Kontakt

Wir freuen uns auf Ihren Anruf unter:

+49 (0)6163 / 740

Jugendpsychosomatik im Odenwald

Die MEDIAN Klinik Odenwald macht mit der Abteilung Jugendpsychosomatik ein Behandlungsangebot für 16 – 21-jährige junge Menschen. Damit wird eine Versorgungslücke zwischen ambulanten und stationären Behandlungen geschlossen. Ein Team von 5 Therapeuten/-innen  und einer Kinder- und Jugendpsychiaterin bietet in dieser wichtigen Übergangszeit kompetente Hilfen zur Bewältigung unterschiedlicher Lebens- und Entwicklungskrisen.

Unser Konzept

Die Zeit des Erwachsenwerdens ist herausfordernd für die Heranwachsenden selbst, aber auch für ihr Umfeld. Durch rasche Entwicklungen und Veränderungen ergeben sich „Sollbruchstellen“. Im Spannungsfeld zwischen eigenen Entwicklungstendenzen und Bedürfnissen, den Anforderungen der Peergroup und familiären Loyalitäten können dabei psychische oder körperliche Symptome entstehen, wenn kein guter Ausgleich gelingt.

Wir unterstützen Heranwachsende, innerhalb ihrer Familie und ihrer Peergroup ihren eigenen Weg zu finden, der Wachstum und Entwicklung ermöglicht. Ein mehrwöchiger Reha-Aufenthalt in unserer Abteilung „Psychosomatik der Rehabilitationsklinik Hardberg“ kann helfen, wenn ambulante Therapiemaßnahmen nicht ausreichend sind.

Handlungsleitend ist für uns dabei die Idee der „bezogenen Individuation“ des wegweisenden Familientherapeuten Helm Stierlin: Mehr Klarheit über die eigenen Bedürfnisse, Sichtweisen und Werte ermöglicht einen gelingenderen Dialog mit dem Bezugssystem, also etwa Familie und Peergroup.

Unserer Arbeit liegt ein integratives Therapiekonzept zugrunde. Wir verbinden psychotherapeutische Richtlinienverfahren mit weiteren, hoch wirksamen Therapien zu einem mittlerweile seit über 20 Jahren bewährten Konzept mit nachhaltiger Wirkung. Wir verstehen seelisch-körperliche Symptome vor dem Hintergrund des tiefenpsychologischen Konfliktmodells: Aus der Abwehr von Grundbedürfnissen entstehen im Unbewussten gespeicherte Überzeugungen, die den Lebensausdruck einschränken.

Symptome sind nach unserem Verständnis „Lösungsversuche mit hohen Folgekosten“. Die dahinter liegenden Bedürfnisse dagegen sind gesund, anerkennenswert und berechtigt. Wir nutzen in unserer Arbeit hypno-systemische Ansätze: Symptome sind nur in ihrem speziellen Kontext verstehbar. Alle Menschen verfügen bereits über die für die gewünschte Lösung notwendigen Potenziale und Ressourcen. Diese Kompetenzen sind nur selten bewusst und sollen während der Therapie wieder aktiviert und zugänglich gemacht werden. Dabei nutzen wir unbewusste und bewusste Prozesse.

Mit der stationären Jugendpsychosomatik und -psychotherapie in der Rehabilitationsklinik Hardberg der MEDIAN Klinik Odenwald schließen wir eine Lücke zwischen ambulanten Angeboten und stationären Aufenthalten, etwa in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Letztere werden aus Sorge vor Stigmatisierung und sozialer Diskriminierung sowohl von den Eltern als auch den Jugendlichen häufig vermieden. Zudem liegt dort der Fokus zunehmend auf kurzen Kriseninterventionen und weniger auf längeren psychotherapeutischen Aufenthalten.

Unser Angebot wendet sich an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 21 Jahren und unterscheidet sich damit von dem Angebot vieler Kinder-Reha-Kliniken und stationärer Kinder- und Jugendpsychiatrien, die Jugendliche nur bis zum Alter von 18 Jahren in einem meist primär durch jüngere Kinder mitgeprägten Rahmen behandeln. Die Therapie findet wesentlich in transgenerationalen Gruppen statt: Jeweils zwei bis drei Heranwachsende sind mit etwa acht Erwachsenen in einer therapeutischen Bezugsgruppe. Diese Gruppen sind ein „Treibhaus für das eigene Ressourcenwachstum“ für die Heranwachsenden. Durch die Altersheterogenität werden problemstabilisierende Erlebens- und Verhaltensmuster im „Mikrosystem Bezugsgruppe“ aktualisiert. Damit können sie dort identifiziert und in kleinen Schritten in gesundheitsförderliche Muster verändert werden. Dabei bleibt jeder Patient, auch der Heranwachsende, „Experte für sich“. Die eigene Perspektive hat Gültigkeit, sodass eine gleichrangige Kooperation zwischen Patienten und Therapeuten besteht („Therapie auf Augenhöhe“). Diese altersgemischten Gruppen erlauben außerdem einen Blick über den Tellerrand, nicht nur zu anderen, nur wenig älteren Erwachsenen, sondern auch zu Erwachsenen der Eltern- oder sogar Großelterngeneration. Hier wird oft auch ein probeweiser Dialog, manchmal auch eine Auseinandersetzung begonnen, die mit der eigenen Familie fortgesetzt werden kann.

Zusätzlich zu den transgenerationalen Bezugsgruppen werden jugendtypische Themen, etwa Ablösung, Freizeitverhalten, Beziehungs- und familiäre Themen, in wöchentlich vier eigenen altershomogenen Jugendgruppen thematisiert und praktisch ausprobiert. Von dieser Doppelstruktur (Verankerung in der transgenerationalen Bezugsgruppe und zusätzlich in der Jugendgruppe) profitieren die meisten Heranwachsenden sehr. Das Setting unterstützt die vor ihnen liegenden Entwicklungsschritte ins Erwachsenwerden. Die typische institutionelle Versorgungslücke am Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter ist geschlossen.

Indikationen

Wir unterstützen Sie bei der Bearbeitung und Heilung folgender Störungsbilder:

  • Angststörungen (Panikstörungen, Phobien, generalisierte Angst etc.)
  • Depressive Störungen, Zwangsstörungen, emotionale und Verhaltensstörungen
  • Posttraumatische Störungen
  • Sogenannte Persönlichkeitsstörungen
  • Essstörungen (Anorexie, Bulimie, Binge Eating etc.), wenn selbstständiges Essen möglich ist und BMI >14,5
  • Adipositas
  • Schulvermeidung, Trennungsangst
  • Schmerzstörungen, somatoforme Störungen, körperliche Beschwerden ohne hinreichende organische Diagnose
  • Körperliche Erkrankungen mit relevantem psychischen Einfluss, psychosomatische Erkrankungen im engeren Sinne (z.B. Migräne, Bluthochdruck, Tinnitus, Allergien, Asthma, chronisch entzündliche Darmerkrankungen)
  • Ablösungsproblematiken
  • Anpassungsstörungen, wie Trauerreaktionen nach Verlusten, Umgang mit schwerwiegenden Erkrankungen, Schwierigkeiten im Schul- und Ausbildungskontext durch „Mobbing“, Umbruchsituationen des Lebens
  • Pathologische Mediennutzung
  • Sekundärer Suchtmittelgebrauch

Unser Behandlungskonzept ist nicht geeignet bei:

  • Akuter Suizidalität oder Eigengefährdung
  • Akuter Fremdgefährdung oder Dissozialität
  • Akuten psychotischen Störungen
  • Schwerer körperlicher Behinderung, Pflegebedürftigkeit, Bettlägerigkeit
  • Akuter Abhängigkeit
  • Gravierenden hirnorganischen Beeinträchtigungen oder ausgeprägter Intelligenzminderung

Wir können Sie nicht behandeln, wenn Sie ansteckende Krankheiten haben, die eine Gefährdung der Mitpatienten darstellen.

Wir können auch keine zu entgiftenden Patienten mit Suchtmittelabhängigkeit als Primärdiagnose aufnehmen.

Therapiephasen

Orientierung und Integration in die altersgemischte Bezugsgruppe sowie Jugendlichengruppe stehen am Beginn der Behandlung. Dazu gehört, dass jeder Patient bereits bei der Aufnahme von seiner Bezugsgruppe in Empfang genommen wird. So wird das hohe Maß an Selbstorganisation zwischen den Patienten von Beginn an deutlich. Das therapeutische Arbeitsbündnis wird in dieser Phase durch das therapeutische Erstgespräch, die Aufnahme durch das Pflegepersonal und die ärztliche Aufnahmeuntersuchung gefestigt.

Eine besondere Bedeutung hat die Auftrags- und Zielklärung. Die hier erarbeiteten Kriterien sind der „rote Faden“ für einen erfolgreichen Therapieprozess. Bei der Entwicklung von Therapiezielen orientieren wir uns primär an den Zielen der Heranwachsenden, die wir gemeinsam hinsichtlich Erreichbarkeit, Überprüfbarkeit und Eigengestaltung untersuchen.

Zu Beginn formulieren Patienten meist Ziele, die den Fokus auf das problematische Erleben richten. So sagt ein Patient etwa: „Die Angst soll weggehen.“ Wir rekonstruieren gemeinsam mit dem Patienten in einem ersten Schritt, für welche bislang unbewussten und anerkennenswerten Bedürfnisse die Symptome als „Lösungsversuche“ angesehen werden können. Wir suchen außerdem gemeinsam mit dem Heranwachsenden nach einer Zielformulierung, die positiv in dem Sinne sein sollte, dass sie nicht nur die Abwesenheit von Symptomen beschreibt („Was ist dann da anstelle der Angst?“) und möglichst konkret ist, z.B.: „Ich möchte in der Freizeit mit Freunden weggehen, mich zu einem Salsa-Kurs anmelden, morgens in die Schule gehen und zu meinem Lieblingsthema in Deutsch ein Referat halten.“
Im zentralen Behandlungsabschnitt wird der individuelle Entwicklungsprozess auf dieses beschriebene Ziel hin (das sich während des Aufenthalts auch ändern darf) unterstützt. Die intensiven Gruppentherapien in der transgenerationalen sowie in der Jugendgruppe nutzen verbale und nonverbale Verfahren (neben Richtlinienverfahren auch Musik-, Ergo-, Körpertherapie, ergänzt durch Sport und Bewegung). Die Therapieangebote unterstützen und aktivieren bewusste und unbewusste Selbstheilungskräfte, Ressourcen und Kompetenzen.

In der Abschlussphase wird das Erreichte stabilisiert und der Transfer in den Alltag unterstützt. Die nachstationären Wohn- und Schul-/Berufs- oder Ausbildungsperspektiven werden nach Möglichkeit geklärt. In einem Familiengespräch werden Auswirkungen auf die Familie thematisiert und Möglichkeiten gesucht, wie es für die gesamte Familie „gut weitergehen“ kann.

Anmeldung

Voraussetzungen für eine stationäre Aufnahme von Heranwachsenden zwischen 16 und 21 Jahren sind die Teilnahme an einem persönlichen Vorgespräch und ein selbst geschriebener Bericht zur momentanen Lebenssituation. Für den Bericht bitten wir alle Heranwachsenden vor dem Vorgespräch, vier offene Fragen zu sich und ihrer Situation schriftlich zu beantworten (dieser Bericht ist Voraussetzung für die Aufnahme von Interessenten auf die Warteliste). Vorgespräche finden jeden Dienstagvormittag nach vorheriger telefonischer Vereinbarung statt und sind kostenlos. Nach der Vorstellung unseres Konzepts in der Runde aller Interessenten und der Möglichkeit, sich mit aktuellen Patienten der Jugendpsychosomatik auszutauschen, ohne dass Therapeuten oder Begleitpersonen dabei sind, erfolgt ein Einzelgespräch mit einem Jugendtherapeuten, bei dem noch persönliche Fragen geklärt werden können. So können Heranwachsende für sich Klarheit darüber gewinnen, ob sie sich für eine stationäre Behandlung in der MEDIAN Klinik Odenwald entscheiden wollen. Eine ausreichende Eigenmotivation ist für uns eine wichtige Voraussetzung für eine Aufnahme.

Die Kosten für eine stationäre Behandlung in der Abteilung „Psychosomatik für Jugendliche und junge Erwachsene“ übernimmt in der Regel die zuständige Krankenkasse oder der Rentenversicherungsträger (eventuell eines Elternteils, wenn noch keine eigenen Beiträge geleistet wurden). Hierzu muss ein Reha-Antrag gestellt werden. Bei Fragen können Sie uns gerne ansprechen.

Ansprechpartner

Mit Frau Jost vereinbaren Sie den Termin zum Vorgespräch

+49 (0)6163 74-926

Das Jugendpsychosomatik-Team beantwortet Ihre Fragen rund um die Therapie in der Abteilung Jugendpsychosomatik der Rehabilitationsklinik Hardberg in der MEDIAN Klinik Odenwald

+49 (0)6163 74-995