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Bei welchen chronischen Krankheiten ist Sport besonders sinnvoll oder präventiv nützlich?

Leben mit einer chronischen Erkrankung bedeutet viel Achtsamkeit im Alltag, um den eigenen Körper und Geist zu schützen und zu fördern. Wie verhält sich denn nun sportliche Betätigung zu chronischen Erkrankungen. Kann ich trotz der chronishcen Erkrankung dem Sport machen? Diese Frage beantwortet uns Frau Dr. Ueberschär, Fachärztin für Sportmedizin und Sozialmedizin sowie Chefärztin im Sportmedizinische Institut des MEDIAN Ambulanten Gesundheitszentrums in Leipzig. 

Redaktion: Bei welchen chronischen Krankheiten ist Sport besonders sinnvoll oder präventiv nützlich?

Es gibt es eigentlich keine chronischen Erkrankungen, bei denen Sport bzw. körperliche Bewegung kontraindiziert sind. Es ist längst wissenschaftlich bewiesen, dass Sport nicht nur die Lebenserwartung, sondern auch die Lebensqualität bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie beispielsweise bei einer chronisch ischämischen Erkrankung, einer Hypertonie (Bluthochdruck) und sogar bei einer Herzinsuffizienz, aber auch bei Lungenerkrankungen, wie z. B. Asthma bronchiale und COPD (chronisch-obstruktive Lungenkrankheit), deutlich verbessert. Daher gibt es auch Herz- und Lungensportgruppen.

In der wissenschaftlichen Leitlinie zur Behandlung der arteriellen Hypertonie ist festgeschrieben, dass alle Patienten mit hohem Blutdruck zu regelmäßiger körperlicher Aktivität ermutigt werden sollten. Dazu zählen Wandern, Laufen und Schwimmen. Diese Aktivitäten sollten drei- bis viermal pro Woche über 30 bis 45 Minuten durchgeführt werden. Es konnte gezeigt werden, dass bereits eine geringe Zunahme der körperlichen Bewegung den systolischen Blutdruck um bis zu 8 mm Hg senken kann. Einschränkend ist zu beachten, dass isometrische Kraftanstrengungen, wie Gewichtheben u. ä., einen blutdrucksteigernden Effekt haben und daher vermieden werden sollten.

Bei einer Krebserkrankung ist geeigneter Sport ebenso wichtig wie ein Krebsmedikament. Sport verbessert nachweislich bei Krebspatienten die Überlebenschancen und die psychische Befindlichkeit und damit die Fähigkeit, sich mit der Krankheit und ihren Folgen positiv auseinanderzusetzen und wirkt Fatigue und Kachexie entgegen.

Dass Sport bei orthopädischen Erkrankungen sehr nützlich und dringend angezeigt ist, ist den meisten Patienten bekannt. Einige betroffene Menschen haben jedoch Angst, dass ihre Gelenkverschleißerkrankung durch Sport verschlimmert werden könnte, da Sport aus ihrer Sicht den Verschleiß beschleunigen könnte. Das ist absolut falsch. Unsere Gelenke brauchen zwingend einen Wechsel von Be- und Entlastung, da nur so eine ausreichende Durchsaftung des Gelenkknorpels und Produktion der Gelenkschmiere sichergestellt werden kann. Der Spruch bzw. Volksweisheit „Wer rastet, der rostet“ stimmt nur zu gut. Der Wechsel von Be- und Entlastung unserer Gelenke wird daher oft auch „Gelenkhygiene“ bezeichnet.

Auch bei allen Stoffwechselerkrankungen ist es wichtig, sich sportlich in geeigneter Form zu betätigen. Dies gilt insbesondere bei beiden Formen des Diabetes mellitus, aber auch bei Fettstoffwechselstörungen. Durch Sport wird die Insulinempfindlichkeit der Zellen erhöht, es wird somit weniger Insulin benötigt und außerdem mehr Blutzucker (Glukose) verbraucht. Durch Sport kommt es so zu einer verbesserten Glukosetoleranz. Darunter versteht man die Fähigkeit des Organismus, eine mit der Nahrung zugeführte Zuckermenge zu verarbeiten. Durch den Sport wird vermehrt Glukose in die Zellen transportiert, wo sie zu Energie umgewandelt wird. Dadurch bleibt der Blutzuckerspiegel niedriger als ohne Sport. Die positive Wirkung hält länger an als die eigentliche sportliche Betätigung.

Sport tut auch einer kranken Leber gut. Besonders wichtig ist hierbei die körperliche Aktivität zur Vermeidung des Abbaus von Muskel- und Knochenmasse und zur Verbesserung des Wohlbefindens.

Sport hilft aber auch sehr gut bei depressiven Erkrankungen. Er wirkt dabei wie ein Antidepressivum. Den Körper in Trab zu halten, vertreibt Kummer und Sorgen und hilft auch Menschen mit Angststörungen. Das Problem ist allerdings, dass depressive Menschen krankheitsbedingt noch schwerer den berühmten „inneren Schweinehund“ überwinden können. Mitten im Stimmungstief verspüren die wenigsten Lust, sich körperlich zu bewegen. Ganz auf Pillen und Psychotherapeuten verzichten kann man daher wohl doch nicht. Aber Sport kann die medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung bei psychischen Erkrankungen wirkungsvoll unterstützen.

Da wir alle auch dank der modernen Medizin älter werden, steigt auch unser Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Auch hier ist Sport sehr wirksam. Zu den vier Säulen der Vorbeugung und Verzögerung bezüglich einer Alzheimer-Erkrankung gehören neben geistiger Aktivität, gesunder Ernährung, Teilhabe am sozialen Leben eben auch Sport bzw. körperliche Aktivität.

Sogar bei Augenerkrankungen konnte mittlerweile der Nutzen von Sport nachgewiesen werden. So konnte eine schwedische Forschergruppe im Jahr 2015 anhand einer sehr großen Studie nachweisen, dass körperlich aktive Menschen ein um 13 % niedriges Risiko haben, an einem Katarakt (grauer Star) zu erkranken.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Interview mit Frau Dr. Dr. Ueberschär. Seien Sie gespannt auf den nächsten Beitrag und bleiben Sie am Ball, sprich: Denken Sie an Ihre tägliche Portion Bewegung. 

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