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Schlafstörungen

Schlaf und Schlafstörungen

Schlaf ist gesund, willkommen und erwünscht. Zeitweise ist er allerdings auch gestört. In der täglichen Arbeit der Rehabilitation spielen der Schlaf und seine Störungen eine große Rolle. Es gibt zahlreiche Mythen um einen guten und erholsamen Schlaf. Insgesamt verbringt der Mensch fast ein Drittel seines Lebens mit Schlafen.  Dabei ist der Schlaf individuell. Die Dauer und die Art des Schlafes des einen Menschen muss nicht unbedingt für einen Anderen passend sein.  

Der normale Schlaf

Für die Regeneration von Körper und Geist ist Schlaf lebensnotwendig. Dieser beeinflusst unsere Tagesbefindlichkeit und Leistungsfähigkeit, sowohl psychisch als auch körperlich.

Dabei durchläuft man als Erwachsener in einer Nacht verschiedene Schlafstadien, die in Zyklen eingeteilt sind.

Ein normaler Schlaf ist durch insgesamt fünf Schlafstadien gekennzeichnet:

Stadium I

Kurz nach dem Einschlafen, leichter Schlaf

Stadium II

Leichtschlaf

Stadium III

Übergang zum Tiefschlaf

Stadium IV

Tiefschlaf

REM-Schlaf 

Rapid Eye Movement - Traumschlaf

Darstellung der Schlafstadien im Hypnogramm einer Nacht (Quelle: somnishop.com/gut-und-gesund-schlafen-in-den-schlafphasen/; letzter Zugriff 10.09.2019)

Diese Schlafphasen wiederholen sich bei gesunden Menschen mehrfach pro Nacht. Zu Beginn der Nacht sind Tiefschlafphasen im Vordergrund. Dieser werden im weiteren Verlauf kürzer. Umgekehrt werden sogenannte Traumschlafphasen von Zyklus zu Zyklus länger.

Das individuelle Schlafbedürfnis ist sehr unterschiedlich und verändert sich auch in Abhängigkeit vom Lebensalter. Durchschnittlich benötigt ein Erwachsener ca. 6 -8 Stunden Schlaf. Dabei gibt es aber auch Menschen, die sich erst nach 10 Stunden Schlaf erholt fühlen und aber auch Menschen, die sich mit 5 Stunden Schlaf begnügen. Ein verbindliches Maß gibt es hierbei nicht.

Formen von Schlafstörungen

Es gibt zahlreiche Formen der Schlafstörungen, die in unterschiedliche Gruppen eingeteilt werden.

Eine gebräuchliche Einteilung stellt die „Internationale Klassifikation der Schlafstörungen der American Academy of Sleep Medicine“ (ICDS) (2012):

Klassifikation (nach ICSD2):

  • primär (bei Ausschluss organischer oder psychiatrischer Krankheitsursachen)
  • sekundär (bei Nachweis organischer oder psychiatrischer Krankheitsursachen)

Primäre Insomnien

Die psychophysiologische Insomnie ist eine Störung mit körperlicher Anspannung und gelernten, schlafverhindernden Assoziationen, die zu Beschwerden einer Insomnie und daran gekoppelter verminderter Leistungsfähigkeit während des Wachzustandes führt. Anzeichen für gelernte, schlafverhindernde Assoziationen sind übertriebene Anstrengung einzuschlafen, ein erhöhtes Erregungsniveau, insbesondere vor dem Schlafengehen, und ein besserer Schlaf in anderer Schlafumgebung als in der üblichen. Die Fehlbeurteilung des Schlafzustandes ist eine Störung, bei der Beschwerden einer Insomnie oder übermäßigen Schläfrigkeit ohne objektiven Nachweis einer Schlafstörung auftreten. Die selten vorkommende idiopathische Insomnie beginnt in der Kindheit und dauert lebenslang, wobei im Vordergrund ein lebenslanges Unvermögen steht, ausreichend zu schlafen. Es wird vermutet, dass dem eine neurologisch bedingte Störung der Schlaf-wach-regulierenden Systeme zugrunde liegt.

Sekundäre Insomnien

  1. Neurologische Erkrankungen
    beispielsweise Epilepsien, degenerative Erkrankungen (z. B. Morbus Parkinson); Hirntumore
     
  2. Psychiatrische Erkrankungen
    Jede psychiatrische Störung kann zu Schlafstörungen führen. Besonders hervorzuheben ist die enge Kopplung depressiver Erkrankungen und Angststörungen mit Insomnien, sowie Substanzmissbrauch/-abhängigkeit und Demenzen.

Diagnostik

Die Schlafstörungen werden entsprechend Ursachen, Schweregrade, Begleiterkrankungen sowie beruflichen und sozialen Lebensbedingungen diagnostiziert. Die meisten Störungen können mit einer spezifischen Anamnese diagnostiziert werden. Diese kann durch Fragebögen, Testverfahren oder Schlaftagebücher, sowie technische Diagnostikergänzt werden. Die schlafmedizinische Diagnostik in einem Schlaflabor  ist oftmals bei schweren organischen Schlafstörungen angezeigt. Dort werden dann körperliche Signale in einer sog. Polysomnographie aufgezeichnet. Hierbei werden ein EKG (Elektrokardiogramm), der Muskeltonus (Elektromyogramm, EMG), die Hirnströme (Elektroencephalogramm, EEG), die Augenbewegungen( Elektrookulogramm, EOG), die Atmung, das Schnarchen, die Sauerstoffsättigung und die Körperbewegungen (mittels Videoaufnahme) abgeleitet und aufgezeichnet.

Anhand der Ergebnisse erfolgt dann die Auswertung, Diagnosestellung und danach die Therapieempfehlung.

Schlafstörungen können in die Schweregrade leicht, mittelgradig und schwer eingeteilt werden.

Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie)

Das System „Schlaf“ reagiert empfindlich auf Störungen. Vor allem Stress trägt zu Schlafproblemen bei. Viele Menschen entwickeln dann Strategien um mit diesem Problem umgehen zu können. So führen einige tagsüber regelmäßige Nickerchen durch, haben einen erhöhten Koffeinkonsum oder trinken abends vor dem Schlafengehen noch alkoholische Getränke. Nachtarbeiten und/ oder unregelmäßige Schlafenszeiten unterstützen ebenfalls Schlafprobleme. Es werden eine allgemeine Anspannung und eine ausgeprägte Angst vor der Schlaflosigkeit aufgebaut.

Durch Stress verursachte Einschlafprobleme können aufgrund der daraus resultierenden Gewohnheitseffekte noch lange anhalten, obwohl die eigentliche Ursache bereits beseitigt wurde.

Die Schlaflosigkeit mit Ein – oder Durchschlafstörungen wird als Insomnie bezeichnet. Diese sind die am häufigsten auftretenden Schlafstörungen. Die Symptomatik ist nicht spezifisch für bestimmte psychische oder körperliche Erkrankungen.

Folgende Beschwerden können dann wiederum als Folge der Insomnie auftreten:

  • Tagesmüdigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Gedächtnisprobleme
  • Eingeschränkte Leistungsfähigkeit
  • Innere Unruhe
  • Kopfschmerzen
  • Stimmungsschwankungen

Bei der Insomnie handelt es sich um eine Beschwerde, welche als Folge unterschiedlichster Ursachen auftreten kann. Dementsprechend muss die Behandlung nicht nur die Insomnie behandeln, sondern auch deren Ursache.

So beispielsweise bei:

1. Akuten Belastungen

Akut aufgetretene Ein- und Durchschlafstörungen, welche im zeitlichen Zusammenhang zu belastenden Ereignissen stehen. Dies kann z. B. der Tod nahestehender Personen, Trennungen, Verlust der Arbeit oder anstehenden Prüfungssituationen sein. Diese Art der Schlafstörungen bildet sich normalerweise innerhalb weniger Tage zurück, wenn die akute Belastung abgeklungen ist

2. Chronischer Insomnie

Hier wird eine akute Belastung im Vorfeld angenommen, wobei dann nachfolgend Faktoren das Fortbestehen der Ein- und Durchschlafstörung fördern, so dass diese auch nach Abklingen der ursächlichen Belastungssituation fortbestehen.

Hier besteht die Therapie bei vielen Betroffenen v.a. in psychotherapeutischer Intervention, wobei auch der kurzfristige Einsatz von Schlafmitteln den Teufelskreis aus Nicht-Einschlafen-können, der damit einhergehenden erhöhten Erregungsbereitschaft und der daraus sich aufbauenden Schlaflosigkeit durchbrechen kann.

3. Unzureichende Schlafhygiene

Durch „falsche“ Verhaltensweisen kann der Betreffende Ein- oder Durchschlafstörungen fördern, bzw. verstärken. Diese wären u.a.:

  • Unregelmäßige Schlafenszeiten (Schichtarbeit)
  • Tagesschlaf
  • Vor dem Schlafengehen Alkohol oder Koffein oder Nikotin
  • Exzessive körperliche Anstrengung vor dem Schlafengehen (bspw. Sport direkt davor)
  • Schlafraum ungünstig (zu heiß, zu kalt, feucht, etc.)
  • Schlaffremde Aktivitäten im Bett (Handy, Laptop, Fernsehen)

Umgang mit Ein- und Durchschlafschwierigkeiten

Nehmen Sie sich unnötigen Zeitdruck und vermeiden Sie es nachts auf die Uhr zu schauen.

Anspannung und der unbedingte Wunsch nun endlich einschlafen zu wollen führt dazu, dass das Schlafzimmer häufig mit quälenden Einschlafversuchen assoziiert wird. Schlaflose Zeit sollte daher so wenig wie möglich im Schlafzimmer verbracht werden. Stehen Sie auf, wenn Sie merken, dass Sie nicht mehr einschlafen können. Gehen Sie erst wieder in Ihr Bett, wenn Sie das Gefühl haben schlafen zu können. Das Bett sollte ausschließlich zum Schlaf benutzt werden. Arbeiten sollten außerhalb des Bettes erledigt werden. Schlafen Sie nicht woanders (Sofa/Couch/Wohnzimmer o.ä.).

Bleiben Sie nur solange im Bett, wie Sie auch tatsächlich schlafen.

Kurz: haben im Bett nichts zu suchen!

Vor dem Schlafengehen können Entspannungsübungen das Einschlafen fördern. PMR, autogenes Training, Meditation, Biofeedback sind erprobte Methoden um Schlafprobleme zu reduzieren. Hierbei ist es wichtig, dass Sie eine Ihnen zusagende Technik erlernen und diese regelmäßig in der Woche (am besten täglich) üben. 

Förderung gesunden Schlafes

Wichtige Voraussetzungen für einen gesunden Schlaf sind u.a. ein bequemes Bett (Matratze) und ein ruhiger, temperierter, abgedunkelter Raum. Das Zimmer sollte mit ausreichend frischer Luft versorgt sein und die Temperatur sollte eher etwas kühl, als warm sein.

Schlafhygiene - Verhaltensmaßnahmen

  • Gehen Sie nur schlafen, wenn Sie müde sind
  • Führen Sie vor dem Zubettgehen „Schlafrituale“ durch
  • Vor dem Schlafengehen kein Koffein zu sich nehmen (bspw. Kaffee/Cola/Energydrinks)
  • Vermeiden Sie das Schlafen tagsüber
  • Reduzieren Sie den Alkoholkonsum, bzw. verzichten Sie bei Schlafstörungen darauf
  • Meiden Sie Schlaftabletten bzw. gehen Sie behutsam damit um. Einige davon (z. B. Benzodiazepine wie Lorazepam oder Diazepam) beinhalten ein Abhängigkeitspotential

Insomnie bei psychischen Erkrankungen

Viele unserer psychisch erkrankten Patienten berichten über Schlafstörungen. Es können Ein- und/oder Durchschlafstörungen sein. Morgendliches Früherwachen, Albträume, ein vermindertes oder erhöhtes Schlafbedürfnis sein. Auf der anderen Seite können die psychischen Erkrankungen auch zu Schlafstörungen führen. Die Entscheidung zu treffen, was nun Ursache und was denn nun Folge einer Schlafstörung ist, kann da durchaus schwierig sein. So kann es sein, dass Betroffene, die sich selbst beispielsweise nicht als depressiv wahrnehmen, eine Schlafstörung und andere körperliche Symptome aufweisen, die die eigentliche depressive Erkrankung verdecken.

Schlafstörungen können bei folgenden psychischen Erkrankungen auftreten:

  • Depression
  • Manie
  • Bipolaren Störungen
  • Schizophrenien
  • Suchterkrankungen (Alkohol, Medikamente, Drogen etc.)
  • Angststörungen
  • Zwangsstörungen
  • Demenzen

Bei der Therapie solcher Schlafstörungen steht die Behandlung der psychischen Grunderkrankung im Vordergrund. Mit Besserung der psychischen Erkrankung bilden sich die Schlafstörungen meist mit zurück. Hierbei kann sich von therapeutischer Seite aus der Symptomatik genähert werden und auch von medikamentöser Seite, wie beispielsweise schlaffördernder Antidepressiva oder Neuroleptika.

Schlafstörung bei körperlichen Erkrankungen

Schlafapnoe

Die sogenannte Schlafapnoe zählen Schlafmediziner zu den schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS). Sie treten erster Linie im Schlaf auf. Hierbei treten immer wieder Atemaussetzer auf. Dies führt wiederum zu einer Alarmreaktion, da der Kohlendioxidgehalt im Blut gesteigert wird und die Sauerstoffsättigung sinkt. Der Mensch wird wach. Der Schlaf ist damit gestört.

Die Schlafapnoe betrifft nicht nur denjenigen, er sie hat, sondern auch den Bettnachbarn, den das laute und unregelmäßige Schnarchen stören kann.

Die Schlafapnoe kann in zwei Gruppen eingeteilt werden:

  1. Zentrale Schlafapnoe
  2. Obstruktive Schlafapnoe

Die zentrale Schlafapnoe hat eine gestörte Atemregulation als Ursache und der Atemantrieb setzt immer wieder aus. Hierbei gibt es ebenfalls verschiedene Formen

  • Primäre zentrale Schlafapnoe
  • Zentrale Schlafapnoe bei Cheyne-Stokes-Atmung
  • Zentrale Schlafapnoe in großer Höhe

Bei der obstruktiven Schlafapnoe ist zumeist eine Einengung der oberen Atemwege verantwortlich. Hierzu zählen verschiedene Risikofaktoren wie Übergewicht, Alkohol, Rauchen, sowie verschiedene Erkrankungen wie u.a. Diabetes mellitus.

Bei der Schlafapnoe kann es zu vermehrter Tagesmüdigkeit, Erschöpfung, Bluthochdruck und auch zum sog. Sekundenschlaf kommen, was die Unfallgefahr steigert. Ebenfalls kann es zu Konzentrations– und Gedächtnisstörungen kommen.

Eine medikamentöse Behandlung gibt es nicht. Der Schlafapnoe kann entweder mit Veränderungen (bspw.: Gewichtsreduktion) oder mit einem Atemgerät oder einer Operation entgegengewirkt werden.

Bruxismus (Zähneknirschen)

Das nächtliche Zähneknirschen kann durch Anspannung, Angst oder auch erhöhten Koffein- oder Nikotinkonsum ausgelöst werden. Es kann auch bei neurologischen Erkrankungen, wie bspw.: bei Z.n. Schlaganfall, Parkinson, Epilepsie oder Schlafstörungen, sowie Abhängigkeitserkrankungen auftreten. Es zeichnet sich durch eine rhythmische Aktivität der Kaumuskulatur aus. Es kommt zu einem Aufeinanderpressen der Zähne, wobei es in Folge zu deren Abnutzung, sowie einer Schädigung des gesamten Zahnhalteapparates kommt. Des Weiteren können Kiefergelenksbeschwerden und Kopfschmerzen auftreten.

Als Therapie erfolgt zumeist eine zahnärztliche Behandlung mit einer sog. „Knirschschiene“. Hierbei wird die Abnutzung der Zähne reduziert.

Hypnose als Anwendungsverfahren oder eine Behandlung mittels Biofeedback kann ebenfalls erfolgen.

Medikamentös mit u.a. einer Injektion von Botulinustoxin in die Kiefermuskulatur sind ebenfalls Behandlungen möglich.

Restless-Legs-Syndrom/RLS oder auch „das Syndrom der unruhigen Beine“

Hier besteht ein starker, als unangenehm empfundener Bewegungsdrang in den Beinen. Zumeist mit Missempfindungen wie Ziehen, Reißen, Kribbeln oder Stechen verbunden. Diese Symptome treten v.a. in Ruhe, d.h. abends oder in der Nacht auf. Vor dem Einschlafen werden die Beschwerden besonders intensiv empfunden. Viele der Betroffenen stehen in der Nacht dann auf und laufen umher und versuchen so die Symptome zu lindern. Als Folge davon treten dann Schlafstörungen auf, welche wiederum zur erhöhten Tagesmüdigkeit mit einer verminderten Leistungsfähigkeit führen können. Auch können depressive Episoden dadurch auftreten.

Der Verlauf der Symptomatik ist schwankend. Es treten Phasen von vollkommener Beschwerdefreiheit auf, die auch mehrere Wochen anhalten können.

Das RLS kann in zwei Formen eingeteilt werden

  • Ideopathische (primäre) Form
  • Symptomatische (sekundäre) Form

Die primäre Form ist zumeist erblich bedingt. Die sekundäre Form tritt als Folge anderer Erkrankungen auf, wie bspw. neurologischen Erkrankungen, Rheuma, Eisenmangel oder Nierenkrankheiten. Auch können die Symptome bei der Einnahme verschiedener Medikamenten auftreten, wie z. B. Neuroleptika oder Antidepressiva.

Die Therapie bei den sekundären Formen besteht in der Therapie der Grunderkrankung. Bei z.B. Eisenmangel, dann die Gabe von Eisenpräparaten.

Medikamentös besteht die Behandlung hauptsächlich in der Verordnung des Parkinsonmittels Levodopa/Benserazid.

Weiterführende Informationen

  • Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin (DGSM): www.dgsm.de
  • S3 Leitlinien Schlafstörungen
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