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Charité und MEDIAN suchen mit Projekt FIRE schnellere Wege in die Reha für Suchtkranke

Immer mehr Patienten mit einer Alkoholabhängigkeit sollen künftig leichter und schneller den Weg in die Entwöhnungsbehandlung einer Rehaklinik finden. Das ist das Ziel des wissenschaftlichen Forschungsprojektes FIRE „Frühzeitige Intervention für den direkten Zugang zur Rehabilitation bei Entgiftung in der Akutversorgung“, dessen Förderung aktuell beschlossen wurde. Im Rahmen des Bundesprogramms „Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben – rehapro“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und unter Federführung der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See werden insgesamt vier regionale Rentenversicherungsträger, die DRV Rheinland, die DRV Saarland, die DRV Westfalen und die DRV Berlin-Brandenburg am Projekt beteiligt sein. Seitens der medizinischen Rehabilitation sind die MEDIAN Kliniken Daun und die MEDIAN Klinik Tönisstein an zentraler Stelle eingebunden sowie insgesamt sieben Akutkrankenhäuser. Die wissenschaftliche Begleitung des Modellvorhabens übernimmt die Charité-Universitätsmedizin Berlin mit dem Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Abteilung Rehabilitationsforschung, unter Leitung von Prof. Dr. phil. Karla Spyra.

Geringe Akzeptanz kostet Geld

Ziel des Modellprojekts ist es, bei Betroffenen die Inanspruchnahme der langfristig wirksamen Entwöhnungsbehandlung in einer spezialisierten ambulanten oder stationären Rehaklinik zu verbessern. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen findet nur ein Bruchteil der geschätzten 1,8 Millionen in Deutschland überhaupt den Weg zum Entzug in ein Krankenhaus. Und nur eine verschwindend geringe Minderheit von rund fünf Prozent dieses Drittels tritt nach mehr als drei Entzugs-bzw. Entgiftungsbehandlungen tatsächlich die anschließend vorgesehene bis zu 90-tägige Entwöhnungsbehandlung an. Mangels Langzeitwirkung sind Rückfälle für einen großen Teil der Alkoholiker damit an der Tagesordnung. „Dieser ‚Drehtüreffekt‘ ist nicht nur ein Problem für die Patienten“, erklärt Dr. André M. Schmidt, CEO von MEDIAN: „Denn nachweislich sichert erst die Rehabilitation die nachhaltige Abstinenz. So hat ein Alkoholiker, der die dreimonatige Rehabilitation nach der Entgiftung durchhält, eine hohe Wahrscheinlichkeit auch nach zwei Jahren noch ‚trocken‘ zu sein. Bessere Ergebnisse gibt es weltweit nicht.“

Die Behandlung in einer Rehaklinik, die von der Deutschen Rentenversicherung bezahlt wird, zeigt den Betroffenen wirksam, wie sie ihr Verhalten ändern und dauerhaft abstinent in einen normalen Alltag und in Arbeit zurückfinden können. Mehrfachbehandlungen werden dadurch in hohem Maß vermieden.

Drei Verbesserungen in der Erprobung

Im Modellprojekt FIRE soll nun an drei Stellen mit Verbesserungen in den Behandlungsablauf eingegriffen werden: Die Betroffenen sollen früher vom Behandlungsangebot erfahren, das Antragsverfahren soll erleichtert und die Trennung der beiden Sektoren „Entgiftung“ und „Entwöhnung“ modellhaft aufgehoben werden. Zentrale Schaltstelle des Projekts sind zwei Case-Manager der MEDIAN Kliniken Daun und der MEDIAN Klinik Tönisstein, die Betroffene bereits während der Entgiftung in einem der sieben teilnehmenden Akutkrankenhäuser über die Möglichkeiten der direkten Weiterbehandlung in der Rehabilitation beraten. Gleichzeitig kümmern sie sich um die Zeit nach der Entlassung und die Beantragung der Reha-Maßnahme bei den kooperierenden Rentenversicherungen. „Wir fördern das Projekt, indem wir anstelle des üblichen Sozialberichts den Einsatz eines neuen ärztlich-psychotherapeutischen Befundberichts akzeptieren“, erklärt Detlef Schmidt, zuständiger Referent bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See. „Außerdem unterstützen wir im Projekt den nahtlosen Übergang vom Akuthaus in die Reha durch ein speziell zum Modellvorhaben eingerichtetes vereinfachtes Eil-Antragsverfahren. Wir sind an den Ergebnissen sehr interessiert.“

Ergebnis kann Verfahren ändern

„Bei der wissenschaftlichen Auswertung des auf insgesamt 48 Monate Laufzeit angelegten Modellprojekts erwarten wir, dass deutlich mehr Betroffene den Weg aus dem akutmedizinischen Entzug in die Rehabilitation finden“, prognostiziert Prof. Dr. phil. Karla Spyra, Leiterin der Abteilung Rehabilitationsforschung des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. „Dank der engen Zusammenarbeit mit den MEDIAN Kliniken, die über eine große Expertise im Bereich der Abhängigkeitsbehandlung verfügen, gehen wir von einer hohen Erfolgswahrscheinlichkeit aus.“ Gleichzeitig untersuchen die Wissenschaftler die Akzeptanz des Angebots beim klinischen Personal und den Patienten und schätzen den tatsächlichen Ressourcenaufwand ein. Fallen die Ergebnisse des Projekts positiv aus, dann könnte eine dauerhafte Änderung bei der Organisation der Schnittstelle zwischen Akut- und Reha Behandlung langfristig die Folge sein.

Über das Bundesprogramm „rehapro“

Ziel des Bundesprogramms „Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben – rehapro“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales ist es, durch die Erprobung von innovativen Leistungen und innovativen organisatorischen Maßnahmen neue Wege zu finden, die Erwerbsfähigkeit der Menschen besser als bisher zu erhalten oder wiederherzustellen. Darüber hinaus soll mit innovativen Konzepten die Zusammenarbeit der Akteure im Bereich der medizinischen und beruflichen Rehabilitation weiter verbessert werden. Die Erkenntnisse zur bundesweiten Übertragbarkeit und möglichen Verstetigung der Modellansätze sollen langfristig dazu beitragen, den Zugang in die Erwerbsminderungsrente und die Eingliederungshilfe bzw. Sozialhilfe nachhaltig zu senken. Zur Umsetzung des Bundesprogramms „rehapro“ steht bis 2026 insgesamt rund eine Milliarde Euro zur Verfügung. Die einzelnen Modellprojekte können bis zu fünf Jahre gefördert werden.

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