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Essstörungen

Hat ein Mensch Hunger, isst er etwas, ist er satt, verzichtet er. Eine Essstörung verändert diesen Rhythmus. Phasenweise kreist das Denken und Fühlen von Menschen mit Essstörungen nur noch um die nächste Mahlzeit.

Zu den Essstörungen gehören unterschiedliche Erkrankungen: Anorexie (Magersucht), Bulimie (Ess-Brech-Sucht), Binge-Eating-Störung und sonstiges Überessen bei Adipositas (Fettsucht).

Wie kann eine Essstörung behandelt werden?

Menschen mit Essstörungen verheimlichen oft aus Scham ihre Erkrankung. Ziele der Therapie von Essstörungen sind ein langfristig gesundes Ernährungsverhalten und ein achtsamer, freundschaftlicher Umgang mit dem eigenen Körper.

Menschen mit Essstörungen bieten wir in der MEDIAN Klinik Schweriner See langjährig erprobte Behandlungsmaßnahmen als Einzeltherapie und als spezifische Gruppentherapie an. In Gesprächen und Übungen gehen die Betroffenen den persönlichen Ursachen ihrer Essstörung nach und lernen, ihr Ernährungsverhalten zu normalisieren. Liegen neben der Essstörung weitere psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen vor, wird eine störungsspezifische Behandlung sowohl der Essstörung als auch der zusätzlichen Erkrankung durchgeführt.

Was versteht man unter Essstörungen?

Essstörungen sind gesundheitsschädigende Störungen des Ernährungsverhaltens und Erlebens. Oft hängt die Entwicklung einer Essstörung mit sozialen und emotionalen Faktoren sowie mit einer problematischen Einstellung zum eigenen Körper zusammen. Essstörungen beginnen häufig im jüngeren Lebensalter.

Alle Essgestörten verbindet die übermäßige gedankliche Beschäftigung mit dem Thema „Essen“. Menschen mit Essstörungen ist es nicht mehr möglich, ihre Ernährung selbstständig in einem gesunden Maß zu halten. Die Essstörung führt entweder zu zwanghaft gezügelter oder übersteigerter Nahrungsaufnahme. Die Selbstkontrolle ist bei Essstörungen entweder krankhaft gesteigert oder vermindert. Manche Menschen mit Essstörungen erscheinen impulsiv und emotional instabil.

Adipositas

Übermäßige Nahrungszufuhr führt zur Fettleibigkeit, sogenannter Adipositas. Gelingt es trotz zumeist wachsender gesundheitlicher und zwischenmenschlicher Probleme nicht, das Essverhalten zu mäßigen, spricht der Volksmund von Fettsucht.

Ab einem BMI von 30 kg/m² spricht man von Adipositas. Viele körperliche und seelische Faktoren führen zur Fettleibigkeit, so etwa die Binge-Eating-Störung. Spielen bei der Fettsucht ernste psychische Probleme – etwa Depressionen, Einsamkeit oder Ängste – eine Rolle, werden Ernährungsratschläge allein die Adipositas nicht beseitigen. Von Fettleibigkeit Betroffene brauchen zusätzliche psychotherapeutische Hilfen, um zu lernen, Essen nicht mehr gegen seelische Missbefindlichkeiten oder zur Belohnung einzusetzen.

Adipositas kann schwerwiegende körperliche Folgen haben. Fettleibigkeit vermindert die Lebenserwartung und verursacht z. B.:

  • Bluthochdruck
  • Gelenkerkrankungen
  • Diabetes
  • Herzerkrankungen, erhöhtes Infarktrisiko und Kurzatmigkeit
  • Sonstige Atmungsprobleme

Fettsucht bzw. Fettleibigkeit führt oft auch zu seelischen Problemen wie:

  • Minderwertigkeits- und Schamgefühle
  • Depressionen
  • Sozialer Rückzug

In der Adipositastherapie gehen Ärzte und Therapeuten unserer Klinik neben dem Aufbau einer gesunden Ernährung und einer der Fettleibigkeit angemessenen Bewegung auch auf die individuellen seelischen Hintergründe der Fettsucht ein. Dabei werden ggf. auch Suchtmechanismen der Adipositas behandelt.

Binge-Eating Störung

Alles dreht sich ums Essen. Aber die Betroffenen verlieren mehr und mehr die Kontrolle über ihr Verhalten. Die Binge-Eating-Störung (Binge Eating Disorder, BED) ist eine Essstörung, bei der die meisten Betroffenen ein Übergewicht oder sogar ein extremes Übergewicht (Adipositas) entwickeln und in mehrfacher Hinsicht ein Leidensdruck entsteht.

Sie sind negativen Bewertungen durch die Umwelt ausgesetzt, leiden unter den körperlichen Folgen des Dickseins und unter ihrer Essstörung selbst. Bei dieser relativ häufigen Störung (bis 4,3 % der Gesamtbevölkerung und etwa 30 % der Patienten mit Adipositas) kommt es zu regelmäßigen Essattacken, bei denen die Betroffenen kaum noch eine Kontrolle über die Menge und Art der Nahrungsaufnahme haben. Sie haben das Gefühl, mit dem Essen nicht mehr aufhören zu können.

Die Nahrungsaufnahme erfolgt sehr schnell bis zu einem sehr unangenehmen Völlegefühl oder nicht selten darüber hinaus, ohne dass im eigentlichen Sinne Hunger besteht. Nach einem solchen Essanfall fühlen sich die Betroffenen oft sehr schlecht, haben Schuldgefühle und sind deprimiert. Im Unterschied zur Ess-Brech-Sucht (Bulimie) werden bei den Patienten mit einer Binge-Eating-Störung keine Bemühungen beobachtet, das Körpergewicht durch gezieltes Erbrechen, durch Fasten oder durch intensive sportliche Aktivitäten zu beeinflussen.

Im Rahmen der psychosomatischen Rehabilitation wird eine langfristige Verhaltensänderung angestrebt, die durch gesunde Ernährung, Zunahme von sportlicher Aktivität, Verbesserung der Selbstregulationsfähigkeit und Mitbehandlung von zusätzlichen Erkrankungen (z.B. Depressionen) auch langfristig zu einer Normalisierung des Essverhaltens und des Körpergewichts führt.

Anorexie

Anorexie kann harmlos beginnen ...

… kann aber zu einer lebensbedrohlichen Krankheit werden. Betroffen sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene.

Besonders in der Pubertät muss jeder Mensch eine Anzahl von neuen Schritten tun. Dies betrifft die Schule mit ihren wachsenden Anforderungen nach guten Leistungen, die die berufliche Zukunft vorbereiten sollen, aber auch die Beziehungen innerhalb und außerhalb der Familie sowie die Notwendigkeit, sich allmählich von den Eltern zu lösen und eigene Wege zu gehen. Auch der Körper unterliegt in dieser Zeit großen Veränderungen und nimmt neue Formen an, sodass deutlich wird, dass Sie kein Kind mehr sind und ein neues Selbstverständnis in Ihrer Rolle als Frau (bzw. Mann) entwickeln müssen.

Am Anfang einer Essstörung steht häufig der Wunsch, nur ein paar Kilogramm abzunehmen und dann das angestrebte „Wunschgewicht“ zu halten. Zunächst reagiert die Umwelt darauf eher positiv. Freunde und Freundinnen finden die Gewichtsabnahme gut, bewundern vielleicht auch die dazu nötige Selbstdisziplin. Diese erste Bestätigung gibt den Anstoß, die Gewichtsabnahme fortzusetzen.

Vor allem Mädchen und Frauen stehen unter dem starken Druck, dem Modeideal nahezukommen. Es entsteht der falsche Eindruck, dass allein schlanke Menschen Erfolg haben, anziehend sind oder geliebt werden. Aus all diesem resultiert, dass viele Frauen mit ihrem Körper unzufrieden sind, da sie die „ideale“ Figur nicht haben und höchstwahrscheinlich auch nie bekommen werden. Das, was viele Frauen an sich selbst als „übergewichtig“ beurteilen, ist statistisch gesehen ein Normalgewicht. Sehr viele machen sich so zum Sklaven dieser Modeerscheinung.

Allerdings beginnen viele Frauen und Mädchen irgendwann in ihrem Leben eine Diät, die sie nach einer Weile wieder aufgeben, ohne dadurch in eine Essstörung hineinzurutschen. Zur Entstehung und Aufrechterhaltung einer Essstörung gehört also mehr. Eine Essstörung wird vor allem dann entstehen, wenn das veränderte Essverhalten einen Sinn in Ihrem Leben bekommt, Ihnen bei etwas hilft, für das Sie bisher keine anderen Bewältigungsstrategien zur Verfügung hatten.

Erfahrene Therapeuten können Patienten wirkungsvoll helfen, Essstörungen aktiv zu bewältigen nach dem Prinzip „Handeln – nicht behandeln lassen“.

Wenn aus einer harmlosen Diät rigoroses Fasten wird, besteht die Gefahr einer Magersucht. Da die Anorexie eine ernste Erkrankung mit hoher Sterblichkeitsrate ist, sollten frühzeitig Experten hinzugezogen werden.

Unter Anorexie versteht man eine bewusst herbeigeführte Gewichtsabnahme mit starkem Untergewicht. Trotz eines Body-Mass-Index unter 17,5 kg/m² empfinden sich Betroffene als zu dick.

Wenn von Magersucht Betroffene nicht zu Hause zu einem gesunden Essverhalten zurückfinden, ist die Behandlung in einer Klinik unabdingbar. Eine spezielle Therapie bearbeitet seelische Hintergründe und widmet sich psychischen Begleiterkrankungen (z.B. Depressionen). Durch das Hungern und das daraus entstehende Untergewicht können verschiedene Veränderungen im seelischen, sozialen und körperlichen Bereich eintreten:

  • Schwermütige Stimmung („Depression“)
  • Gereiztheit
  • Wutausbrüche
  • Vermeiden sozialer Kontakte
  • Verlust von sexuellem Interesse
  • Gedankliche Einengung auf ausschließlich Fragen der Nahrungsaufnahme
  • Ausbleiben der Regel
  • Störungen im Herz-Kreislauf-System
  • Durchfall
  • Haarausfall

Die meisten dieser Folgen bessern sich schrittweise, wenn es gelingt, ein regelmäßiges Essverhalten und eine Gewichtszunahme zu erreichen.

Bulimie

„Wird eine Mahlzeit nicht verdaut, kann sie auch nicht dick machen“ – ein Beispiel für Überlegungen, die dazu führen können, Erbrechen bewusst auszulösen.

Bulimie beginnt oft mit dem Wunsch, Gewicht zu halten oder abzunehmen. Da dem Körper durch die Ess-Brech-Sucht Nahrung entzogen wird, reagiert er mit wachsender Essgier. Essanfälle und Erbrechen können zu einem Abbau seelischer Spannungszustände führen, was die Bulimie-Symptome weiter aufrechterhält.

Ein Bulimiesymptom ist die anfallsartige Aufnahme immenser Nahrungsmengen. Herbeigeführtes Erbrechen soll eine Gewichtszunahme verhindern; auch Entwässerungs- bzw. Abführmittelkonsum, extremes Sporttreiben oder Fastenphasen gehören zu den Symptomen. Bulimie kann ernste Gesundheitsfolgen mit tödlichem Ausgang haben.

Folgen der Bulimie

Patientinnen mit Bulimia nervosa verfügen häufig über geringere Fähigkeiten zur Selbstkontrolle, was in einer erhöhten Impulsivität und emotionalen Instabilität zum Ausdruck kommt.

Sehr häufig leiden Betroffene auch unter weiteren psychischen Störungen wie z.B.:

  • Minderwertigkeitsgefühlen oder Depressionen
  • Schamgefühle, die dazu  führen, dass Betroffene ihre Krankheit vor ihrer Umwelt zu verbergen versuchen
  • Missbrauch von Alkohol, Drogen oder Nikotin
  • Sozialer Rückzug bis hin zu sozialer Isolation
  • Selbstschädigende bzw. selbstverletzende Verhaltensweisen
  • Körperschemastörungen und Probleme in der Akzeptanz der eigenen Weiblichkeit bzw. Sexualität
  • Neigung zum Perfektionismus und/oder extremem Leistungsstreben in Schule, Ausbildung oder Beruf
  • gelegentlich kann es auch zu einem exzessiven Kaufverhalten kommen

Um die zum Teil erheblichen Kosten für Nahrungsmittel (nicht selten aber auch für überzogenes Modeverhalten) finanzieren zu können, neigen einige Betroffene zu Ladendiebstählen, gelegentlich kann es auch zu einer Kaufsucht (pathologisches Kaufen) kommen.

Wie bei der Anorexia nervosa kann es auch bei der Bulimia nervosa zu schwerwiegenden medizinischen Komplikationen und körperlichen Folgeschäden kommen. Die häufigsten körperlichen Folgeprobleme bzw. medizinischen Komplikationen einer Bulimia nervosa sind:

  • Entzündungen der Speiseröhre
  • Kreislaufregulationsstörungen
  • Herzrhythmus-Störungen
  • Durchblutungsstörungen mit kalten Händen und Füßen
  • Elektrolytstörungen
  • Mineral- und Vitaminmangelzustände
  • Nierenfunktionsstörungen
  • Wassereinlagerungen im Gewebe
  • Magenfunktionsstörungen und Völlegefühl
  • Geschwüre im Magen oder Zwölffingerdarm
  • Verdauungsstörungen, Sodbrennen, Hormonstörungen
  • Nervenschädigungen

Ein großes Problem für bulimische Patient/innen stellen darüber hinaus bei langfristiger Erkrankung Zahnprobleme (Karies, Parodontose) dar.