kann nur dann helfen, wenn sie im Alltag problemlos funktioniert. Technische Stabilität, Datenschutz und Benutzerfreundlichkeit gehören deshalb zu den grundlegenden Voraussetzungen digitaler Rehabilitation.

Patient*innen sollten Anwendungen möglichst auf unterschiedlichen Geräten nutzen können. Gleichzeitig müssen Angebote intuitiv verständlich und barrierearm gestaltet sein. Dazu gehören beispielsweise ausreichende Kontraste, anpassbare Schriftgrößen oder Vorlesefunktionen.

Besonders wichtig ist es, die späteren Nutzer*innen bereits bei der Entwicklung einzubeziehen. Pilotprojekte und Befragungen können zeigen, wo Bedienung oder Inhalte noch verbessert werden müssen. So entstehen Anwendungen nicht nur für Patient*innen, sondern gemeinsam mit ihnen.

Auch der Klinikalltag muss mitgedacht werden

Digitale Rehabilitation funktioniert nur, wenn sie sich sinnvoll in bestehende Abläufe integrieren lässt. Für Mitarbeitende ist insbesondere die Verbindung mit vorhandenen IT-Systemen wichtig. Müssen Informationen zwischen verschiedenen Anwendungen manuell übertragen werden, entsteht zusätzliche Arbeit statt Entlastung.

Ebenso entscheidend sind klare Prozesse. Patient*innen sollten wissen, wann und wie digitale Angebote genutzt werden. Das kann über feste digitale Trainingseinheiten, Beratungsgespräche oder Eigentrainings im Therapieplan organisiert werden.

Auch Mitarbeitende brauchen ausreichende Schulungen. Ärzt*innen, Therapeut*innen und Pflegekräfte müssen nicht nur die technische Bedienung kennen, sondern auch verstehen, wie eine digitale Anwendung therapeutisch sinnvoll eingesetzt wird. Nur wenn sie selbst vom Nutzen überzeugt sind, werden sie digitale Angebote selbstverständlich in den Reha-Alltag integrieren und für die Nachsorge empfehlen.

Schnell erreichbarer technischer Support und ein regelmäßiger Austausch über Erfahrungen und Verbesserungspotenziale unterstützen dabei die dauerhafte Einführung. Insbesondere größere Klinikgruppen können zudem davon profitieren, digitale Expertise in spezialisierten Therapiezentren zu bündeln.

Von der digitalen Innovation zur Regelversorgung

Selbst fachlich und technisch überzeugende Angebote können sich langfristig nur etablieren, wenn ihre Finanzierung gesichert ist.
Bei der digitalen Reha-Nachsorge wurden in den vergangenen Jahren bereits wichtige Schritte erreicht. Seit 2019 können digitale Varianten der DRV-Nachsorgeprogramme IRENA, T-RENA und Psy-RENA erstattet werden. Die Nutzung stieg laut Deutscher Rentenversicherung von 256 digitalen Nachsorgeleistungen im Jahr 2019 auf rund 34.000 im Jahr 2024 – ein deutlicher Hinweis auf die Akzeptanz solcher Angebote.

Auch während eines Rehabilitationsaufenthalts können inzwischen weitere digital erbrachte Leistungen und monitorierte Eigentrainings über die Klassifikation therapeutischer Leistungen abgebildet werden. Gleichzeitig soll Forschung dazu beitragen, die wissenschaftliche Grundlage für digitale Angebote in der Regelversorgung weiter auszubauen.

Digitale Rehabilitation braucht drei Dinge

Damit digitale Angebote dauerhaft erfolgreich werden, müssen drei Ebenen zusammenspielen.

Richtig eingesetzt, erweitert Digitalisierung damit nicht nur bestehende Angebote. Sie kann Rehabilitation kontinuierlicher, individueller und unabhängig vom Wohnort zugänglich machen. Entscheidend bleibt jedoch, dass Technologie dort eingesetzt wird, wo sie Patient*innen auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit, Selbstständigkeit und Teilhabe tatsächlich unterstützt.

An erster Stelle stehen fachliche Qualität und Nutzerzentrierung: Digitale Anwendungen müssen evidenzbasiert, individuell anpassbar und einfach nutzbar sein – und Patient*innen einen erkennbaren therapeutischen Mehrwert bieten.

  • An erster Stelle stehen fachliche Qualität und Nutzerzentrierung: Digitale Anwendungen müssen evidenzbasiert, individuell anpassbar und einfach nutzbar sein – und Patient*innen einen erkennbaren therapeutischen Mehrwert bieten.