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MEDIAN Klinik Beelitz - Adipositas

Adipositas (auch krankhaftes Übergewicht) ist in den industriellen Ländern ein zunehmendes Problem geworden. In Deutschland gelten laut einer Studie aus dem Jahr 2007 ca. 6 % aller Kinder und Jugendlichen als adipös, ca. 15 % sind übergewichtig.

Die Kinder leiden meist neben den körperlichen Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, metabolisches Syndrom, Haltungsschäden auch an seelischen Begleiterkrankungen. Aufgrund ihres Übergewichtes sind sie häufiger Hänseleien und Ausgrenzungen ausgesetzt als normalgewichtige Kinder. Dies führt zu Traurigkeit, sozialen Rückzug, Selbstwertproblemen und Ängsten, die wiederum meist durch Essen kompensiert werden, weil alternative Problemlösungsstrategien fehlen. Die Kinder befinden sich in einem Teufelskreis aus Frustessen, Essattacken und zunehmendem sozialen Rückzug.

Deshalb hat die MEDIAN Klinik für Kinder und Jugendliche in Beelitz ein Behandlungskonzept entwickelt, welches neben einer ausführlichen Ernährungsberatung, täglichen Sport- und Bewegungsangeboten auch eine medizinische, pädagogische und psychotherapeutische Betreuung beinhaltet.

Kind hält sich an Holzstangen fest in der MEDIAN Kinder- und Jugendklinik Beelitz

Therapieziele der Adipositasbehandlung in der MEDIAN Kinder- und Jugendklinik Beelitz sind:

  • Gewichtsreduktion
  • Aufbau eines positiven Selbstbildes und Stärkung des Selbstwertgefühls
  • Aufbau einer angemessenen körperlichen Belastungsfähigkeit (Konditionsaufbau)
  • Ernährungsumstellung unter Einbezug der Familie
  • Aufbau angemessener sozialer Kontakte
  • Aktive Alltagsgestaltung („bewegter Alltag“)
  • Einbindung in Nachsorgeprogramme

Weiterführende bzw. individuell angepasste Therapieziele könnten sein:

  • Klärung des individuellen Psychotherapiebedarfs bei affektiven Erkrankungen
  • Behandlung gestörter Glucosetoleranz bzw. Typ-2-Diabetes
  • Verbesserung der peripheren Insulinansprechbarkeit
  • Behandlung weiterer somatischer Folgeerkrankungen in Zusammenarbeit mit entsprechenden Spezialambulanzen und Kinderkardiologen

       

Konzept zur Behandlung von Adipositas im Kindesalter

Indikationen 

  • Adipositas bei Über- und Fehlernährung E 660
    sowie Co-Morbidität wie bei Indikation
  • Arterielle Hypertonie I 10
  • Fettstoffwechselstörung E 780
  • Steatosis hepatis H 780
  • Hyperurikämie E 790
  • Gestörte Glucosetoleranz R 730
  • Diabetes Typ 2 E 1190
  • Adipositas als Folge von Hyperphagie bei medikamentöser Behandlung E 661
  • Adipositas als Folge von Hormonstörungen E 03
  • Adipositas bei körperlichen Erkrankungen, welche eine normale Bewegungsfähigkeit nicht zulassen E 668
  • Adipositas bei psychogenen Essattacken F 504

Behandlungsangebot

Wir bieten unseren Patienten ein komplexes gesamtstationäres Rehabilitationsprogramm. Die diagnostischen Kriterien und Behandlungsmaßnahmen in unserem Haus sind dabei mit den AGA-Richtlinien abgestimmt bzw. kompatibel.

Pädagogische Betreuung

Patienten mit Adipositas werden in altersentsprechenden und diagnosegemischten Patientengruppen betreut. In gemeinsamen Gruppenaktivitäten lernen die Kinder und Jugendlichen am Modell und durch die Interaktion mit den Gleichaltrigen unter pädagogischer und therapeutischer Unterstützung, neue Problemlösungsstrategien, soziale Kompetenzen, Toleranz und eigene Stärken besser zu nutzen. Sozialer Rückzug kann durch das stationäre Setting verhindert werden. Selbstwert und Konfliktfähigkeit werden durch das enge Zusammenleben in der Gruppe und regelmäßige Gruppengespräche trainiert.

Der „bewegte Alltag“ wird in Form von gezielter Freizeitgestaltung eingeübt. Belastungserprobungen und Verbesserung des Bewegungsverhaltens werden zusätzlich durch Ausflüge trainiert.

Bei Ausflügen mit der Möglichkeit einkaufen zu gehen erfolgt zudem eine Einkaufsberatung bezüglich gesunder bzw. geeigneter Nahrungsmittel.

Im Rahmen der Mahlzeiten werden die Kinder und Jugendlichen direkt am Buffet und bei den Mahlzeiten in Bezug auf angemessenes Ess- und Ernährungsverhaltens geschult. Basisfähigkeiten wie Umgang mit dem Besteck, adäquate Tischmanieren und genussvolle Nahrungsaufnahme werden außerdem trainiert.

Psychologische Betreuung

  • Hintergründe des Ess- und Ernährungsverhaltens in Erfahrung bringen
  • Emotionale Belastungen, Konflikte in der Familie oder andere belastende Umstände erkennen und bearbeiten
  • Zusammenhang von Gefühlen und Nahrungszufuhr vermitteln
  • Körperbefinden erkunden, ein positives Selbstbild aufbauen, negative Selbsturteile bearbeiten
  • Schwächen wahrnehmen und aushalten
  • Eigene Ziele und Bedürfnisse durchsetzen lernen
  • Angemessene Reaktionen auf Kritik oder Abwertung erlernen
  • Soziale Kompetenz und Konfliktfähigkeit verbessern
  • Erlernen einer ausgewogenen Freizeitgestaltung (Wechsel von Aktivität und Entspannung)
  • Umgang mit Rückfällen in alte Essgewohnheiten

Bei Bedarf erfolgen zusätzlich psychodiagnostische Einzelgespräche.

Bewegungstherapien durch Physio-/Sporttherapeuten

  • Verbesserung der motorischen Hauptbeanspruchungsformen (Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination) durch verschiedene Sportarten und Belastungsformen (Schwimmen, Aquafitness, Walking/Nordic Walking, Ergometertraining, kleine und große Spiele in der Halle)
  • Belastungssteuerung (subjektiv und objektiv)
  • Kennenlernen von Bewegungsformen im Alltag („Bewegter Alltag“)
  • Vermittlung von sportartspezifischen Fähigkeiten (z. B. Badminton, Basketball)
  • Zusammenhang zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch (Kalorienverbrauch bei unterschiedlichen Sportarten/Belastungsformen)
  • Verbesserung der Körperwahrnehmung
  • Sauna zur Stoffwechselanregung
  • Massagen bei Verspannungen (nach ärztlicher Verordnung)
  • Bei Haltungsschäden erfolgt zusätzlich eine physiotherapeutische Behandlung
  • Behandlung von muskulären Problemen mittels Kinesio-Tape bei Bedarf

Ernährungsberatung

  • Ernährungsberatung und Kochen durch Diätassistentin
  • Schulung bezüglich altersrelevanter Themen zur Ernährung unter aktiver Mitarbeit der Patienten
  • Praktische Übungen zum Erlernen von Zubereitungsformen von Speisen unter Vermittlung neuer Ideen und Erkenntnisse

Themen der wöchentlich stattfindenden Ernährungsberatung sind:

  • Gesunde Ernährung
  • Umgang mit Fast Food und entsprechenden Getränken
  • Geschmack unter dem Motto „mit allen Sinnen genießen“
  • Essen und Trinken in der Schule
  • Umgang mit Süßigkeiten
  • Portionsgrößen (Handmodell)
  • Ernährungspyramide verstehen und nutzen
  • Ernährungswerte und Energiegehalt
  • Umgang mit dem Schulungsbuffet

An Samstagen (einmal monatlich) wird eine Ernährungsberatung in der Gruppe für die Eltern angeboten, um eine Ernährungsumstellung bzw. Fortsetzung der erlernten Inhalte für die Zeit nach der Rehabilitation zu Hause zu ermöglichen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass hauseigene Kochbuch mit Hinweisen zu einer ausgewogenen Ernährung zu erwerben.

Einzelberatungen für Patienten mit Hypercholesterinämie, Hypertriglyceridämie, gestörter Glucosetoleranz, Hyperurikämie und Unverträglichkeiten werden zusätzlich durchgeführt.

Ernährung

  • Kalorienreduktion durch Reduktion der Portionsgrößen auf ein altersangemessenes Maß
  • Ausgewogene Mischkost (keine Diätprodukte)
  • Verwendung pflanzlicher Fette
  • Vegetarische Essensangebote
  • Kindgerechte Speisen
  • Verteilung der Energiemenge auf 6 Mahlzeiten (Obstzwischenmahlzeiten, Vesper, warme Hauptmahlzeiten)
  • Erprobung des erlernten Essverhaltens durch freie Portions- und Speisenwahl unter Supervision

Medizinische Betreuung (Diagnostik, Beratung, Therapie)

  • Schulung von Kindern und Eltern über die Co-Morbiditätsfaktoren
  • Anbahnung ambulanter Weiterbehandlungsmöglichkeit
  • Diagnostik bzw. Ausschluss eines metabolischen Syndromes (Fettstoffwechselstörung, pathologische Glucosetoleranz, Typ-2-Diabetes)
  • Feststellen von Haltungsschäden
  • Diagnostik kardiovaskulärer Erkankungen (z. B. arterieller Hypertonie) in Kooperation mit Kinderkardiologen und ggf. medikamentöse Therapie
  • Bei Bedarf sonografische Diagnostik des Abdomen (bzgl. Fetteinlagerungen in Leber und Pankreas) 
  • Schulung zur Vermeidung von Verletzungen
  • Schulung bezüglich Gesundheitsrisiken
  • Angemessene ärztliche Betreuung von psychosomatischen Beschwerden, insbesondere bei Vermeidung körperlicher Aktivität 
  • Weitervermittlung an Spezialzentren bei Bedarf (z.B. Adipositassprechstunde der Charité)

Adipositas-Zusatzangebot für Patienten im Alter zwischen 16 und 18 Jahren

Es handelt sich hierbei um Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren, die aufgrund von Adipositas und Co-Morbiditäten (siehe Diagnosen) und sekundärer Neurotisierung, sozialem Rückzug, Schulphobie bzw. depressiven Episoden und Rückzug „aus jedem Raster gefallen sind“, d.h. keinen Schulabschluss haben bzw. in keine Berufsausbildung aufgrund ihres Übergewichtes und deren Co-Morbiditäten gekommen sind.

Der bisherige Konzeptbaustein Adipositas wird durch die Module Sozialverhaltenstraining und einer Berufsberatung ergänzt.

Im Vordergrund steht die Wiedereingliederung bzw. Eingliederung in einen beruflichen Ausbildungsgang.

Ergänzende Therapieziele sind:

  • Integration bzw. Reintegration in den Alltag und das Berufsleben
  • Zukunftsperspektiven erarbeiten
  • Erstellen einer Bewerbungsmappe
  • Aufbau von selbstsicherem und sozial kompetentem Auftreten

Der Baustein Adipositas wird im Folgenden ergänzt:

Psychologische Betreuung

  • Erlernen adäquater Konfliktlösungsstrategien im beruflichen Alltag
  • Erkennen von Ressourcen und Stärken im Hinblick auf die Berufswahl

Ernährung

  • Erlernen der Eigenversorgung unter Arbeits- und Berufsbedingungen,
  • Zubereiten von Mahlzeiten

Medizinische Betreuung

  • Zusammenarbeit mit Kardiologen, Internisten und Endokrinologen sowie Allgemeinmedizinern am Heimatort
  • Leistungsprofil erstellen
  • Körperliche Einschränkungen darstellen
  • Ambulante Weiterbehandlung klären
  • Präventive Maßnahmen erläutern

Pädagogische Betreuung

  • Realitätsprüfung bezüglich Berufschancen in Bezug auf Bildungsstand
  • Berufsbilder und deren Anforderungskatalog bearbeiten
  • Ggf. Zusammenarbeit mit Arbeitsämtern sowie Besuch des Berufsinformationszentrums
  • Ggf. wieder in einen angemessenen Tag-/Nacht-Rhytmus finden
  • Angemessener Umgang mit Medien (Nutzung von Medien wie Handy oder PC sind in der MEDIAN Klinik für Kinder und Jugendliche eingeschränkt)