Kompetenzbereiche

Anstieg psychischer Erkrankungen

Rehabilitation ermöglicht selbstfürsorglichen Umgang

Laut einer Untersuchung der Bundespsychotherapeutenkammer aus dem Jahr 2012 sind die Fälle an Arbeitsunfähigkeit wegen Burnout seit 2004 um 700 Prozent gestiegen, die Arbeitsunfähigkeitstage sogar um 1.400 Prozent. Fünf Prozent der Fälle von Arbeitsunfähigkeit kommen durch psychische Erkrankungen zustande, was 12,5 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage insgesamt ausmacht. Denn die Versicherten sind aufgrund psychischer Erkrankungen im Mittel einen Monat krankgeschrieben. Der Anteil psychischer Erkrankungen an den Arbeitsunfähigkeitstagen stieg von 2000 bis 2010 um 75 Prozent.

Was sind die gesellschaftlichen Hintergründe für diesen dramatischen Anstieg und diesen hohen Anteil psychischer Erkrankungen an der gesamten Arbeitsunfähigkeit?

Wie kommt es, dass Burnout als Anlass zu einer Krankschreibung so explosionsartig zunimmt? Entsprechend den selbst gesteckten Zielen der Europäischen Union steigt der Anteil der Erwerbstätigen über 55 Jahre. Perspektivisch erhöht sich das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre. Das heißt, ältere Arbeitnehmer sind zunehmend stärker beansprucht, was ihre Lernfähigkeit und Flexibilität betrifft. Technischer Fortschritt und der Wissenszuwachs machen es erforderlich, dass auch ältere Arbeitnehmer sich mit neuen Techniken in Produktion und Kommunikation vertraut machen, die die Generation ihrer Eltern im Beruf nicht brauchte und mit denen ihre Kinder schon von Kindesbeinen an vertraut sind. Die Zunahme an Dienstleistungen erfordert entsprechende soziale Kompetenz, sei es in der Teamarbeit oder sei es in einem Callcenter.

Die heutigen Kommunikationstechniken machen Mitarbeiter leichter erreichbar, setzten schnellere Arbeitsrhythmen. Auch die unmittelbare Nähe von Arbeit und Freizeit wie in einem Home Office erfordert ein hohes Maß an Abgrenzungsfähigkeit, über die die meisten unserer psychosomatischen Patienten nicht verfügen. Gleichzeitig nimmt in einer globalisierten Welt die Angst vor sozialem Abstieg zu, besonders durch die Tendenz zu prekären, unsicheren Arbeitsverhältnissen.

Hier setzt die psychosomatische Rehabilitation an, einen selbstfürsorglichen Umgang mit diesen gesellschaftlichen Entwicklungen und deren psychosomatischen Folgeerscheinungen zu ermöglichen.