Kontakt

Wir freuen uns auf Ihren Anruf unter:

+49 (0)5281 / 6190

Spezifische Gesundheitsrisiken von Lehrern und anderen Beschäftigten im öffentlichen Dienst

 

Dr. Malinowski, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit den speziellen Gesundheitsproblemen von Angehörigen des öffentlichen Dienstes...

Darf ich kurz unterbrechen. Das bin nicht ich alleine, sondern die gesamte Klinik. Unser ärztlicher Direktor, Dr. Thiel und unser Ltd. Psychologe Herr Okon kümmern sich seit vielen Jahren sowohl ärztlich und psychotherapeutisch als auch wissenschaftlich um die speziellen Gesundheitsprobleme von Polizisten, Soldaten und Feuerwehrleuten inklusive auch der speziellen Probleme, die aus den vielfältigen traumatischen Erlebnissen resultieren, die diese Berufe mit sich bringen. Andererseits war das MEDIAN Zentrum für Verhaltensmedizin eine der ersten klinischen Einrichtungen, die sich speziell mit dem Thema Lehrergesundheit auseinandersetzte.

Sie sprechen Spezialveranstaltungen wie das Burnout-Seminar für Lehrer im Jahr 2007 an...

Genau, bereits damals haben wir uns mit den speziellen Gesundheitsrisiken dieser Berufsgruppe ganz praktisch auseinandergesetzt.

Warum liegt Ihnen der öffentliche Dienst so am Herzen?

Lassen Sie mich mit einer kleinen Begebenheit aus dem Klinikalltag antworten. Eines Morgens fand sich ein kleines Gedicht am schwarzen Brett, offenbar von einer Mitpatientin/einem Mitpatienten, in dem unseren Polizisten, Soldaten, Feuerwehrleuten dafür gedankt wurde, dass sie für uns „die Knochen hinhalten". In einem weiteren Sinne trifft dies ja für den gesamten Öffentlichen Dienst zu, egal ob es sich um die oben beschriebenen Berufsgruppen handelt oder um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jobcenter, im Finanzamt, in der Schule. Es wird oft vergessen, dass alle diese Menschen für das Funktionieren unserer Gesellschaft sorgen, gleichzeitig sind sie aber auch oft diejenigen, die am ehesten unter politisch gesellschaftlichen Rahmenbedingungen leiden, Stichworte sind hier Bezahlung und Stellenabbau.

Kommen wir auf die Lehrer zurück, eine Berufsgruppe, die Ihnen ja besonders am Herzen liegt.

Das stimmt, auch aus biografischen Gründen. Meine Beobachtung ist, dass sich der Lehrerberuf in den letzten Jahren deutlich gewandelt hat. Noch vor 20 Jahren war der typische Lehrer ein pädagogisch begabter Wissens­vermittler, der heutige Lehrer ist jedoch zusätzlich noch Sozialarbeiter, Integrations­fachkraft, Familientherapeut, aber auch „Frühdiagnostiker" für Verhaltensauffälligkeiten bei den ihm Anvertrauten. Das ganze vor dem Hintergrund einer gesellschaftlich nicht immer vorhandenen Anerkennung der beruflichen Leistung.

Und das birgt Gesundheitsrisiken?

Ja, denn man muss auch bedenken, dass bei allen Vorteilen, die eine Beamtentätigkeit hat, ein Lehrer kaum eine Möglichkeit hat, seinen Beruf zu wechseln, ohne starke finanzielle oder alterssicherungs­technische Einbußen zu erleiden. Dies erzeugt bei lang andauernder beruflicher Unzufriedenheit und Überforderung einen Zustand der, wie wir in der Psychotherapie sagen, erworbenen Hilflosigkeit, ein hochgradig depressionsfördernder Vorgang.

Welche therapeutischen Rückschlüsse und Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Eine Konsequenz ist es, möglichst frühzeitig für Betroffene Hilfe anzubieten, z.B. spezielle Seminar- und Therapieangebote. Wir haben das Konzept, dass wir die betroffenen Berufsgruppen auf einer speziellen Station behandeln, wobei wir Wert darauf legen, dass – um beim Lehrerberuf zu bleiben – etwa die Hälfte der Gruppenteilnehmer aus Lehrern bestehen, die andere Hälfte aus anderen Berufsgruppen. Dies sorgt einerseits für einen gewissen Zusammenhalt im Sinne eines Selbsthilfegedankens, zum anderen gibt es aber auch einen Input von außen, der ausgesprochen hilfreich ist. Wir haben mit dieser in fast 30 Jahren mittlerweile sehr verfeinerten Gruppenorganisation für alle Berufsgruppen und Krankheitsbilder extrem gute Erfahrungen gemacht, wie auch alle Nachuntersuchungen zeigen.

Was hilft sonst noch?

Als Verhaltenstherapeuten sind wir grundsätzlich lösungs- und ressourcenorientiert nach vorne gewandt und machen immer die Neuentwicklung einer Zukunftsperspektive, möglichst auch unter Einschluss der Berufsproblematik, zum Therapieinhalt. Zusätzlich bieten wir aber unseren Patienten ein Ambiente des Wohlfühlens, der Entspannung und der Rekreation. Natürlich hilft uns auch, dass wir durch unsere fast dreißigjährige Erfahrung in der Therapie von Lehrern über ein umfassendes Wissen der berufsrechtlichen und politischen Rahmenbedingungen verfügen, das in alle unsere Behandlungsprozesse einfließt und bei unserer prognostische Einschätzung hilft. Lehrer finden in uns also nicht nur Fachleute in Bezug auf ihre Erkrankung, sondern auch Fachleute in Bezug auf ihren Arbeitsplatz, was eine Zusammenarbeit und gegenseitige Akzeptanz auf Augenhöhe sicherstellt.

Dr. Malinowski, vielen Dank für das Gespräch.

+49 (0)5281 / 6190Kontakt