Qualität

Stiftungsprofessur

Die MEDIAN Kliniken sind Mitglied im Stifterkonsortium für eine Stiftungsprofessur im Bereich „Medizinische Rehabilitationswissenschaften“ im Land Brandenburg. Die Stiftungsprofessur wird an der Universität Potsdam angesiedelt, mit der eine enge Kooperation besteht. Ziel der Kooperation ist die Förderung der patientenbezogenen klinischen Forschung auf dem Gebiet der medizinischen Rehabilitation und der forschungsbasierten Lehre. Durch die Schaffung dieser Professur stärken die Beteiligten den hohen Stellenwert der Rehabilitation in Brandenburg. Die Initiative erfährt breite Unterstützung durch die DRV Bund, die DRV Berlin-Brandenburg sowie die gesetzlichen Krankenkassen. 

Besonderes Augenmerk soll im Rahmen der geplanten Forschungsprojekte auf chronische Krankheiten gelegt werden, die in der medizinischen Rehabilitation eine dominierende Rolle spielen. Darüber hinaus zielen die Vorhaben auf eine patientenbezogene klinische Rehabilitationsforschung sowie auf die epidemiologische Versorgungsforschung. Angesichts der wachsenden Rolle der Rehabilitationsmedizin bedarf es dringend neuer Strukturen zur Förderung der Rehabilitationsforschung. Daran wirken wir gerne mit.

Homepage der Stiftungsprofessur: www.uni-potsdam.de/rehawiss

Interview mit Dr. Axel Reimann, Mitglied des Direktoriums der Deutschen Rentenversicherung Bund

Einmalige Stiftungsprofessur baut Brücken zwischen Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft Stiftungsprofessuren haben in Deutschland seit den 70igerJahren Tradition. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Stiftungslehrstühle in Deutschland stark angestiegen. Zurzeit gibt es in Deutschland über alle Fakultäten rund 660 laufende Stiftungsprofessuren, Tendenz steigend. Die MEDIAN Kliniken haben gemeinsam mit der Brandenburg Klinik Bernau und der Klinik am See in Rüdersdorf ein Stifterkonsortium für eine Stiftungsprofessur für medizinische Rehabilitationswissenschaften im Land Brandenburg gegründet. Die Stiftungsprofessur wird an der Universität Potsdam angesiedelt, mit der eine enge Kooperation besteht. Ziel der Kooperation ist die Förderung der patientenbezogenen klinischen Forschung auf dem Gebiet der medizinischen Rehabilitation und der forschungsbasierten Lehre. MEDIAN Kliniken sprach mit Dr. Axel Reimann, Mitglied des Direktoriums der Deutschen Rentenversicherung Bund, über das Ziel dieser Stiftungsprofessur und die geplanten Forschungsvorhaben.

Frage: Bisher gibt es im Land Brandenburg 9 Stiftungslehrstühle. Wieso ist die Etablierung des Lehrstuhls an einer Brandenburger Uni so bedeutend?

Brandenburg verfügt über ein gut ausgebautes Netz von 26 Reha-Kliniken, die das gesamte medizinische Spektrum abdecken und eine ausgezeichnete rehabilitative Versorgung gewährleisten. Diese qualitativ hochwertige Rehabilitation in Brandenburg ist durch eine starke wissenschaftliche Ausrichtung der Reha-Kliniken geprägt. Was bisher fehlt ist eine praxisnahe universitäre Rehabilitationsforschung. Ohne eine solche ist es aber schwierig, die notwendige Infrastruktur bereitzustellen, um Grundlagen- und Anwendungsforschung in ausreichender Breite und Differenzierung zu betreiben. Die Stiftungsprofessur ist ein wichtiger Schritt, dieses Defizit zu beseitigen.

Frage: Dr. Reimann, Sie haben die Errichtung der Stiftungsprofessur von Beginn an begleitet und unterstützt. Welchen Nutzen versprechen Sie sich als Vertreter der Deutschen Rentenversicherung Bund von einem Stiftungslehrstuhl für medizinische Rehabilitationswissenschaften an der Potsdamer Universität?

Die Deutsche Rentenversicherung hat dafür Sorge zu tragen, dass ihrer Leistungen zur medizinischen Rehabilitation dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entsprechen. Nicht zuletzt dank unseres Engagements im Bereich der Forschungsförderung existiert mittlerweile eine bundesweite rehawissenschaftliche Infrastruktur. Es besteht noch erheblicher Forschungsbedarf hinsichtlich des Verständnisses chronischer Krankheitsprozesse als auch bezüglich der Diagnostik, Klassifikation, Therapie und Koordination zwischen Akut- und Rehabilitationsmedizin.

Die Stiftungsprofessur bietet die Chance, das breite Angebot und hohe Niveau der Forschung in der klinischen Rehabilitationsforschung mit der universitären Rehabilitationsforschung zu vernetzen. Die Universität Potsdam und ihre assoziierten Institute bieten eine gute Basis, in Prävention und Rehabilitation praxisnahe Forschung zu ermöglichen. Durch die Ansiedlung der Stiftungsprofessur im Exzellenzbereich Kognititonswissenschaften besteht die Möglichkeit mit den Professuren für Sportmedizin, Sport-Gesundheitssoziologie sowie klinische Psychologie/Psychotherapie zu kooperieren. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die praxisnahe Anbindung an die Reha-Kliniken eröffnet Möglichkeiten, bedarfsgerechte Konzepte in der medizinischen Rehabilitation zu entwickeln, die dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechen und den sich wandelnden Anforderungen an Medizin, Arbeitswelt und Gesellschaft gerecht werden.

Frage: Welche Themen sollten aus Sicht der DRV im Fokus der geplanten Forschungsaktivitäten stehen?

Gesetzlicher Auftrag der Rentenversicherung ist es, die Beschäftigungsfähigkeit unserer Versicherten zu sichern. Daher sind die Themenkomplexe frühzeitiger und niederschwelliger Zugang zu Reha-Leistungen, die Befähigung zur Aufrechterhaltung von Lebensstiländerung und die dauerhafte Sicherung der Rehabilitationserfolges für uns von besonderer Bedeutung. Aber auch die Frage, wie Rehabilitation stärker Bestandteil einer kontinuierlichen Versorgungskette werden kann, birgt weiterhin erheblichen Forschungsbedarf.

Rehabilitation ist nachweislich erfolgreich, wenn sie die rehabedürftigen Versicherten rechtzeitig erreicht und patientenorientiert, zielgerichtet und flexibel auf deren individuelle Problemlagen eingeht. Insofern braucht die Rehabilitation aktive und konsequente Weiterentwicklung in all diesen Facetten. Dabei wird es zukünftig mehr als bisher darauf ankommen, auf die sich ändernde Nachfrage reagieren zu können und gerade älteren Menschen im Erwerbsprozess, Versicherten mit anderer Muttersprache oder mit geringerer Bildungserfahrung speziell auf sie zugeschnittene Angebote zu machen.

Frage: Sehen Sie auch Ansätze für gemeinsame Projekte, insbesondere unter dem Aspekt der Einbindung der Stifterkliniken und deren hoher Expertise in der Rehabilitation?

Die Deutsche Rentenversicherung Bund investiert in die Rehabilitationsforschung jährlich mehrere Millionen Euro im Wege der Projektförderung. Hier erwarten wir aus dem Bereich der Stiftungsprofessur und der beteiligten Stifterkliniken zusätzliche interessante Forschungsanträge. Seit 2012 fördern wir bereits ein Forschungsprojekt zum Aufbau eines Forschungsverbundes medizinische Rehabilitation an der Universität Potsdam und Anfang 2013 begann das Forschungsprojekt „Sozialtherapeutisches Programm zur sozialen Unterstützung für Rehabilitanden in besonderen beruflichen Problemlagen“ unter Leitung von Professor Völler.

Frage: Welche Stellung wird die Rehabilitationsforschung im Hinblick auf die demografische Entwicklung auf Dauer haben?

Die Alterung der Gesellschaft stellt alle vor große Herausforderungen, zu deren Bewältigung gerade die Forschung einen wichtigen Beitrag leisten muss. Mittel- und langfristig werden wir uns auf alternde Belegschaften in den Betrieben einstellen müssen, für die u. a. spezielle Anpassungen der medizinischen Rehabilitationskonzepte sowie des betrieblichen Eingliederungsmanagements erforderlich sein dürften. Eine zieladäquate Rehabilitation ist der Schlüssel, um die Beschäftigungsfähigkeit bis ins Alter zu sichern. Aufgabe der Rehabilitationsforschung ist es, hierfür die wissenschaftlichen Grundlagen zu schaffen und diese stetig zu verbreitern.

Frage: Wo sehen Sie die Stiftungsprofessur in fünf Jahren?

Unsere Erwartungen sind hoch, aber nicht unrealistisch: In fünf Jahren wird es hoffentlich mithilfe der Stiftungsprofessur und des Forschungsverbundes Medizinische Rehabilitation an der Universität Potsdam gelungen sein, die bisher bestehende ausgeprägte Trennung zwischen universitärer Forschung und zumeist patientenorientierter Forschung in den Reha-Kliniken aufzubrechen und tragfähige Verknüpfungen herzustellen. Die dadurch gesetzten Maßstäbe würden die Stiftungsprofessur zu einem vielbeachteten Modell machen, denn Ziel muss die Verstetigung der Forschungsaktivitäten und der Professur sein.

Herzlichen Dank!