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Behandlungsansätze bei Abhängigkeitserkrankungen

In dem diagnostischen Prozess fokussieren wir auf:

  • das Suchtverhalten und die Funktion des Suchtmittels
  • die gegenwärtige psychosoziale Situation einschließlich der Beziehungs- und Arbeitsfähigkeit, die prognostisch günstigen und chronifizierenden Aspekte
  • die Psychodynamik, vor allem hinsichtlich des Reifegrades der Ich- und Objektbeziehungen, der dominierenden Form der Konfliktverarbeitung unter Beachtung auch anderer neurotischer und psycho- somatischer Störungen
  • die Art des Leidensdrucks und die daraus ableitbare Veränderungsmotivation
  • die internistischen, psychiatrischen, neurologischen und orthopädischen Begleit- und Folgeerkrankungen

Nach drei- bis vierwöchigem Aufenthalt schließt sich eine erneute adaptive Indikationsstellung an. Es wird eine sozialmedizinische Begutachtung durch den behandelnden Arzt durchgeführt. In einer fachübergreifenden Zwischenberichtskonferenz wird das therapeutische Vorgehen im Rahmen der einzelnen Verfahren überprüft und evtl. modifiziert.

Nach ausführlicher allgemeinmedizinischer und psychiatrisch-neurologischer Diagnostik zu Beginn des stationären Aufenthaltes werden die Patientinnen weiterhin in Visiten und täglichen Sprechstunden ärztlich betreut. Neben der sozialmedizinischen Begutachtung steht eine hausärztliche Versorgung im Vordergrund. Falls notwendig, werden niedergelassene Fachärzte hinzugezogen.

Schwerpunkt der ärztlichen Behandlung ist neben der Organmedizin die psychosomatische Betreuung. Diese gibt Anregungen für das Erkennen seelischer und sozialer Zusammenhänge mit körperlichen Beschwerden und Linderungsmöglichkeiten durch Einstellungs- und Haltungsänderungen und schonende Anwendungen aus dem physikalischen oder naturheilmedizinischen Bereich. Eine breite Aufklärung über Hintergrund und Ursachen sowie Verlauf körperlicher Erkrankungen ermöglicht es den Patientinnen, selbstverantwortlich und aktiv Heilungswege zu suchen oder sich mit ihrer Symptomatik auszusöhnen.

Viele unserer Patientinnen leiden unter funktionellen Wirbelsäulen- und Gelenkbeschwerden. Verspannungen und muskuläre Fixierungen, vor allen Dingen im HWS- und LWS-Bereich, führen zu Beschwerden und Leistungseinschränkungen. Neben passiven Maßnahmen im Rahmen der Physiotherapie, der Elektrotherapie, Massagen, Bädern, Bestrahlungen bieten wir vor allem aktivie­rende Behandlungsmöglichkeiten an. Darunter fällt die krankengymnastische Einzelbehandlung, die Rückenschule, Wirbelsäulengymnastik und Entspannungsverfahren, die die Patientinnen später selbst anwenden können. Die Trainingsmöglichkeiten auf den Fitnessgeräten führen zu einer Verbesserung der muskulären und körperlichen Leistungsfähigkeit.

Therapiekonzept

Grundlage unserer therapeutischen Arbeit und unseres Verständnisses der Erkrankung unserer Patientinnen und Patienten ist die Ich- und Objektbeziehungstheorie der Psychoanalyse.

Wir begreifen den anfänglichen Suchtmittelmissbrauch als Anpassungsversuch an konflikthafte innere oder äußere Situationen. Der Sinn des Suchtmittelgebrauchs bleibt dabei meistens unbewusst.

Ziele der stationären Psychotherapie in unserem Hause sind zu einem Verständnis der Entwicklung und des Sinns der Abhängigkeit zu gelangen, Wege zu einem suchtmittelfrei­en und dabei ausreichend befriedigenden und möglichst selbstständigen Leben zu finden sowie Entwicklungschancen zu nutzen.

Wir erarbeiten mit unseren Patientinnen und Patienten einerseits die Fähigkeit zu innerem Dialog, so dass sie in der Lage sind, sich selbst zu kontrollieren, mögliche Schwierigkeiten zu antizipieren, für Frustrationssituationen Entlastungs- und Erleichterungsmöglichkeiten außer­halb vom Suchtstoffkonsum zu finden. Andererseits helfen wir bei der Verbesserung des Dialogs mit anderen Menschen, damit unsere Patientinnen und Patienten statt der Abhängigkeit vom Suchtstoffkonsum, der eine scheinbare Unabhängigkeit von äußeren Objekten ermöglicht, reale und affektiv getragene Beziehungen zu anderen Menschen aufnehmen. Wichtig ist uns dabei das Erreichen von Gruppenfähigkeit, damit sie sich in Zukunft ein tragfähiges soziales Netz aufbauen können und in der Lage sind, sich in ihrem äußeren realen Rahmen Unterstützung zu holen.

Wir unterscheiden zwei Gruppen von Patientinnen und Patienten, für die eine jeweils unterschiedliche therapeutische Vorgehensweise indiziert ist:

  • Patientinnen und Patienten, bei denen die Suchtmitteleinnahme der Erleichterung und Abwehr in neuro­tischen Konfliktsituationen dient.

Meist gelingt am Anfang der Suchtmittelaufnahme eine Lösung, im Laufe des weiteren Suchtstoffkonsums kommt es dann jedoch zu einer Verschärfung der Konflikte, die kompliziert und chronifiziert werden mit zunehmenden Beziehungsstörungen, Ich-Regression und damit Verlust von ansonsten angelegten Ich-Funktionen. Wir arbeiten mit diesen Patientinnen und Patienten einerseits an der Konsolidierung der Ich-Funktionen, der Aufhebung der Ich-Regression, damit sie ihre erwachsenen Fähigkeiten zur Konfliktlösung wieder zur Verfügung haben, andererseits an der Identifikation der zunächst unbewussten Konflikte. Dadurch gelingt es, die Funktion des Suchtmittels zu erkennen und andere Konfliktlösungswege zu suchen.

Dabei wirkt vor allem die Arbeitstherapie mit ihren realitätsnahen Verhältnissen antiregressiv. Die Einzelgespräche ermöglichen eine relativ schnelle Identifikation der Konflikte, die Gruppentherapie dient der Verbesserung der Beziehungsfähigkeit und der Wiederherstellung einer realitätsgerechten Wahrnehmung vom Selbst und von anderen und damit der Konsolidierung der inneren und äußeren Objektbeziehungen. Sowohl in den Psychotherapiesitzungen als auch im Rahmen der kreativen Gestaltung ist eine kurzfristige therapeutische Regression möglich, die eine Einfühlung in die Affekte eines früheren Lebensabschnitts geben kann. Auch dies hilft zu einem besseren Verständnis der persönlichen Entwicklung und der Krankheitsgeschichte.

  • Patientinnen und Patienten, die aufgrund ihrer realen Lebensgeschichte nicht ausreichend gute Lebenserfahrungen verinnerlichen konnten und ein nicht ausreichend sicheres Repertoire von Ich-Funktionen zur Verfügung haben.

Eingeschränkt ist die Realitätsprüfung, d.h. die Fähigkeit zwischen Innenwelt und Außenwelt, zwischen Ich und Du zu unterscheiden, sich selbst und andere Menschen gleichzeitig in ihren Schwächen und Stärken wahrzunehmen. Auch die Affektwahrnehmung und Affektdifferenzierung ist meist gestört, ebenso das Antizipationsvermögen, die Frustrationstoleranz, und die Impulskontrolle. Alkohol und Medikamente haben die Funktion der Spannungslösung und Unlustvermeidung, des Schutzes vor innerer und äußerer Reizüberschwemmung, der partiellen Stabilisierung einzelner Ich-Funktionen, der Stabilisierung der Ich-Grenzen.

Auch bei diesen Patientinnen und Patienten arbeiten wir an der Stabilisierung des erreichten Ich-Niveaus, das meist durch die Suchterkrankung zusätzlich labilisiert wurde, und an der Nachreifung von einzelnen und wichtigen Ich-Funktionen. Durch den intensiven Kontakt, sowohl zum Bezugstherapeuten als auch zu den übrigen therapeutischen Mitarbeitern, ist bei bisher nicht erfolgter Integration „guter und böser“ Objektanteile eine Spaltung möglich, bis die Patientin/der Patient im Laufe der Zeit eine höhere Integration seiner Objektvorstellung erreichen kann.

Da diese Patientinnen und Patienten meist nur eine geringe Gruppenfähigkeit mitbringen, sind häufigere kurze Einzelkontakte von großer Bedeutung. Dabei unterstützt der Psychotherapeut bei der Stabilisierung der Ich-Grenzen, der Verbesserung der Urteilsfähigkeit und der Realitätsprüfung. Durch den äußeren Rahmen wird die Impulskontrolle sichergestellt.

Eine milieutherapeutische Herangehensweise mit Therapeuten in Hilfs-Ich-Funktion, die individuell angemessen in kleinen Schritten die Forderung an Selbstverantwortlichkeit und Selbstregulation erhöhen, ist von großer Bedeutung. Häufig sind diese Patientinnen und Patienten lange arbeitslos bzw. in häufig wechselnden Kurzzeitarbeitsverhältnissen, weswegen wir ihnen neben der üblichen Entwöhnungsbehandlung eine zusätzliche Belastungsphase mit einem externen Berufspraktikum anbieten können

  • Arbeitstherapie
  • Einzeltherapie
  • Freizeitbereich
  • Gruppentherapie
  • Informationsveranstaltungen
  • Kreatives Gestalten
  • Paar- und Familienarbeit
  • Spezialkonzepte
  • Sport- und Bewegungstherapie
  • Selbstverwaltung

Einzeltherapie

Die Arbeitstherapie dient nicht nur der sozialmedizinischen Begutachtung und Wiedergewinnung der Leistungsfähigkeit. Im Rahmen unseres Gesamtkonzeptes hat sie einerseits Bedeutung in der Psychodiagnostik und wird andererseits bei der Konsolidierung der Ich-Funktionen, zur seelischen Stabilisierung, insbesondere zur Gewinnung von Selbstsicherheit genutzt.

Die Arbeitstherapie findet in einem realitätsnahen Rahmen statt und beinhaltet übliche handwerkliche Tätigkeiten mit einem Anspruch an Professionalität. Damit wirkt sie gleichzeitig der in einer stationären Therapie immer wieder beschriebenen Gefahr der formalen Regression entgegen, die durch das Erleben der Klinik als Versorgungsinstanz mit ihrer Entlastung von Mühen und Konflikten des Alltags ausgelöst wird. Diese unerwünschte Regression geht mit der zusätzlichen Einbuße von Ich-Funktionen und der Erschwerung des Lebens außerhalb klinischer Strukturen einher und könnte bis hin zur malignen Regression führen. Dem wird u.a. durch unsere Praxis der Arbeitstherapie entgegengesteuert.

Der Arbeitstherapeut sucht für jede Patientin/jeden Patienten während der Arbeitstherapieeinheiten, die gruppenweise stattfinden, eine individuelle Tätigkeit aus, die dem individuellen Leistungsvermögen und den Fähigkeiten entspricht. Hierbei ist es uns wichtig, dass angemessene Forderungen gestellt werden, nicht überfordert, aber doch angeregt wird, Ungewöhnliches zu versuchen. Dadurch erreichen wir eine Zunahme an Funktionslust, an Interessen, an Wertschätzung der eigenen Person.

Im kollegialen Miteinander von Mitpatienten und weisungsgebendem Arbeitstherapeuten lernen die PatientInnen einerseits Anpassung und Kompromissbildung, andererseits aber auch das Führen von konflikthaften Auseinandersetzungen, ebenso wie die realitätsgerechte Einschätzung der eigenen Leistung.

Gruppentherapie

Die Gruppentherapie ist die Basis unserer psychotherapeutischen Behandlung. Alle Patientinnen und Patienten nehmen an der Gruppentherapie teil, viermal in der Woche je anderthalb Stunden. Ein Mensch mit einer Suchterkrankung leidet zunächst nicht unter dem Suchtstoffkonsum, vielmehr erlebt er ihn als entlastend und lindernd. Er muss also erst begreifen lernen, dass das der Suchterkrankung zugrunde liegende Leiden durch den Suchtstoffkonsum schließlich verstärkt, kompliziert und chronifiziert wird.

Um ein Verständnis dafür zu gewinnen, bedarf es der Auseinandersetzung mit Anderen und der Konfrontation mit deren Wahrnehmung. Die psychotherapeutische Gruppe bietet die Voraussetzung dafür. Gleichzeitig können hier Ich-Funktionen eingeübt werden wie Selbst- und Binnenwahrnehmung, Affektdifferenzierung und Antizipationsfähigkeit. Während der Suchtentwicklung erworbene Fehlhaltungen können korrigiert werden. In der Gruppe wird ein affektives In-Beziehung-treten, wird die Einfühlung in andere (Empathie) wieder oder erstmals möglich.

Durch die halboffenen Gruppen ergibt sich eine zusätzliche Möglichkeit der Ich-Reifung und Ich-Konsolidierung. Ist man zunächst die/der Neue, d.h. die/der Schutzbedürftige, reift man im Laufe der Zeit aber zu der/dem, die/der die Neuen einführt und unter die Fittiche nimmt. Das stärkt die erwachsenen, gesunden Seiten der Person und bietet die Möglichkeit, auch neue, im Familiensystem bisher fremde Rollen einzunehmen.

Methodisch stützen wir uns auf das Göttinger Modell der psychoanalytisch-interaktionellen Gruppenpsychotherapie, wie es von Heigl-Evers und Heigl entwickelt wurde.

Kreatives Gestalten

Materialien und deren Verarbeitungsmöglichkeit. Die künstlerischen und schöpferischen Fähigkeiten werden geweckt und trainiert.

Hierbei ist es nicht wichtig, dass professionelle Arbeiten abgeliefert werden, sondern es werden der kreative Rahmen und die kreativen Möglichkeiten ausgeschöpft. Der häufig hohe Perfektionsanspruch unserer Patientinnen und Patienten wird gemildert durch die Erfahrung, dass Unvorhergesehenes und zunächst fehlerhaft Erscheinendes positive Ergebnisse bringen kann. Gleichzeitig erhalten sie eine Anregung für ihre Freizeitgestaltung.

In regelmäßigen Abständen werden Gruppenthemen aufgenommen und gestalterisch umge­setzt. Dies belebt den Gruppenprozess, fördert die Gruppenintegration, gleichzeitig werden unterschiedliche Gruppenpositionen deutlich und besprechbar.

Sport- und Bewegungstherapie

Die Wiedererlangung körperlicher Belastungsfähigkeit stellt für die meisten Patientinnen und Patienten einen wichtigen Erlebensschritt dar. Oftmals entwickeln sie erst über das sportliche Angebot der Klinik ein positives Gefühl für ihren Körper.

Neben der Förderung körperlicher Leistungsfähigkeit und Kooperation besonders im Gruppensport bietet sich auch die Gelegenheit, im Schutz von Regeln Aggressionen zu äußern oder sich der Spielführung eines anderen zu überlassen. Neue Freizeitmöglichkeiten eröffnen sich.