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Warum sind Sport und körperliche Bewegung eigentlich so wichtig?

In den nächsten Tagen fiebern die Menschen wieder eifrig bei der Fussball Europameisterschaft mit und schauen den Profis beim Sport zu. Das klingt doch erstmal aufregend und spannend zu gleich. Warum also selbst Sport treiben und bewegen. Diese Frage beantwortet uns Frau Dr. Ueberschär, Fachärztin für Sportmedizin und Sozialmedizin sowie Chefärztin im Sportmedizinische Institut des MEDIAN Ambulanten Gesundheitszentrums in Leipzig. Beruflich und privat lebt Sie für den Sport und erzählt uns auch warum Sie Sportmedizinerin geworden ist.

Redaktion: Warum sind Sport und körperliche Bewegung eigentlich so wichtig?

Dr. Ueberschär: Unser größtes Organ ist die Skelettmuskulatur, die bei Normalgewichtigkeit immerhin 35 % der Körpermasse bei der Frau und sogar 40 % der Körpermasse des Mannes ausmacht. Die menschlichen Gene sind die gleichen wie bei unseren Vorfahren, die Jäger und Sammler bzw. später Ackerbauern waren. Unser heutiges Leben ist deutlich bewegungsärmer, aber nicht stressfreier geworden. Und die bei Stress von unserem Körper ausgeschütteten Stresshormone bereiten unseren Körper nach wie vor hormonell auf einen Kampf oder eine Flucht vor. Diese „Fight or flight“-Strategie war in der Evolution ja auch sehr sinnvoll, um z. B. vor einem Mammut zu fliehen. Sitzend vor einem Computerarbeitsplatz ist diese hormonelle Regulation weiterhin die gleiche, obwohl wir höchstwahrscheinlich weder vor unserem Computer fliehen noch mit ihm körperlich (höchstens mental) kämpfen werden. Unser Körper wird also bei Stress auf eine motorische Leistung vorbereitet, die aber häufig nicht wirklich stattfindet. Also müssen wir dies im Freizeitbereich oder in den Arbeitspausen nachholen.
 

Redaktion: Was passiert wenn wir das nicht tun?

Dr. Ueberschär: Wenn wir das nicht tun, wird uns unser Körper dies über kurz oder lang übel nehmen. So ist es nicht verwunderlich, dass Rückenschmerzen, Übergewicht mit seinen negativen Folgen für Herz-Kreislauf, Gelenke und Stoffwechsel (Stichwort Diabetes mellitus Typ II), aber auch psychosomatische Erkrankungen weiter auf dem Vormarsch sind. Gerade durch Sport und körperliche Bewegung gelingt es sehr gut, psychischen Stress rasch abzubauen. Schon während, aber auch noch nach einer Sporteinheit werden Endorphine, sogenannte Wohlfühlhormone, wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, freigesetzt.

So ist beispielsweise eine Joggingrunde ein echter Stimmungsaufheller. Dies hat sicher jeder Freizeit- oder Gelegenheitssportler schon bei sich mit Freude feststellen können. Nach sportlichen Belastungen ist auch die Schlafqualität verbessert. Und unser Schlaf ist sehr wichtig für die Regeneration und psychische Stabilisierung.

Übrigens ist das Wissen um die Themen Bewegung und gesunde Ernährung gar nicht neu. Schon der griechische Arzt Hippokrates (460 bis 463 v. Chr.) stellte bereits vor 2500 Jahren fest: „Wenn wir jedem Individuum das richtige Maß an Nahrung und Bewegung zukommen lassen könnten, hätten wir den sichersten Weg zur Gesundung gefunden.“

Redaktion: Was mit dem Sprichwort Sport ist Mord?

Dr. Ueberschär: Auch heute gibt es noch Menschen, die glauben, dass Sport gefährlich sei. Nicht selten hört man gar Sätze wie „Sport ist Mord“ oder die Sorge, dass bei zu viel Bewegung die Gelenke vorzeitig verschleißen könnten. Natürlich gilt auch beim Sport der weise Satz des Philosophen und Arztes Paracelsus (1493 bis 1541): „Die Dosis macht das Gift“. Fakt ist, dass unsere Muskeln ein wunderbares Medizinschränkchen im eigenen Körper sind. Neben ihrer Halte- und Bewegungsfunktion erfüllt die Skelettmuskulatur nämlich weitere, lebenswichtige Aufgaben. So ist die Skelettmuskulatur u. a. auch ein wichtiges sekretorisches Organ, für das bereits mehrere hundert verschiedene Botenstoffe, sogenannte Myokine, identifiziert worden sind. Die Ausschüttung dieser Botenstoffe geschieht jedoch nur bei muskulärer Arbeit möglichst großer Skelettmuskelgruppen. Ein arbeitender Muskel produziert somit Botenstoffe, die den ganzen Körper positiv beeinflussen. Wir sprechen inzwischen wegen der Heilkraft der Muskeln auch von den Motoren des Lebens.

Redaktion: Warum sind Sie Sportmedizinerin geworden?

Dr. Ueberschär: Ärztin war seit meinem 5. Lebensjahr mein absoluter Traumberuf. Außerdem habe ich immer sehr gern Sport getrieben und mich in verschieden Sportarten ausprobiert. So lag es für mich nah, mich nach dem Medizinstudium als Ärztin für die Sportmedizin zu entscheiden. So konnte ich sehr gut meine beiden Leidenschaften miteinander kombinieren.

Außerdem finde ich gut, dass in der Sportmedizin nicht primär defizitorientiert gedacht wird (Was fehlt dem Patienten?), sondern präventiv und ressourcenorientiert (Wie gelingt es, den Sportler gesund zu erhalten und wie kann seine Leistungsfähigkeit durch optimiertes Training weiter oder wieder verbessert werden?).

Redaktion: Wie wichtig ist Ihnen Ihr persönliches Sportprogramm?

Dr. Ueberschär: Neben meinem Beruf ist für mich persönlich auch heute regelmäßiger, fast täglicher Ausdauersport sehr wichtig. Er ist für mich ein guter und wichtiger Ausgleich, da ich, wie die meisten Menschen, viele Stunden am Tag am Schreibtisch verbringe. Ich brauche den Ausdauersport zur Kompensation, zum Wohlbefinden, Stressabbau und natürlich zur Erhaltung meiner Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Außerdem ist man als Ärztin glaubwürdiger und überzeugender, wenn man seinen Patienten, Freunden und Bekannten nicht nur Sport zur Gesunderhaltung empfiehlt, sondern selbst mit gutem Beispiel  vorangeht. Besonders gern unternehme ich zusammen mit meinem Mann kleinere und größere Wanderungen und Fahrradtouren, dabei kann man die Natur und Landschaft viel besser als per Auto erkunden und genießen. Außerdem jogge und walke ich regelmäßig und gehe auch gern schwimmen.

 

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Interview mit Frau Dr. Dr. Ueberschär. Seien Sie gespannt auf die nächsten drei Beiträge und bleiben Sie am Ball, sprich: Denken Sie an Ihre tägliche Portion Bewegung. 

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