1922 ist das Jahr, in dem die privatwirtschaftlich aufgestellte „Bad AG" die Kuranstalt von der GmbH übernimmt und die Gesundheitseinrichtung mit dem Charakter eines Nobel-Hotels weiterführt.
Neuer arztlicher Leiter wird Dr. Gustav Leopold, der bis 1945 die Kurgäste in der Kuranstalt Hohenlohe betreut. Dr. Leopold erwirbt sich hohes Ansehen in der Kurstadt, er schreibt wissenschaftliche Arbeiten über die Heilwirkung der Mergentheimer Quellen; ein Weg im Kurpark trägt heute seinen Namen.
Die Einrichtung genießt einen exzellenten Ruf, der weit über die Region hinausreicht – wie die Kurstadt Mergentheim insgesamt, die sich seit 1926 „Bad" nennen darf: 100 Jahre nach der Entdeckung des Heilwassers durch den Schäfer Franz Gehrig.
In den Zwanzigern spazieren durch den Mergentheimer Kurpark Mitglieder der Unternehmerfamilien Daimler, Hohner, Märklin und Bleyle. Auch die Eigentümer der Firma „Salamander-Schuhe", die Familie Sigle, erholen sich immer wieder in der Kurstadt. Aber ebenso Politiker wählen Mergentheim zur Erholung, so 1922
Reichspräsident Friedrich Ebert und dessen Staatssekretär Otto Meissner.
Ob europäischer Industrie- oder Hochadel: Die Kuranstalt Hohenlohe gilt als erste Adresse. So finden sich im Januar des Jahres 1924 gekrönte Häupter aus ganz Europa in der Kuranstalt ein. Herzog Albrecht Eugen von Württemberg feiert seine Hochzeit mit Prinzessin Nadeshda, der Tochter des bulgarischen Zaren Ferdinand I. aus dem Haus Sachsen-Coburg-Koháry.
Ebenfalls 1924, im Mai, trifft hoher Besuch aus Essen auf Hohenlohe ein: Bertha Krupp, Alleinerbin des Krupp-Stahl-Imperiums. Ein Jahr später weilt ihre Mutter Margarethe Krupp, Ehefrau von Friedrich Alfred Krupp und lange Jahre treuhänderische Leiterin des Unternehmens, zur Kur im Haus – mit einer persönlichen Kammerdienerin im Gepäck.