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Das Leben leben

Therapieangebote bei Multipler Sklerose

um Ihre Selbständigkeit auf der Funktions-, Aktivitäts-, und Partizipationsebene wiederherzustellen

Auf dieser Seite

Physiotherapie

Abhängig von den Symptomen der Multiplen Sklerose wie z.B. Lähmungen, Koordinationsstörungen (Ataxie), Ausdauerminderung, Fatigue und Spastik werden in der Physiotherapie der MEDIAN Klinik Wilhelmshaven neben bekannten und bewährten Therapieangeboten auch moderne Therapien angeboten. Um den Anforderungen der MS gerecht werden zu können, ist es für uns ein Selbstverständnis, neben einem differenzierten physiotherapeutischen Befund, die für den Patienten am besten geeigneten Therapieverfahren aus einer Vielzahl von Konzepten und Methoden auszuwählen. Dazu zählen u. a.:
 

  • Laufbandtherapie mit dynamischer Gewichtsentlastung
  • Biofeedback gestützte Gleichgewichtstherapie
  • Ganzkörperkältetherapie
  • Wassertherapie ( u.a. Halliwick Konzept)
  • Alltagsorientiertes Training
  • Medizinische Trainings- und Ausdauertherapie
  • EMG-getriggerte Mehrkanalelektrostimulation
  • Bobath Konzept
  • PNF Konzept (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation)
  • Beckenboden- und Inkontinenztherapie
  • Koordinationstraining in der Kleingruppe
  • Spiegeltherapie
  • Forced-Use-Therapie und CIMT (Constrained Induced Movement Therapie)
  • Schmerztherapie

Ganzkörperkältetherapie

Fast 80 Prozent der Patienten mit Multipler Sklerose zeigen das sogenannte Uhthoff-Phänomen. Kennzeichnend dafür ist eine (paradoxe) Verbesserung der Nervenleitung unter Kälteeinwirkung, während Wärme die Symptome verschlechtert.

Die Ganzkörperkältetherapie führt häufig nicht nur unmittelbar nach der Anwendung zu einer deutlichen Verbesserung der körperlichen und seelischen Verfassung, sondern zeigt oft auch eine positive Beeinflussung der krankheitsspezifischen Müdigkeit („Fatique“) und positive Auswirkungen auf geistige Funktionen und das seelische Befinden.

Mit Hilfe von speziellen Kältetextilien, kann dieser positive Temperatureffekt zeitlich verlängert werden. Bereits nach einstündiger Körperkühlung zeigen sich deutliche Effekte: Die Muskelkraft der Probanden steigert sich um durchschnittlich 20 Prozent und das Gleichgewichtsempfinden verbessert sich deutlich.

Therapie im Wasser

Gute Erfolge lassen sich auch mit der Halliwick Therapie erzielen. Die therapeutische Behandlungsform im Wasser wurde von dem Hydromechaniker James McMillan 1964 entwickelt.

Bei der Bewegungstherapie im Wasser wirken das Element an sich, die Wärme und der Auftrieb, welcher zu einem scheinbaren Gewichtsverlust von 90% führt, positiv auf den Patienten ein. Auftriebskraft, hydrostatischer Druck und Strömungseffekte beeinflussen positiv das Gleichgewichtsverhalten, den Spannungszustand der Muskulatur (Tonus) und das Herz-Kreislauf-System. Für langsame Bewegungen im Wasser bedarf es geringerer Muskelspannung; Spastik kann sich durch die Auftriebskraft reduzieren.

Besonders bei Ataxie, Muskelschwäche oder Gangstörungen können MS-Erkrankte Bewegung und Haltung im Wasser trainieren. Die Trägheit des Wassers erlaubt mehr Zeit zum Reagieren. Es besteht keine Sturzgefahr, sodass Bewegungsfehler leichter korrigiert werden können. Das steigert das Selbstvertrauen und erhöht die Motivation für das Training.

So können die Koordinationsfähigkeit und das Gleichgewicht gefahrlos verbessert werden. Von dieser Verbesserung profitieren Patienten auch außerhalb des Wassers.

Funktionelle Elektrostimulation

Dieses moderne Therapieverfahren eignet sich bei der multiplen Sklerose nach unserer Erfahrung in vielen Fällen sehr gut zur Behandlung von Lähmungen und Koordinationsstörungen der Arme und Beine unterschiedlicher Schweregrade.

Durch die integrierte EMG- Funktion des Elektrostimulationsgerätes wird die elektrische Aktivität der betroffenen Muskulatur gemessen. Versucht der Patient nun eine bestimmte Bewegung auszuführen, wird er mit geeigneten Stromimpulsen an bis zu vier unterschiedlichen Muskelgruppen gezielt in seiner Ausführung unterstützt.

Bei Menschen mit neurologischen Erkrankungen, kann die funktionelle Elektrostimulation eine wertvolle Ergänzung zur herkömmlichen Therapie darstellen.

Ergotherapie

Das Ziel der Ergotherapie ist es, die Handlungsfähigkeit in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Hierbei dienen spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung dazu, dem Patienten Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung seiner Lebensqualität zu ermöglichen. Nach einer individuellen Befunderhebung und Zielfestlegung wird in der Ergotherapie ein spezielles Therapieprogramm gemeinsam mit dem Patienten erstellt. Zu den vielfältigen ergotherapeutischen Angeboten für unsere an Multiple Sklerose erkrankten Patienten gehören u. a.:

  • Alltagsorientiertes Training: Orientierung und Fortbewegung außer Haus, Einkaufstraining
  • Selbsthilfetraining: z.B. Wasch- und Anziehtraining, Haushaltstraining, Frühstücks- und Mittagstraining
  • Schreibtraining: Wiederherstellung/Besserung der Auge-Handkoordination, des Schriftbildes, der Schrifthaltung und der Schreibausdauer
  • Wahrnehmungstraining: z.B. thermische Anwendung warm und kalt
  • neurologische Handtherapie : Aufgabenorientiertes repetitives Training
  • Hirnleistungstraining
  • Hilfsmittelberatung, Anpassung und Erprobung
  • Arbeitsplatzberatung / Arbeitsplatztraining: Verschiedene Modellarbeitsplätze vorhanden
  • Hilfsmittelbezogene Vorträge

Moderne und etablierte Konzepte und Therapiemethoden im Rahmen der Ergotherapie:

  • HoDT (Handlungsorientrierte Diagnostik und Therapie)
  • 4 Kanal EMG getriggerte Elektrostimulation
  • Physiotaping
  • Forced Use /CIMT
  • Bobath-Therapie
  • FOTT (Facio-Orale Trakt Therapie)
  • Spiegeltherapie
  • Kognitiv-therapeutische Übungen nach Perfetti

Neuropsychologie

Zum Einsatz kommen verschiedene, wissenschaftlich getestete, computergestützte Verfahren, welche diverse Module zur Verbesserung der Visuo-Motorik, der Vigilanz, Mnestik, des logischen Denkvermögens sowie der Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit beinhalten.

Die Neuropsychologie befasst sich mit Störungen kognitiver Leistungskomponenten insbesondere der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses, der visuellen Wahrnehmung und der Fähigkeit flexibel und problemlösungsorientiert zu handeln sowie auch den Auswirkungen, die mögliche Einschränkungen auf das Wohlbefinden der Patienten haben.

Während man früher davon ausging, dass diese Störungen insbesondere im fortgeschrittenen Stadium einer MS-Erkrankung vorkommen, zeigt sich heute, dass Beeinträchtigungen bereits sehr früh auftreten können und circa 50% der Patienten davon betroffen sind. Während der Rehabilitation im Rehazentrum Wilhelmshaven gilt es, diese Beeinträchtigungen zu identifizieren und durch gezielte Therapien zu behandeln.

Dabei kommen zur Anwendung:

  • Fahrtauglichkeitsprüfungen
    Bei vielen MS-Patienten bestehen große Unsicherheiten hinsichtlich der Fahreignung, z. B. nach akuten Schüben oder in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien. Im Rehazentrum Wilhelmshaven kann - u. a. unter Verwendung des „Wiener Testsystems“ - eine neuropsychologische Beurteilung der privaten (und ggf. beruflichen) Fahreignung erfolgen.

    Hierfür stehen erweiterte Möglichkeiten zur Untersuchung neurologisch bedingter Störungen der visuellen Wahrnehmung und des Gesichtsfeldes (u. a. Perimetrie) zur Verfügung.
     

  • Psychologische Betreuung
    Die Diagnose „MS“ stellt für die Betroffenen oft eine große psychische Belastung dar. Neben der Diagnostik und Therapie neurokognitiver Defizite ist unser engagiertes Psychologenteam ein qualifizierter Ansprechpartner für alle psychischen Probleme, welche sich hinsichtlich der Krankheitsverarbeitung und dem Umgang mit der Krankheit und ihren Symptomen im Alltag ergeben. Im Rahmen unterstützender psychologischer und vertraulicher Einzelgespräche können Probleme aufgearbeitet werden.
     
  • Funktionstherapien (Computergestütztes Training, Papier-Bleistift-Aufgaben
     
  • Kompensationstherapie (Lerntheoretische Methoden, externe Anpassungshilfen)

Ärztliche Beratung

Welche Therapiemaßnahmen bei Patienten mit Multipler Sklerose wirken, kann individuell sehr unterschiedlich sein. Während der Rehamaßnahme im Rehazentrum Wilhelmshaven findet eine intensive ärztliche Betreuung statt, um einen individuell maßgeschneiderten Therapieplan zu entwickeln. Der Erfolg der Therapien wird regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst.

Unsere Patienten werden in alle Therapieentscheidungen miteinbezogen.

Neben der aktivierenden Pflege und vielfältigen Heilmitteln ist auch die begleitende medikamentöse Therapie ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation bei Multipler Sklerose. Hierbei werden spezielle, symptombezogen wirkende Medikamente (z. B. bei Schmerzen, Spastik, Blasenstörungen) von immunsuppressiv oder immunmodulatorisch wirkenden Substanzen unterschieden, wie sie beim akuten Schub oder zur medikamentösen Schubprophylaxe eingesetzt werden. Der richtige Einsatz dieser Medikamente, die Kenntnis ihrer Wirkungen, Nebenwirkungen und Dosierungen, erfordert besondere Erfahrungen in der Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose, wie sie nur in einem spezialisierten Behandlungszentrum vorausgesetzt werden können.

Aktivierende Pflege

Durch eine aktivierende Pflege wird die Selbstständigkeit bei den Tätigkeiten des täglichen Lebens gefördert und unterstützt. Im Rahmen einer pflegerischen Anamnese werden zusammen mit den Rehabilitanden die bestehenden pflegerischen Probleme und Fähigkeiten ermittelt. Gemeinsam werden pflegerische Ziele für die Zeit der Rehabilitation festgelegt und Maßnahmen abgeleitet. 

Unsere MS-Schwestern verfügen über umfangreiche Kenntnisse zum Krankheitsbild. Sie sind geschult im patientengerechten Vermitteln von Informationen und dem Erkennen von persönlichen Ressourcen. Die Pflegekräfte motivieren die Rehabilitanden während der Rehabilitation, eine bessere Selbstständigkeit im Umgang mit ihrer Erkrankung zu erreichen.

Ziele sind unter anderem:

  • Verringerung der Pflegebedürftigkeit
  • Förderung und Ausbau der bestehenden Fähigkeiten
  • Schulung zum Krankheitsverlauf und zu typischen pflegerisch relevanten Veränderungen
  • Erlernen der Selbstbeobachtung (zur Vermeidung von Folgeschäden wie Hautschädigungen, Kontrakturen etc).
  • Vermittlung von spezifischen Kenntnissen im Umgang mit Medikamenten, (insb. subkutane / intramuskuläre Eigeninjektionen zur Schubprophylaxe)
  • Vermittlung des Eigenkatheterismus Rehabilitanden mit Multipler Sklerose leiden häufig an neurogenen Blasen- und Darmentleerungsstörungen.

Speziell geschulte Pflegekräfte mit der Fortbildung zur „MS-Schwester“ nach DMSG unterstützen hier, ermitteln die persönliche Problematik und geben gezielt Informationen über das Krankheitsbild oder die Eigeninjektion zur Schubprophylaxe.

Sie übernehmen die Aufgabe, die Betroffenen und Angehörige während des Aufenthaltes im Rehazentrum Wilhelmshaven individuell zu beraten und zu betreuen. So finden regelmäßig Einzelgespräche und Gruppenangebote statt, in denen zur Erkrankung informiert wird und Erfahrungen ausgetauscht werden können.

MEDIAN Klinik Wilhelmshaven – Persönlich betreut. Kompetent behandelt. Verlässlich für Sie da.