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Therapiegruppe Stimulanzienabhängigkeit (Crystal/Speed)

Die Zahl der Konsumenten von Methamphetamin (Crystal) und Amphetamin (Speed) ist deutschlandweit weiterhin ansteigend. Viele Konsumenten erleben ihren Substanzgebrauch als problematisch und informieren sich über Behandlungsmöglichkeiten. Oftmals liegen begleitende psychische Störungen (z.B. Borderline-Störung, ADHS, Traumatisierungen, Depressionen oder Psychose-Erfahrungen) vor. Stimulanzienabhängige Patienten profitieren insbesondere von spezifischen Behandlungsangeboten. Diese unterscheiden sich beispielsweise von den Behandlungsschwerpunkten opiatabhängiger Klienten. Aufgrund der langjährigen Erfahrung im Bereich von stimulanzienabhängigen Klienten haben wir die Bezugsgruppe Stimulanzienabhängigkeit (Crystal/ Speed) etabliert.

Problembereiche

Chronischer Konsum von Methamphetamin und Amphetamin verursacht neurochemische und neuroanatomische Veränderungen. Die Abhängigkeit führt zu Beeinträchtigungen der Merkfähigkeit, der Entscheidungsfreude und der mündlichen Ausdrucksfähigkeit. In der Regel ist die körpereigene Wahrnehmung gestört, einhergehend mit Mangelernährung und Gewichtsverlust. Die Störung ist häufig mit emotionalen Einschränkungen verbunden, die sich als Gefühlskälte ausdrückt. Dies führt eher zu einem verringerten Kompetenzerleben in sozialen Situationen. Teilweise entsteht eine depressive Symptomatik, andere Symptome ähneln denen der paranoiden Schizophrenie. Zusätzlich haben komorbide Störungen wie posttraumatische Belastungsstörungen, affektive Störungen und ADHS im Erwachsenenalter eine hohe Prävalenz.

Therapeutischer Behandlungsansatz

Es kommt ein modifiziertes Behandlungsmanual für stimulanzienabhängige Patienten zum Einsatz („Workbook der Stimulanziengruppe“). Das für die Behandlung der Stimulanzienabhängigkeit wissenschaftlich evaluierte Behandlungsmanual (Matrix, 2006) basiert auf verhaltenstherapeutischen Grundannahmen und beinhaltet neben einer intensiven Psychoedukation auch die Aneignung von Rückfallstrategien.

Therapieziele

Internale und externale Auslöseimpulse für Craving sollen erkannt und Hilfe zur Bewältigung von Ängsten und depressiven Phasen vermittelt werden.

Therapieelemente

Neben den bereits oben beschriebenen Interventionen im Bereich der Psychotherapie in der Bezugsgruppe (Einzeltherapie, Gruppentherapie und Training sozialer Kompetenz) kommen folgende Therapieelemente zum Einsatz:

Psychoedukation

Es findet eine Auseinandersetzung mit Konsummustern und Wirkung der Droge sowie mit Kreuzreaktionen anderer psychoaktiver Substanzen statt. Die Patienten erhalten Kenntnisse über langfristige Auswirkungen des Konsums von Methamphetamin und Amphetamin verbunden mit der Darstellung neurobiologischer Hintergründe. Themen der Psychoedukation sind: Aktivierung und Motivation, Aufbau sozialer Netzwerke, Schuld- und Schamgefühle, Vermittlung von Stresstheorien und Umgang mit Stress, Konfliktlösung in belasteten Beziehungen, Stärkung der Selbstfürsorge, berufliche Tätigkeit und realistische Einschätzung des Leistungsvermögens, Sexualität ohne Drogenkonsum, Auseinandersetzung mit Verhaltensgewohnheiten.

Achtsamkeitsbasierte Rückfallprävention

Im MBRP (mindfulness based relapse prevention) verbinden sich achtsamkeitsbasierte Meditationspraktiken als effektive und weltanschaulich neutrale Methode der Stressbewältigung mit bisherigen Ansätzen zur Rückfallprävention. Im Verlauf der Behandlung erlernen die Patienten insgesamt vier Methoden, mit denen sie ihre Achtsamkeit schulen: Body-Scan, Körperübungen aus der Yogapraxis, Sitzmeditation und Gehmeditation. Die regelmäßige Praxis der Achtsamkeit führt zu deutlich erhöhter Fähigkeit sich zu entspannen, besserer Bewältigung von Stresssituationen, dauerhafter Verminderung von körperlichen und psychischen Symptomen, Stärkung von Selbstvertrauen und Selbstakzeptanz sowie einer Zunahme von Gelassenheit und Lebensfreude. Weitere Themen sind: automatisiertes Verhalten und Rückfall, Wahrnehmung von Auslösern und Suchtmittelverlangen, Achtsamkeit im Alltag, Rückfallrisikosituationen, Selbstakzeptanz und bewusstes Verhalten, Wahrnehmung und Gedanken, Selbstfürsorge und ausgewogener Lebensstil, soziale Unterstützung.

Achtsamkeitsbasierte Bewegungstherapie

Das bewegungstherapeutische Angebot unterstützt den Patienten in der Vertiefung und Verfeinerung seiner Körperselbstwahrnehmung, fördert die Stresstoleranz und bietet, Möglichkeiten der Impulskontrolle zu erlernen. Bewährte Übungen des Achtsamkeitstrainings, der DBT-basierten Körpertherapie und Bewegungsspielen aus dem Theater-Sport-Bereich kommen in diesem Therapieelement zum Einsatz.

Ernährungsgruppe

Es erfolgt eine intensive Ernährungsberatung und praktische Anleitung zur gesunden Ernährung und Lebensweise. Hintergrund ist die Erfahrung, dass insbesondere (meth-) amphetaminabhängige Patienten während einer Entwöhnungsbehandlung an Körpergewicht zunehmen. In den ersten Behandlungswochen klagen viele Patienten über Heißhunger. Bei vielen Patienten besteht ein erhebliches Rückfallrisiko aufgrund der häufig aversiv wahrgenommenen Gewichtsveränderungen. Die Gruppe soll umfassend über die Zusammenhänge zwischen den appetitzügelnden Stimulanzien, Körpergewicht und gesundheitsbewusstem Verhalten informieren und gesundheitsförderndes Verhalten einüben und anwenden.