Die Nutzung unterschiedlicher Medien ist längst fester Bestandteil unseres Alltags, dabei schneidet die reale Welt mit all ihren anstrengenden Anforderungen im Vergleich zum Erleben in virtuellen Welten oder erweiterten Realitäten manchmal schlechter ab.
Menschen, die unter beeinträchtigenden Lebensbedingungen oder sozialer Ausgrenzung leiden, die eher zurückgezogen, ängstlich oder traurig sind, vielleicht auch wenig Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben, sind anfälliger für internetbezogene Störungen. Schul- oder Arbeitsstress, Konflikte, Ängste – Probleme, die wir alle vielleicht auch gerne mal vermeiden, lassen sich in der Online-Welt ausblenden. Je mehr sie gezielt dafür genutzt wird, der Realität aus dem Weg zu gehen oder sie schöner, bunter, erlebnisreicher zu gestalten, desto eher besteht die Gefahr einer Nutzung, deren Ziel nicht mehr der Spaß an der Sache ist, sondern die Verdrängung unschöner Erlebnisse. Für manche Nutzer wird deshalb die dauerhafte Verfügbarkeit des Internets und seiner Angebote zum Problem. Erfolge, Anerkennung und Kontakte sind über das Internet schneller und oft leichter zu erreichen als in der Realität. Das kann dazu führen, dass sich Menschen lieber in der Virtualität aufhalten möchten und sich dort zunehmend wohler fühlen, sodass der Schritt zurück ins reale Leben immer mehr an Attraktivität verliert. „Gefangen im Netz“ hat die Forscherin Kimberly S. Young diesen Zustand genannt, der positive und negative Aspekte einer Eigendynamik von Nutzungsmustern beschreibt und in deren Folge Betroffene immer weniger selbstbestimmt ihre Online-Aktivitäten steuern (können).