Gemeinsame Therapie
Die beiden Partner werden zusammen in die MEDIAN Klinik Richelsdorf aufgenommen. In der therapiefreien Zeit verbringen sie einen Teil der Freizeit miteinander, erleben dabei die für ihre Beziehung typischen Konflikte und Lösungsmechanismen. Wie der Suchtstoffkonsum Mittel der Auseinandersetzung, aber auch zur einzigen Möglichkeit geworden ist, sich getrennt und autonom zu empfinden, wird in seinem Fehlen spürbar und bearbeitbar. Verloren gegangene oder alternative Lösungen können in der Gruppen- und Einzeltherapie oder in den Paargesprächen gesucht und dann im „Realraum“ der Klinik eingeübt werden. Erfahrungsgemäß sind die Mitpatientinnen und Mitpatienten in ihren Beobachtungen und Hinweisen dabei eine große Hilfe.
Getrennte Therapie
Die beiden Partner integrieren sich in je eine eigene Therapiegruppe und nehmen an dem gesamten Programm ihrer Gruppe teil. Jeder der beiden Partner hat einen eigenen Therapeuten, mit dem die individuellen Probleme besprochen werden können. In der Gruppen- und Einzelpsychotherapie wird das Verständnis für die individuelle Dynamik der Suchterkrankung vertieft und neue Lösungsmöglichkeiten für die zugrunde liegenden Konflikte gesucht.
Paarspezifische Angebote
Regelmäßig finden nach einer Eingewöhnungsphase Paargespräche unter Leitung eines dritten – neutralen – Therapeuten statt. Der Paartherapeut ist Moderator für das Gespräch zwischen den beiden Partnern, unterstützt die Gestaltung der Beziehung, hilft beim Einüben neuer und hilfreicher Auseinandersetzungsformen und bei der Entwicklung einer gemeinsamen Zukunftsperspektive.
Beide Partner nehmen gemeinsam an den Angehörigenseminaren teil. Durch das Zusammensein mit anderen Paaren erleben sie die besondere Problematik ihrer Beziehung, können Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Paarbeziehungen erkennen und reflektieren, erhalten Anregungen für die Veränderung und Gestaltung ihrer Beziehung.
Gemeinsame Heimfahrt
Die Partner versuchen während der gemeinsamen Heimfahrt, das Erreichte in der häuslichen Umgebung umzusetzen und arbeiten die Erfahrung anschließend in der Psychotherapie durch. Außerdem suchen sie eine Selbsthilfegruppe und/oder die Beratungsstelle auf, um so die Kontakte für die Nachbetreuung zu sichern und zu festigen. Vorher ist zu klären, ob gemeinsame oder getrennte Nachsorge vorzuziehen ist.
Mitaufnahme von Kindern
Kinder können in unserer Klinik mit aufgenommen werden. Entsprechend unserem Mutter-Kind-Konzept nehmen sie an altersentsprechenden Programmen teil. Da Kinder häufig Projektionsfläche für Beziehungsstörungen sind und sie Konflikte der Eltern austragen, ist hier ein weiteres Problemfeld, das in der Klinik neben der individuellen und der Beziehungsproblematik entsteht. Da in dieser Konstellation in der Regel eine Überforderung und Unübersichtlichkeit und damit eine Gefährdung des primären Therapieziels eines abstinenten Lebens zu beobachten ist, empfehlen wir Paaren, zunächst einmal die Entwöhnungsbehandlung ohne die Kinder zu beginnen. Die Kinder können zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden, wenn sich dies als sinnvoll erweist.
Zusammenfassung
Unser Konzept trägt einerseits der symbiotischen Verklammerung der beiden abhängigen Partner Rechnung. Andererseits bietet es die Möglichkeit, dass beide erste Schritte aus der gegenseitigen Abhängigkeit in zusätzliche Beziehungen und in eine angemessene Distanzregulierung gehen können. Durch die Möglichkeit zu Kontakten wird die Belastungsfähigkeit der beiden Partner nicht überfordert, und ein psychotherapeutisch begleitetes Einüben und Festigen der erlernten neuen Beziehungsgestaltung gewährleistet. Trennung und Kontaktabbruch mit der Folge, dass sich alte Muster in neuen Beziehungen wiederholen, werden vermieden und damit ein dauerhaft abstinentes Leben auch durch Konflikte hindurch möglich.