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Psychosomatik und Sucht

Die Abteilung "Psychosomatik und Sucht" behandelt Personen mit der Kombination von psychosomatischen bzw. psychischen Beeinträchtigungen und Substanzmissbrauch bzw. Abhängigkeit nach einem multimodalen tiefenpsychologisch-ressourcenorientierten Gruppentherapiekonzept. Wir arbeiten in wertschätzender unterstützender Weise auf humanistischer Basis.

Die gemischten Gruppen ermöglichen durch therapeutisch gestützten Austausch von Erfahrungen der Gruppenmitglieder untereinander das Erleben neuer Erfahrungen im Sinne eines Abbaus von Ängsten zugunsten von Selbstachtung und Lebensfreude.

Im folgenden werden die Indikationen genannt, für die wir ein Therapieangebot machen können.

  • Alkohol- , Cannabis und Medikamentenabhängigkeit mit begleitender psychischer Erkrankung (Depressionen, Ängste, Panikstörungen Zwangserkrankungen, Anpassungsstörungen nach belastenden Lebensereignissen)
  • Ängste und Depression, die nach erfolgter Suchtmittelentwöhnung auftreten
  • Nicht stoffgebundene Suchterkrankungen (Glücksspiel)
  • Pathologischer PC- / Internet-Gebrauch
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Psychosomatische Erkrankungen
  • Somatoforme Störungen (chronische Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Fibromyalgie) auch mit begleitender Medikamentenabhängigkeit
  • Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen durch erhöhten Stress (Mobbing, Burnout, schwere persönliche Konflikt - oder Verlustsituationen)
  • Zwangserkrankungen
  • Menschen mit psychischen Erkrankungen, Abhängigkeitsproblematik und körperlichen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Asthma, Lebererkrankungen oder andere internistische Erkrankungen der Kreislauf- Verdauungs- und Atmungsorgane, Polyneuropathie und andere neurologische Begleiterkrankungen
  • Begleitende Erkrankungen der Bewegungsorgane wie Arthrosen

Eine Aufnahme in die Abteilung Sucht und Psychosomatik ist nicht möglich bei:

  • Patienten mit akuter Suizidalität
  • Nicht abgeschlossener Entgiftung oder Entzugssymptomatik
  • Heroinabhängigkeit oder Substitution
  • Akuter psychotischer Symptomatik
  • Pflegebedürftigen Menschen
  • Aufnahme von wohnungslosen Menschen nur nach vorheriger Rücksprache
  • körperlichen Erkrankungen, die eine akutstationäre Krankenhausbehandlung erfordern.
  • Von KlientInnen mit einer Essstörung erwarten wir während des Aufenthaltes ein Mindestgewicht, das einem Body Mass Index (B M I = Körpergewicht in kg/ (Körpergröße in m)²) von 14,5 entspricht. Aus diesem Grund sollte das Aufnahmegewicht höher liegen, was wir in individuellen Kontakten vor einer Aufnahme gemeinsam festlegen.

Für Patientinnen und Patienten im Alter bis 21 Jahren ist sowohl ein Eigenbericht als auch ein persönliches Vorgespräch Voraussetzung für eine Aufnahme. Vorgespräche vereinbaren Sie bitte mit Frau Benedikt.

Behandlungskonzept Psychosomatik und Sucht

In der Abteilung Sucht und Psychosomatik arbeiten wir nach einem integrativen, multimodalen tiefenpsychologisch fundierten Gruppentherapiekonzept unter Einbeziehung verhaltenstherapeutischer und systemischer Elemente. 

Eine wertschätzende ressourcenorientierte und unterstützende Grundhaltung zeichnet unsere Arbeitsweise aus. Wir arbeiten mit Ihnen an Ihren individuellen Zielen, die wir gemeinsam auf Alltagstauglichkeit überprüfen. Gesundheitsförderliche Verhaltensweisen werden  gemeinsam entwickelt und in den beruflichen und privaten Alltag integriert.

Bezugsgruppe

Die Klienten werden am Aufnahmetag in Bezugsgruppen mit 12 Patienten aufgenommen. Die Bezugsgruppe arbeitet im Bezugsgruppenkontext in wöchentlich vier Gruppentherapiesitzungen mit der Bezugstherapeutin/dem Bezugstherapeuten und einmal wöchentlich in Eigenarbeit. Die Möglichkeit zu wöchentlichen Einzeltherapiegesprächen mit der Bezugstherapeutin / dem Bezugstherapeut ist eine wichtige Ergänzung der gruppentherapeutischen Arbeit.

Einzelpsychotherapie

In der Einzeltherapie können angst- und schambesetzte Themen angesprochen werden, die für das Einbringen in die Gruppentherapie einer besonderen Vorbereitung bedürfen und dienen der Bearbeitung als auch der Vorbereitung für das Einbringen in die Gruppenpsychotherapie. Insbesondere Befürchtungen und skeptische Seiten können hier ausgesprochen und gewürdigt werden. Dadurch wird die Einzeltherapie zu einer Art Supervision für den gesamten Therapieprozess – neben „gruppentherapeutischen Supervisionsangeboten“ in der Gesprächsgruppe bzw. strukturiert im Rahmen der „Reflecting Teams“. Die Einzelkontakte werden vom jeweiligen Gruppentherapeuten geführt. Die Frequenz richtet sich nach den individuellen Notwendigkeiten und findet in der Regel einmal in der Woche statt. In Krisensituationen stellt der Einzelkontakt einen besonderen Schutzraum dar. Der Leitende Psychologe bzw. Oberarzt/Chefarzt kann in Krisensituationen für zusätzliche Gespräche auch im Sinne einer „Zweitsicht“ vom Gruppen-/Einzeltherapeut angefordert werden („umgekehrtes Delegationsverfahren“). Dadurch ergibt sich nicht nur zwischen Rehabilitand und Therapeut das Prinzip der „Augenhöhe“, sondern auch zwischen der ärztlichen-therapeutischen Leitungsebene und den Gruppentherapeuten. In unserem Verständnis trägt dieses Vorgehen zur gleichrangigen Perspektivenvielfalt statt - und wird ergänzt durch die Sichtweisen der non-verbalen Therapeuten.

Gruppentherapie in der MEDIAN Klinik Odenwald

Themenzentrierte Gruppen

Ergänzend zur therapeutischen Arbeit in der Bezugsgruppe werden spezifische Problemstellungen bestimmter Komorbiditäten oder auch besonderer beruflicher Problemstellungen in themenzentrierten Gruppen gesondert und strukturiert behandelt. Organisatorisch wird dies durch im monatlichen Wechsel geschlossene themenzentrierte Gruppen mit je vier 90-minütigen Sitzungen gelöst. Der Gruppenverband wird hierfür aufgelöst und aus dem Pool aller Rehabilitanden der Abteilung werden für diesen Zeitraum vier bis fünf themenzentrierte Untergruppen gebildet. Die Rehabilitanden haben eine „Wahlpflicht“ zwischen den angebotenen Themen, die sie mit einer Einschätzung der persönlichen Relevanz der angebotenen Themen im Vorfeld schriftlich auf einer vierstufigen Skala treffen. Je zwei Themen beziehen sich jeweils auf die psychische Komorbidität (z.B. Depression, Rückfallprävention, Umgang mit Ärger und Aggression oder Bewältigung von Trauer) oder die berufliche Problematik (z.B. Bewerbungstraining, Konflikte am Arbeitsplatz, berufliche Interessen oder Stressbewältigung am Arbeitsplatz). Damit sind die themenzentrierten Therapieangebote eine weitere Ergänzung zu den Indikativen Therapieangeboten. Da die einzelnen Themenschwerpunkte in manualisierter Form vorbereitet sind und ein hohes Maß an Eigenaktivität fordern (z.B. Hausaufgaben) werden diese Gruppen sowohl von Gruppentherapeuten als auch von Kotherapeuten unter Supervision geleitet.

Indikationsgruppen

Die Behandlung der Komorbidität von psychischen bzw. psychosomatischen Störungen und Substanzstörungen beschränkt sich nicht auf einzelne indikative Gruppen (IG), sondern alle Bestandteile des Behandlungsprogramms sind auf die Verbesserung der Symptomatik und Kompensation von resultierenden funktionellen Einschränkungen bezogen. Die indikativen Therapiebausteine bieten ergänzend zur gesprächsbezogenen gruppen- und einzeltherapeutischen Arbeit und zu den nonverbalen Fachtherapien die Möglichkeit, spezifische Störungs- oder Konfliktbereiche themenzentriert, fokussiert und strukturiert zu bearbeiten. Sie können sowohl auf freiwilliger Basis besucht als auch vom Therapeuten „empfohlen“ und damit verpflichtend werden. Zu folgenden Themenbereichen werden Indikationsgruppen angeboten:

IG Angstbewältigung

Bei der indikativen Gruppe für Patienten mit Ängsten oder sozialen Hemmungen bei Abhängigkeit stehen in einem geschützten Raum Angststörungen sowie soziale Hemmungen (Sprechängste) und deren Bearbeitung im Vordergrund. Angststörungen zählen zu den häufigsten psychischen Problemen von Menschen mit Abhängigkeitserkrankung, entweder als mögliche Ursache (sich Mut antrinken), oder als Folge der Suchterkrankung. Deshalb ist es wichtig Ängste und soziale Hemmungen zu bearbeiten um eine Abstinenz ermöglichen.

Ergänzt wird dieses Angebot durch die themenzentrierte Gruppe Angstbewältigung: Diese befasst sich mit der körperlichen Seite von Ängsten, allen Angststörungen, die sich zur Panik steigern können, vermittelt ein neuropsychophysiologisches Modell der Angst, befasst sich mit Vermeidungs- und Bewältigungsverhalten, mit den langfristigen Folgen von Ängsten und gibt Beispiele für Bewältigungstechniken.

IG Depressionsbewältigung

Selbstverständlich beschränkt sich die Behandlung der Komorbidität von Depression und funktionalem Substanzgebrauch nicht auf eine indikative Gruppe, sondern alle Elemente des Behandlungsprogramms sind auf die Kompensation von funktionellen Einschränkungen dieser Störung bezogen. In der Depressionsgruppe werden verschiedene Erklärungsmodelle und Auslösesituationen von depressiven Erkrankungen auf dem Hintergrund von verhaltenstherapeutischen und tiefenpsychologischen Modellen vermittelt und für dysfunktionale Konfliktlösemuster und aufrechterhaltende Bedingungen i. S. des sekundären Krankheitsgewinns sensibilisiert. Es wird die Symptomatik, die Wechselwirkungen von depressiven Kognitionen / Emotionen / Handlungen sowie Bewältigungsmöglichkeiten verdeutlicht.

Ergänzend nehmen depressive Patienten an der Genussgruppe teil. Jeder einzelnen Sinnesqualität (Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken) wird gezielt Aufmerksamkeit gewidmet und damit der bewussten Wahrnehmung zugänglich gemacht. Innerhalb der Genussgruppe wird die Möglichkeit von Genusserleben über verschiedene Sinnesbereiche angesprochen, dieses trainiert und gestärkt. Die Gruppen sensibilisiert hierfür und bietet einen Rahmen, unterschiedliches Sinneserleben auszuprobieren und eigene Präferenzen zu finden. Weiterhin ist eine Möglichkeit für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch gegeben.

IG Missbrauch von Drogen und Medikamenten

In der Indikationsgruppe für spezifische Themen bei Missbrauch von Drogen und Medikamenten stehen in einem geschützten Raum Vorgeschichte und Folgen bei längerfristigem mehrfachem Substanzmittelmissbrauch im Vordergrund. Die Teilnehmer dieser Indikativgruppe tauschen ihre spezifischen Erfahrungen untereinender aus und werden therapeutisch in der schrittweisen inneren und äußeren Distanzierung von ihrem Konsum und den damit zusammenhängenden Lebenskonstellationen unterstützt. Ergänzend wird über neurobiologische Hintergründe der Drogen- und Medikamentenabhängigkeit informiert.

IG Pathologischer PC-/Internetgebrauch

Bei pathologischem PC-/Internet-Gebrauch fliehen die User oftmals vor schwierigen realen Lebenssituationen hinein in die gut beeinflussbaren und nahezu unbegrenzten Möglichkeiten des Internets. Lernerfahrungen in Face-to-Face-Kontakten werden nur in geringem Umfang gemacht und es kommt daher langfristig unbeabsichtigt zu Schwierigkeiten in realen Sozialkontakten. Das Leben dreht sich fast nur um den PC und das Internet. Probleme mit Angehörigen und Konflikte in Schule, Studium oder Arbeitswelt nehmen zu. In der Behandlung kommt es zunächst darauf an, den pathologischen PC- und Internet-Gebrauch als einen Lösungsversuch zur Befriedigung von wichtigen Bedürfnissen wertzuschätzen, auch wenn dieser Lösungsversuch für den Betroffenen und häufig auch für seine nahen Bezugspersonen zunehmend Leiden verursacht. Durch exzessives Gamen, Chatten oder Surfen im Internet suchen Betroffene häufig nach Erfolgserlebnissen in virtuellen Gemeinschaften, nach Erleben von Selbstwert, Anerkennung und Gestaltungsfähigkeit in sozialen Bindungen. In der Therapie wird mit den Betroffenen ein individuelles Verständnis für die auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen des PC-/Internet-Gebrauchs erarbeitet. Es wird nach hilfreichen alternativen Lösungen gesucht, um Bedürfnisse auch außerhalb des Internets erfüllen zu können, die bisher im Internet befriedigt wurden. Zur Suche nach für den Betroffenen hilfreicheren Alternativen gehört die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen, dem Selbstverständnis, der Art und Weise, wie mit anderen umgegangen wird. Unser therapeutisches Konzept setzt dabei auf eine erlebnisaktive therapeutische Vorgehensweise an, die die Überlegenheit der realen vor der virtuellen Welt deutlich werden lässt. Weitere Schritte sind einen unproblematischen Umgang mit dem PC und dem Internet zu erlernen, die sozialen Kompetenzen zu verbessern, mit dem Gefühlsleben besser umgehen zu können, einem Rückfall in altes Problemverhalten vorzubeugen.

IG Persönlichkeitsstile

In der Persönlichkeitsstilegruppe wird ein Überblick über verschiedene Persönlichkeitsstile, mögliche biographische Entwicklungsbedingungen und therapeutische Ansätze vermittelt. Es werden Ressourcen und dysfunktionale Interaktionsmuster herausgearbeitet und Weiterentwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt. Ziel der Gruppe ist es, für eigene dysfunktionale Persönlichkeitsanteile zu sensibilisieren und damit die Selbstreflexionsfähigkeit und Veränderungsmotivation zu fördern.

IG Tabakentwöhnung

In einem gestaffelten Angebot auf der Basis des manualisierten Therapieprogramms „Rauchfrei nach Hause!? - Klinikversion“ (www.ift-gesundheit.de) kann über Information und Motivation die Erfahrung eines Rauchstops gemacht werden. Entzugserscheinungen werden durch Ohrakupunktur behandelt.

Es werden mit jedem einzelnen Patienten Strategien zur Überwindung typischer Rauchsituationen erarbeitet.

IG Selbstsicherheitstraining

Im „Gruppentraining sozialer Kompetenzen“ (in Anlehnung an Pfingsten & Hinsch 2002) wird der Aufbau funktionaler, selbstsicherer Verhaltensweisen vermittelt sowie die Stärkung der Selbstbehauptungsfähigkeit gefördert. In diesem Zusammenhang werden zur Einübung des selbstsicheren Verhaltens auch Rollenspiele durchgeführt."

IG Traumabewältigung

In der Traumagruppe werden die Symptomatik einer Posttraumatischen Belastungsstörung, neurophysiologische Hintergründe bzgl. der Entstehung und ein Störungsmodell der Erkrankung vermittelt. Weiterhin wird an der Reizdiskrimination bei Triggern gearbeitet und Skills gegen Dissoziationen und Flashbacks vermittelt und eingeübt. Außerdem werden traumaspezifische Kognitionen mittels kognitiver Techniken bearbeitet und Techniken zur Reduktion von Gefühlen wie Schuld, Scham und Ekel erarbeitet. In diesem Angebot liegt der Fokus auf Stabilisierung, Selbstwertstärkung, Fördern von Abgrenzungskompetenzen und Distanzierung von traumatisch erlebten Erinnerungsbildern. Es fließen insbesondere die traumatherapeutischen Konzepte von Luise Reddemann mit ein.

IG Skills-Gruppe (Bewältigung von impulsiven Verhaltensweisen)

In der Skillsgruppe werden Grundlagen über die Anwendung von alternativen, funktionalen Strategien für den Umgang mit emotionalen Krisensituationen vermittelt. Es wird ein psychophysiologisches Stressmodell vermittelt und auf dessen Grundlage individuelle Stresssymptome sowie persönliche Frühwarnzeichen herausgearbeitet. Darauf aufbauend werden im Gruppensetting individuelle Skills erarbeitet, erprobt und in einem „Notfallkoffer“ für Krisensituationen zusammengestellt.

Orientierungsgruppe

Die Orientierungsgruppe ist ein Angebot für neu angereiste Patienten, die noch keiner der oben genannten themenzentrierten Gruppen zugeordnet werden konnten. Sie dient zum einen der Reflektion der Motivation für die Behandlung als auch der Information über Abläufe in der Klinik und zur Entängstigung. Zum anderen werden die möglichen Ursachen für die Entstehung der Erkrankungen besprochen, die zur Beantragung der Behandlung geführt haben, und darüber hinaus die Krankheitsfolgen. Auf diesem Hintergrund werden mögliche Behandlungsziele besprochen. Daneben können natürlich auch Fragen zum Therapieprogramm und zur Hausordnung gestellt werden.

Ergotherapie mit dem Ziel einer Förderung individueller Fähigkeiten und Stärken

Insbesondere für Patienten nach längerer Erkrankung oder Arbeitslosigkeit, mit Problemen am Arbeitsplatz oder bei der Gestaltung und Strukturierung ihrer Freizeit dient die kompetenzzentrierte Ergotherapie der Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung von Fähigkeiten und Fertigkeiten im lebenspraktischen, beruflichen und sozialen Bereich. Basisfähigkeiten wie Pünktlichkeit, Sorgfalt, Fachkompetenzen, Handlungsplanung und –durchführung wie auch soziale und emotionale Fähigkeiten (z.B. Verhalten in der Gruppe, Teamfähigkeit, Selbständigkeit und Selbstvertrauen, Kontakt- und Kritikfähigkeit, Frustrationstoleranz und Durchhaltevermögen) werden erprobt und trainiert. Weiterhin kann durch die adäquate Selbst- und Fremdeinschätzung der aktuellen Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit im Hinblick auf bisherige und zukünftige Anforderungen eine möglichst realistische Zukunftsperspektive entwickelt werden. Ergänzend können bei Bedarf Hirnleistungs- oder Computertraining und arbeitsplatzbezogene Sozialberatung durchgeführt werden.

"Reflecting Team"

Regelmäßig können Patienten als Zuhörer an unseren Teamsitzungen des Behandlungsteams "Sucht und Psychosomatik" teilnehmen. Das Team tauscht sich auf Wunsch der teilnehmenden Patienten über Fragen zum Fortschritt bei der Erreichung der Behandlungsziele sowie zu wahrgenommenen Ressourcen und Fähigkeiten transparent aus und hat nach unserer Erfahrung eine katalysatorische Wirkung für den Behandlungsprozess. Augenscheinlich wichtig scheint den Rehabilitanden zu sein, dass das Behandlungsteam – unabhängig von deren Hierarchie – darstellt, dass hier multiprofessionell und respektvoll kooperiert wird. Die möglicherweise völlig andere Einschätzung aus der Ergotherapie kann so neben der des Leitenden Psychologen (z.B. aus einer Krisensituation heraus entwickelt) stehen und zeigen sowohl den Rehabilitanden als auch Mitarbeitern, dass es nicht „Die einzig gültige Sicht“ gibt, sondern dass Kompetenzen durchaus einen Preis haben können so wie umgekehrt vermeintliche Nachteile mit Kompetenzen in Verbindung stehen (drastisches Beispiel: blinde Menschen entwickeln ihre anderen Sinne). Das "Reflecting Team" ist eine bei Patienten zunehmend geschätzte Form der Transparenz und Rückmeldung.

Sport- und Bewegungstherapie

Es kann als wissenschaftlich gesichert angesehen werden, dass durch regelmäßige und ausgeglichene körperliche Bewegung verschiedene psychosomatische Beschwerden gebessert werden können, die allgemeine Leistungsfähigkeit gestärkt wird und das körperliche und seelische Wohlbefinden wiederhergestellt werden. Außerdem gibt es Belege dafür, dass die Psychotherapiefähigkeit durch Bewegungstraining verbessert wird. Mit bewegungstherapeutischen Maßnahmen werden außerdem teilhaberelevante Ziele der verbesserten körperlichen Leistungsfähigkeit gefördert. Sport- und Bewegungstherapie und Entspannungstechniken tragen dazu bei, die Körperwahrnehmung zu verbessern sowie die körperliche Belastbarkeit und physische Funktionen zu fördern und zu trainieren. In der MEDIAN Klinik Odenwald gibt es vielfältige Sportangebote, auch bedingt durch die großzügige Sporthalle und das Schwimmbad. Es gibt ein umfangreiches und je nach körperlicher Leistungsfähigkeit gestuftes sport- und bewegungstherapeutisches Angebot: Nordic Walking, Joggen, Gehtraining, Spinning (Fahrradergometertraining; Armergometertraining), Muskel und Ausdauertraining, Wassergymnastik, Schwimmkurs, Volleyball, Badminton, Tischtennis, Gymnastik, Bewegungs- und Physiotherapie (Einzel, Kleingruppen) für körperlich Eingeschränkte.

Rückfallmanagement

Unabhängig davon, ob es sich diagnostisch bei der substanzbezogenen Störung im Einzelfall um einen funktionalen Substanzmissbrauch oder die Kriterien eine Substanzabhängigkeit erfüllt sind, ist Therapiefähigkeit nur bei Einhalten der Abstinenz vorhanden. Dennoch gehören Rückfälle bzw. eine Rückfallgefährdung zum Wesen der Grundproblematik von Abhängigkeitserkrankungen. Dies gilt in besonderem Maße beim Vorliegen von komorbiden psychischen bzw. psychosomatischen Störungen, da dies die Wahrscheinlichkeit von Krisensituationen erhöht.

Ein Substanzkonsum wird von daher zunächst nicht als Fehlverhalten oder als mangelnde Motivation gewertet, sondern als Komplikation der laufenden Behandlung betrachtet und entsprechend analysiert. Komplikationen können wie generell in der Medizin prinzipiell auch unerwünschte Wirkungen der Behandlung selbst sein, sodass ein Rückfall, sei es mit Substanzen oder eine Verschlechterung psychischer bzw. psychosomatischer Symptome immer auch eine Reflektion über die Rehabilitationsplanung und -durchführung im Behandlungsteam auslöst.

Als Maßnahmen zur Rückfallerkennung und -prävention werden indikationsabhängig regelmäßig unangekündigte Alkoholkontrollen (z.B. Atemalkoholkontrollen) sowie Medikamenten- und Drogenscreenings durchgeführt.

Ein Rückfall mit Substanzen löst zunächst ein direktes Monitoring durch die Medizinische Abteilung aus. Es wird eine Kontrolle des Ausmaßes der Intoxikation, möglicher körperlicher Komplikationen und ggf. des Vorhandenseins weiterer Vorräte psychotroper Substanzen durchgeführt. Ggf. werden Maßnahmen zur akuten Versorgung ergriffen (Beobachtung im Krisenzimmer, psychiatrische Behandlung zur Beurteilung von Selbst- oder Fremdgefährdung, externe Verlegung in eine Entgiftungsklinik).

Sind akut keine weiteren Maßnahmen notwendig wird vom Bezugstherapeuten die weitere Klärung von Hintergründen und der Bedeutung für die weitere Behandlung eingeleitet. Im Behandlungsteam wird gemeinsam über das weitere Vorgehen beraten. Bei prinzipiell vorhandener Therapiefähigkeit wird in der Regel eine sogenannte „Probewoche“ vereinbart, innerhalb der der Rückfall bearbeitet werden sollte und ggf. Entscheidungen über die weitere Rehabilitationsplanung und –durchführung getroffen werden. Der übliche Behandlungsablauf wird in der Regel fortgesetzt.

Es gibt keine Regel dergestalt, dass beim wiederholten Rückfall die Behandlung zwingend zu beenden ist. Grundsätzlich wird die Einschätzung der Therapiefähigkeit und der Prognose leitend für das „ob und wie“ der Behandlungsfortführung sein. Disziplinarische Maßnahmen (Ermahnung, Entlassung) werden prinzipiell unabhängig vom Rückfallgeschehen ergriffen. Wenn z.B. Substanzen in die Klinik mitgebracht wurden oder andere Personen fahrlässig gefährdet wurden, wird dies jedoch disziplinarisch behandelt.

Entspannungstherapie, Stressbewältigung

In der Entspannungstherapie werden geeignete Verfahren für Selbstübungen vermittelt: Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training. Zusätzlich werden Meditation oder Ohr-Akupunktur angeboten.

In der Gruppe „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ wird mit verschiedenen Schwerpunktsetzungen trainiert, wesentliche Sensationen wie Gedanken, Gefühle, Impulse, das eigene Interaktionsverhalten oder körperliche Regungen bewusster wahrzunehmen. Es wird verdeutlicht, dass die Schulung eines „Inneren Beobachters“ in verschiedener Hinsicht entlastet, den Handlungsspielraum erweitert und bspw. auch für die Rückfallprophylaxe von großer Bedeutung ist. Zwei zentrale Module beschäftigten sich zudem mit psychoedukativen Elementen zum Thema „Stress“, der Identifikation von persönlichen Stressverstärkern sowie der Sensibilisierung für sich entwickelnde Stressreaktionen, mit denen ein achtsamer Umgang angestrebt wird.

Freizeitangebote

Eine befriedigende suchtmittelfreie Freizeitgestaltung stellt im Kontext von Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft eine wichtige Zielsetzung zur nachhaltigen Überwindung der psychischen funktionellen Einschränkungen, für die Aufrechterhaltung der Abstinenz und die Wiederaufnahme einer Arbeit dar. Die vorhandenen Freizeitangebote der Klinik dienen dazu, die Rehabilitanden anzuregen, ihre Freizeit aktiv und eigenverantwortlich zu gestalten.

Sinnvolle Freizeitgestaltung lässt sich u.a. über Sport und Bewegung vermitteln. Die körperliche Leistungsfähigkeit kann verbessert werden, soziale Fertigkeiten werden trainiert. Deshalb stehen nahezu alle Einrichtungen der unterschiedlichen Therapiebereiche in der Freizeit mit fachlicher Rücksprache der verantwortlichen Mitarbeiter aus den Fachtherapien zur Verfügung:

  • Sporthalle mit Tischtennisplatten

  • Schwimmbad und Sauna

  • Muskeltrainingsgeräteraum

  • Trekking-Fahrräder können ausgeliehen werden

  • Gesellschaftsspiele in den Aufenthaltsräumen

  • Basteln, Malen, Seidenmalerei im Freizeitraum der Ergotherapie

  • Bibliothek

  • Nutzung der Musikinstrumente der Musiktherapie

  • Selbstorganisierte Filmvorführungen im Kino

  • Kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen in der Umgebung

  • Cafeteria in Eigenverwaltung

Einbeziehung der Angehörigen

Die Integration in ein intaktes soziales Umfeld ist gleichzeitig ein wesentlicher Prognosefaktor für ein abstinentes Leben. Unter Angehörigen werden alle wichtigen Bezugspersonen, insbesondere der Ehe- und Lebenspartner, verstanden.

Erscheint es aus Therapeuten- und Patientensicht nützlich bzw. notwendig, werden die Partner bzw. die Familie oder sonstige relevante Bezugspersonen im Rahmen eines Gespräches während des Therapieverlaufes einbezogen. Um eine hohe Effektivität zu ermöglichen, bereiten wir diese Gespräche ausführlich vor, indem die gewünschten Ziele und Befürchtungen eines negativen Ausgangs des Gespräches erarbeitet werden.

Wir führen alle Paar- und Familiengespräche mit dem Bezugs- und einem weiteren Co-Therapeuten durch. Dadurch ermöglichen wir Perspektivenvielfalt. In den Gesprächen können aktuell bestehende Kränkungen, mögliche Entwicklungsaufgaben für die Beziehung sowie die wechselseitigen Erwartungen an die nachstationäre Phase sichtbar gemacht werden. Letzteres im Sinne eines guten Transfers der Therapieziele in den Alltag. Die relevanten Bezugspersonen können wichtige Hilfen darstellen, um die in der Therapie entfalteten Lösungskompetenzen und neu erprobten Verhaltensweisen zu unterstützen und im Alltag stabil zu integrieren.

In den gemeinsamen Gesprächen wird überprüft, welche der bisher verwandten Interaktionsmuster sich konstruktiv und gesundheitsförderlich erwiesen haben und welche eher nicht. Dabei werden wichtige Informationen darüber gewonnen, was in der gemeinsamen Arbeit ausgebaut werden sollte, während der restlichen Therapiezeit und dann auch im Heimatkontext.

Medizinisch-berufliche Angebote

Möglichkeit zu Arbeitgebergesprächen, sozialmedizinische Beratung

Arbeitsbezogene Interventionen minimieren das „krankheitsbedingte Rückfallrisiko“ und dienen der beruflichen Orientierung und Re-Integration, die bei Abhängigkeitskranken nachweislich einen stabilisierenden Faktor für eine dauerhafte Abstinenz darstellen (Bachmeier et al. 2016). Weitere mögliche Ziele sind die Förderung der Grundarbeitsfähigkeit, sozialer Fähigkeiten und des Selbstbilds. Je nach Zielgruppe und beruflicher Problemlage (z.B. Konflikte am Arbeitsplatz, Arbeitslosigkeit) sind unterschiedliche Schwerpunktsetzungen möglich.

Am Anfang steht die berufsbezogene Diagnostik mit Hilfe des Screening-Instruments zur Erkennung eines MBO-Rehabilitationsbedarfs bei chronischen Erkrankungen (SIMBO-C; Streibelt et al. 2007), die Exploration der Aktivitäts- und Partizipationsbeeinträchtigungen bei psychischen bzw. psychosomatischen Erkrankungen (Mini-ICF APP; Linden et al. 2015), die gründliche Exploration der Berufsanamnese unter Berücksichtigung von Ressourcen, Motivation und manifesten Teilhabeeinschränkungen und ggf. die psychometrische Erhebung mit Hilfe des Selbstbeurteilungsbogens „Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster (AVEM; Schaarschmidt & Fischer 2008).

Mit dem Rehabilitanden werden gemeinsam berufliche Rehabilitationszeile formuliert und erste Zwischenschritte und Behandlungsaufgaben festgelegt. Die generierten Daten und Erkenntnisse werden im Aufnahmebefund dokumentiert und die weitere Rehabilitationsplanung zur konkreten und einzelfallbezogenen Förderung beruflicher Wiedereingliederung im Behandlungsteam vorgenommen.

In direkter Anlehnungen an den Empfehlungen zur Stärkung des Erwerbsbezugs in der medizinischen Rehabilitation Abhängigkeitskranker (DRV 2014) bieten wir im Rahmen der verschiedenen professionellen Bereiche spezifische therapeutische Leistungen zur Förderung beruflicher Teilhabechancen an:

Steine Psychosomatik und Sucht in der MEDIAN Klinik Odenwald
  • Themenzentrierte psychotherapeutische Gruppeninterventionen zu Arbeitsbezogenen Themen (Wahlpflicht: Bewerbungstraining, Konflikte am Arbeitsplatz, Berufliche Interessen oder Stressbewältigung am Arbeitsplatz, Orientierungsgruppe)
  • Psychotherapeutische Einzelgespräche zur Klärung von Konfliktlagen und Perspektiven, Ressourcenaktivierung, Förderung von Selbstwirksamkeit.
  • Leistungsdiagnostik (Konzentration, Gedächtnis, Intelligenz, Demenz) zur Diagnostik von kognitiven Einschränkungen
  • Sozialrechtliche Information „Rehabilitation und Arbeitsleben“
  • Beratung und rechtzeitige Vermittlung durch den Sozialdienst in spezifische Maßnahmen wie z.B. Adaption.
  • Ergotherapeutische Diagnostik und Förderung insbesondere von psychischen und kooperativen leistungsrelevanten Funktionen und Aktivitäten. Hierzu werden kompetenzzentrierte Methoden und gestalterische Prozesse als gezielte therapeutische Maßnahmen eingesetzt. Eigenschaften wie Selbstvertrauen, Übernahme von Verantwortung, Belastbarkeit und Konzentration, Anpassungs- und Ausdauerfähigkeiten, Einhaltung von Zeitstrukturen, Teamarbeit und das Erfassen von Arbeitsanleitungen werden gefördert und gefestigt. Anforderungsprofile über berufliche Leistungen werden erstellt und dem Leistungsprofil des Rehabilitanden gegenübergestellt.
Patienten spielen Schach in der MEDIAN Klinik Odenwald
  • Das „Gruppentraining sozialer Kompetenzen“ (in Anlehnung an Pfingsten & Hinsch 2002) dient der Förderung der Problembewältigung am Arbeitsplatz, in dem Verhaltensstrategien zur Sicherung des Arbeitsplatzes erprobt und Kompetenzen zum Umgang mit Autoritäten, Kritik, Über- und Unterforderung und in der Kommunikation erlernt und erprobt werden.
  • Bewerbungstraining und PC-Schulungskurse werden bei Bedarf im Rahmen der Ergotherapie angeboten
  • Bei der Beratung durch das Rehabilitationsteam hinsichtlich der Bewältigung konkreter beruflicher Anforderungsprofile werden gemeinsam mit dem Rehabilitanden unter Berücksichtigung seiner beruflichen Anamnese und des beruflichen Hintergrundes weitere Schritte entwickelt. Bei manchen Rehabilitanden müssen aufgrund ihrer Funktionsausfälle neue berufliche Orientierungen gesucht oder es muss entschieden werden, welche Arbeitsmöglichkeiten überhaupt vorhanden sind.
  • Eintägige arbeitstherapeutische Belastungserprobung bei Indikation zur Überprüfung von Durchhaltefähigkeit und Leistungsmenge über einen simulierten Arbeitstag hinweg.
  • Arbeitgebergespräche mit sozialmedizinischer Beratung zur Wiedereingliederung auf dem bisherigen Arbeitsplatz oder ggf. zur Eingliederung auf einem anderen oder angepassten Tätigkeit werden mit zunehmender Akzeptanz seit der gesetzlichen Verankerung des Betrieblichem Wiedereingliederungsmanagements (BEM) wahrgenommen und tragen ggf. auch zur Vorbereitung auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bei. Hierzu wird bei Bedarf auch der Integrationsfachdienst eingeschaltet und weitere Maßnahmen eingeleitet.
  • Besonders hilfreich kann bei bestehendem Arbeitsverhältnis die Einleitung stufenweiser Wiedereingliederung bei weiter bestehender Arbeitsunfähigkeit zur Erleichterung der Rückkehr an den Arbeitsplatz bei der Planung berufsintegrierender Maßnahmen nach Entlassung sein.
  • Im Rahmen von Betriebsseminaren mit betrieblichen Sozialdiensten als Kooperationspartnern größerer Arbeitgeber können die Rehabilitanden im direkten Erfahrungsaustausch Erkenntnisse über arbeitsrechtliche Grundlagen, Betriebsvereinbarungen zur Gesundheitsförderung und Enttabuisierung von Sucht- und psychischen Problemen am Arbeitsplatz gewinnen. Die Erfahrung mit der eigenen Erkrankung wandelt sich hierbei erfahrungsgemäß vom Makel zur Kompetenz.