Das wesentliche Merkmal dieser Essstörung ist ein selbst herbeigeführtes Untergewicht von weniger als 85 % des zu erwartenden Körpergewichts (das entspricht einem BMI von unter 17,5). Weitere Merkmale sind:
- Angst vor Gewichtszunahme
- Körperwahrnehmungsstörungen
- Störungen einiger komplexer Steuerungsmechanismen des Organismus (z.B. Amenorrhoe).
Für die Krankheit hat die gedankliche und gefühlsmäßige Beschäftigung mit dem Thema Nahrung, der selbst herbeigeführte permanente Hungerzustand und die Vernachlässigung anderer Lebensbezüge, insbesondere der Rückzug von gesellschaftlichen Ereignissen, bei denen Essen eine Rolle spielt, eine wichtige Bedeutung.
Diese Form der Essstörung, welche wir ebenfalls in unserer Klinik in Neunkirchen behandeln, ist vor allem durch Essanfälle gekennzeichnet. Dabei werden in Abständen große Nahrungsmengen mit dem Gefühl des Kontrollverlustes verschlungen.
Bei der Binge-Eating-Störung finden sich mindestens drei der folgenden Symptome:
- schnelles Essen
- Essen bis zum Völlegefühl
- Essen ohne Hunger
- alleine essen aus Verlegenheit über die Menge, danach folgen Selbstekel und Schuldgefühle
Bedingt durch das regelmäßige Überessen kommt es zu Übergewicht. Aus alledem ergeben sich Einschränkungen im Bereich sozialer Aktivitäten. Wie bei den anderen Essstörungen auch, sind somit die Erfahrung des Kontrollverlustes sowie der Selbstschädigung zentrale Symptome.
Betroffene sind meist normalgewichtig, achten jedoch ganz genau auf ihr Gewicht. Weitere typische Merkmale sind Essanfälle und anschließend gegensteuernde Maßnahmen (selbst herbeigeführtes Erbrechen, exzessiver Sport, Missbrauch von Abführmitteln und anderes mehr). Ziel ist es, eine Gewichtszunahme zu vermeiden.
Von einer Adipositas permagna oder auch Adipositas Grad 3 spricht man ab einem BMI von 40. Je länger ein Mensch übergewichtig ist, desto schwerwiegender sind in der Regel die körperlichen, aber auch die psychischen Folgen. Insbesondere das extreme Übergewicht disponiert zu einer Vielzahl von Krankheiten und kann damit die Lebenserwartung deutlich reduzieren. Körperliche Betätigungen jedweder Art werden oft zur Qual und nicht selten kann auch der Beruf nicht mehr ausgeübt werden. Hinzu kommen Scham und die Angst vor der Ablehnung des sozialen Umfeldes. Manche Betroffenen trauen sich deshalb kaum mehr aus dem Haus. Es ist leicht zu erkennen, wie eng bei diesem Krankheitsbild körperliche und psychische Symptome miteinander verknüpft sind.
Für die Behandlung dieser Form der Essstörung in der MEDIAN Klinik Münchwies ist eine Kombination aus gesunder, kalorienreduzierter Ernährung und Bewegung unabdingbar. Aber das alleine führt erfahrungsgemäß nicht zum Ziel. Anhaltender Erfolg setzt voraus, dass man erkennt, wofür das Essen eingesetzt wird, wie es die Stimmung beeinflusst, welche „Dienstleistung“ es im Leben hat. Erst wenn diese Hintergründe erhellt werden, gelingt es, zu einer tragfähigen Neuausrichtung des Lebens zu finden. Und hier setzt unsere Therapie an.