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Behandlung von suchtkranken Menschen mit orthopädischen Erkrankungen und Schmerzkrankheiten

Kurzkonzept

Suchtkranke Menschen leiden nicht selten unter chronischen Schmerzen oder orthopädischen Erkrankungen. Häufig sind Beschwerden im HWS- und LWS-Bereich, aber auch Arthrosen der großen Gelenke und Beschwerden bei Zustand nach Frakturen durch suchtbedingte Stürze und Unfälle.

Im Vordergrund des subjektiven Erlebens stehen die orthopädische oder die Schmerzproblematik. Die orthopädischen Beschwerden lösen den Leidensdruck aus, der dazu führt, dass ein Rehabilitations- oder ein Rentenantrag gestellt wird. Die Suchterkrankung wird häufig als Folge der schmerzhaften Erkrankung erlebt.

Die orthopädischen Erkrankungen, selbst wenn sie nicht Folge der Suchterkrankung sein sollten, sind aber nicht erfolgreich zu therapieren ohne eine Behandlung der Suchterkrankung. Menschen mit regelmäßigem Medikamenten-, Alkohol- und Drogenkonsum sind nicht mehr in der Lage, die notwendigen Bewegungsübungen, Aktivitäten, Sitz- und Stehhaltungen und Behandlungen konsequent über längere Zeit wahrzunehmen, um so eine Besserung oder zumindest Linderung der Beschwerden zu erreichen.

Es besteht eine gestörte Schmerzempfindlichkeit

Auch ist die Schmerzempfindlichkeit abhängig vom Suchtmittelstatus. Sie ist zeitweise ungewöhnlich hoch, zu anderen Zeiten herabgesetzt. Physiotherapeutische Maßnahmen werden häufig übermäßig schmerzhaft erlebt und deswegen vermieden oder auch vergessen. Selbst für eine eventuell notwendige medikamentöse Schmerztherapie fehlt die Compliance, die Mittel werden entweder im Übermaß eingesetzt oder abgesetzt.

Die orthopädische Erkrankung steht zunächst im Mittelpunkt der Reha

Wir stellen die orthopädische Erkrankung zunächst in den Mittelpunkt, integrieren den Patienten aber gleichzeitig zunehmend in das Programm zur Behandlung der Suchtkrankheit. So werden Patienten in ihrem subjektiven Leidensdruck ernst genommen und können aktiv mitarbeiten. Da gleichzeitig die Abstinenz gesichert wird, sind durch die sofort einzuleitenden, hochfrequenten physiotherapeutischen Behandlungen rasche Erfolge möglich, die motivieren und Zufriedenheit mit der Behandlung auslösen.

Wichtiges Ziel ist Arbeitsfähigkeit

Viele Patienten sind bei Einweisung in die Klinik arbeitsunfähig, einige über längere Zeit. Sie erleben sich als leistungsunfähig und drängen auf eine Verrentung, die ihnen weder gut tun würde noch realisierbar ist. Dies führt dann entweder zu weiterem Suchtmittelgebrauch oder dazu, dass sie langjährig Hartz-IV-Empfänger werden. Andere Patienten haben einen noch nicht gekündigten Arbeitsplatz, können sich aber nicht vorstellen, an diesen zurückzukehren.

Die Entwöhnungsbehandlung in der MEDIAN Klinik Richelsdorf fokussiert auf eine Rückkehr ins Erwerbsleben. Um dies zu erreichen, wird nach Besserung der körperlichen Beschwerden im Rahmen der klinikinternen Arbeitstherapie oder in einem externen Arbeitspraktikum geprüft, wie ein Arbeitsplatz aussehen könnte oder wie eine Rückkehr an einen noch bestehenden Arbeitsplatz über eine Umrüstung (z.B. durch Hilfsmittel oder durch Umsetzung) oder über stufenweise Wiedereingliederung möglich wäre.

Im Anschluss an die Entwöhnungsbehandlung besteht die Möglichkeit einer Adaption, um die Leistungserfahrung in einem Berufspraktikum zu vertiefen und auszubauen und so die Rückkehr in die Erwerbstätigkeit anzustoßen.

Indikationen

Suchtkranke Patienten mit

  • Orthopädischen Begleiterkrankungen
  • Chronifizierten Beschwerden nach Verletzungen und Unfällen
  • Chronischen Schmerzerkrankungen

Kontraindikationen

  • Offene Wunden (z.B. unmittelbar nach Operation)
  • Operationsbedürftigkeit
  • Gehunfähigkeit
  • Bettlägerigkeit
  • Unklare Diagnose

Besonderheiten in der Behandlung

Die Patienten nehmen an der gesamten Entwöhnungsbehandlung der Klinik teil. Sie werden in eine Therapiegruppe passend zu ihrer Suchterkrankung und individuellen Situation integriert (z.B. Patienten mit Medikamentenproblemen, Traumatisierte, junge Patienten etc.). Darüber hinaus wird im Rahmen dieses Spezialkonzeptes die Therapie wie unten beschrieben modifiziert.

1. Psychotherapie

Gerade alkoholkranke und medikamentenabhängige Menschen haben in ihrer prämorbiden Persönlichkeit häufig einen besonders hohen Leistungsanspruch, ein besonders strenges und forderndes Gewissen. Sie beginnen zu trinken, um sich den Erfordernissen und Normen der Gesellschaft besser anzupassen oder um leistungsfähiger zu sein. Diese dauernde Überforderung kann zu erhöhtem Suchtstoffkonsum und dann zur Abnahme des Leistungsvermögens und damit letztlich zum Burn-out führen. In der folgenden Depression werden Schmerzen heftig erlebt. Die Schmerzen führen zu Medikamentenkonsum und -missbrauch, zu wiederholten Operationen, auf jeden Fall aber zur Arbeitsunfähigkeit und damit zur Invalidisierung.

Die Invalidisierung, sich nicht mehr auf seinen Körper verlassen zu können, ist für Menschen mit einem hohen Leistungsanspruch eine besondere Kränkung und Beschämung. Das Gefühl des Versagens wird verstärkt, wenn Betroffene neben der körperlichen Verminderung der Leistungsfähigkeit auch noch eine Suchterkrankung akzeptieren müssen.

Die Psychotherapie bei diesen Patienten fokussiert also auf eine Auseinandersetzung mit den exorbitanten Erwartungen an sich selbst, dem Kränkungserleben und der körperlichen Einschränkung mit dem Ziel, die Erwartungen auf ein realistisches Maß zurückzuschrauben, stolz zu sein auf das Erreichte und sich auszusöhnen damit, dass jetzt nicht mehr alles möglich ist, sodass Hilfen in Anspruch genommen werden können.

2. Medikamentöse Behandlung

In der Regel wird der Entwöhnungsbehandlung eine stationäre Entgiftung vorgeschaltet. Wenn Schmerzkranke an den Konsum von Opiaten oder Opioiden gewöhnt sind, werden diese Medikamente ausgeschlichen und ggf. durch nichtsteroidale Antirheumatika ersetzt. Dabei achten wir darauf, dass keine Bedarfsmedikation angesetzt wird, sodass das Suchtgedächtnis nicht weiter getriggert wird. Patienten lernen, Schmerzspitzen durch Wärme- oder Kälteapplikation, Lagerung, Einreibungen, Bäder, Übungen o.ä. zu kupieren. Das führt in der Regel dazu, dass die Analgetika-Medikation langsam reduziert werden kann und sich das Schmerzerleben insgesamt vermindert.

3. Physiotherapie

Anhand der mitgebrachten orthopädischen Vorbefunde wird von den Ärzten ein Programm erstellt, das bereits am Folgetag beginnt und zunächst mehrmals täglich physiotherapeutische Anwendungen beinhaltet.

Im Laufe der Rehabilitation stehen immer mehr die Aktivierung und die eigene Übung im Vordergrund. Die tägliche Bewegungstherapie und zweimal in der Woche eine physiotherapeutische Anwendung bleiben bis zum Ende wichtiger Bestandteil der Entwöhnungsbehandlung.

4. Die Arbeitstherapie

Die Schmerzpatienten werden in der Klinik nicht von Beginn an der Arbeitstherapie zugeteilt, da sie sich in der Regel damit am Anfang überfordert fühlen. Im ersten Monat nehmen sie an der Ergotherapie im Rahmen des kreativen Gestaltens teil, sodass in Ruhe die Belastbarkeit gesteigert werden kann, ohne dass sich die Patienten unter Druck gesetzt fühlen.

Wenn Patienten noch einen Arbeitsplatz haben, wird frühzeitig über den Betriebsarzt eine Arbeitsplatzbeschreibung angefordert und nach Besserung der Beschwerden – in der Regel nach vier- bis sechswöchigem Aufenthalt – der Arbeitsplatz im Rahmen der Arbeitstherapie in seinem Bewegungsablauf und der körperlichen Belastung nachgestellt. So kann überprüft werden, welche Bewegungen, Haltungen und Gewichte nicht mehr zu leisten sind, wie Bewegungsabläufe verändert trainiert werden müssen, damit sie für den Patienten nicht gesundheitsschädigend sind, wo eventuell Pausen notwendig sind oder auch eine Umsetzung an einen anderen Arbeitsplatz oder die Beantragung von Hilfsmitteln. Wenn eine Rückkehr an einen bestehenden Arbeitsplatz möglich erscheint, wird in der ersten Hälfte der Therapie der Kontakt zum Betriebsarzt und der Personalabteilung aufgenommen.

Die Entlassung erfolgt dann gegebenenfalls über eine stufenweise Wiedereingliederung, da durch lange Arbeitsunfähigkeit und eigene Unsicherheit eine sofortige vollschichtige Belastung den Arbeitnehmer überfordern kann – mit der Gefahr der Rückkehr der unerträglichen Beschwerden.

Zu weiteren Informationen, insbesondere zu den Inhalten der Suchtbehandlung, verweisen wir auf das Basiskonzept und die anderen Spezialkonzepte der Klinik.

Die Behandlungsschwerpunkte in der Physiotherapie:

Bewegungstherapie

  • Rückenschule
  • Wirbelsäulengymnastik
  • Krankengymnastik
  • Das Bobath-Konzept
  • Gymnastik bei Adipositas

Massagen

  • Klassische Massagen
  • Bindegewebsmassage
  • Reflexzonenmassage
  • Kinesiologisches Taping
  • Hot-Stone-Massage
  • Manuelle Lymphdrainage

Lagerungs- und Haltungstherapie

  • Schlingentisch
  • Stufenbett
  • Manuelle Therapie
  • Dorn-Therapie

Wärmebehandlung

  • Fango, Rotlicht, Kirschkernkissen

Elektro- und Ultraschalltherapie

  • Ultraschalltherapie
  • Reizstrom

Körperorientierte Indikativangebote

  • Thai Chi, Yoga, Ju-Jutsu, Aautogenes Training, Muskelentspannung nach Jakobson
  • Tiefenentspannung
  • Hydrotherapie