Bei Patienten, welche Unterschenkelamputiert sind bzw. auf Höhe des Kniegelenkes kann eine Frühmobilisation mit einer wiederverwendbaren pneumatischen Übungsprothese erfolgen. Der Vorteil dieses Verfahrens ist nicht nur eine rasche Ödem-Reduktion und eine sofortige Mobilisierbarkeit des Patienten, sondern auch in der Regel das Einsparen eines Prothesenschaftes, da die erste individuelle Prothese erst nach dem Erlangen stabiler Stumpfumfänge angefertigt werden kann. Es stehen unterschiedliche Liner-Systeme mit Vakuum oder Stiftverankerung sowie für Patienten mit geringem Mobilitätsgrad auch kondylenumgreifende Kurzprothesenschäfte zur Verfügung. Optimal ist in der Interimsphase die Versorgung mit einem Leihfuß mit Karbonfeder mit hoher Standsicherheit. Die definitive Auswahl des Prothesenfußes sollte erst nach dem Erreichen einer guten Gang- und Standsicherheit und damit auch Einschätzung des entsprechenden Mobilitätsgrades des Patienten erfolgen.
Bei Amputationen im Bereich des Oberschenkels (transfemoral) haben sich Liner-Systeme, insbesondere mit Vakuum-Technik bewährt. In der frühen Rehabilitation steht die Stumpfkonditionierung mit der Ödemreduktion im Vordergrund. Hier sollte sehr frühzeitig ein konfektionierter Stumpfkompressionsstrumpf an den Patienten abgegeben werden und nach wenigen Tagen auch eine entsprechende Liner-Versorgung erfolgen. Nach Erzielen einer guten Ödemreduktion und einigermaßen stabilen Stumpfumfängen wird dann ein erster individueller Prothesenschaft und hiermit eine erste Interimsprothese angefertigt.
Bei Patienten, welche im Bereich der oberen Extremität amputiert sind, ist die Wiedererlangung der Selbständigkeit das zentrale Therapieziel. Zunächst erfolgt ein Einhändertraining, welches den Übergang bis zur Prothesenversorgung gewährleistet. Überlappend dazu muss in Zusammenarbeit mit dem Arzt und dem Orthopädietechniker evaluiert werden, ob die Stumpfverhältnisse und kognitiven Fähigkeiten des Patienten eine Versorgung mit einer myoelektrischen Prothese zulassen.
Für Amputationen im Bereich des Unterarmes gibt es bereits erste myoelektrische Prothesen, welche mittels einer KI-Logik (Künstliche Intelligenz) die vorhandenen EMG-Muster des Patienten erkennen und speziellen Griffmustern zuordnen und steuern können.