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Therapiekonzept

Verhaltenstherapie und systemische Vorgehensweisen

Für die Entstehung von Alkohol- bzw. Medikamentenabhängigkeit wird ein bio-psychosoziales Modell in Anspruch genommen. Unser Therapiekonzept ist verhaltenstherapeutisch orientiert und integriert systemische Vorgehensweisen.

Biologische Grundlagen
Weder die genetischen noch die neurobiologischen Erkenntnisse zur Entstehung des Alkoholismus sind ausreichend für die Erklärung einer individuellen Alkoholabhängigkeit, tragen aber zu deren Verständnis bei.

Psychologische Grundlagen
Psychologische Partialtheorien tragen wesentlich zur Erklärung des beginnenden Suchtmittelgebrauchs, zur anschließenden Gewöhnung und Aufrechterhaltung von Konsum- bzw. Suchtverhalten und zur Erklärung des Rückfallgeschehens bei.

Lerntheoretische, sozial-kognitive und systemische Sichtweisen

Modellernen ist ein zentrales lerntheoretisches Prinzip zur Erklärung beginnenden Suchtmittelgebrauchs. Alkoholbezogene Einstellungen, Wirkungserwartungen und Konsummuster werden durch Modellernen vermittelt. Dabei scheinen Verhaltens- und Einstellungsmuster der Eltern wichtig für den Beginn des Alkoholkonsums zu sein, während die Peergruppe besonders in der Jugend das Konsummuster beeinflusst. Ein Grundprinzip verhaltenstheoretischer Ansätze ist die Annahme, dass Verhalten durch Verstärkung erworben wird. Unmittelbare soziale Verstärkung, z.B. in der Primärgruppe bzw. der Peergruppe, sowie sekundäre Verstärkung des Konsums von Suchtmitteln, beispielsweise durch die mit dem Trinken von Alkohol erreichte Zugehörigkeit zu einer sozial attraktiven Gruppe (Gleichaltrigengruppe, Erwachsenenwelt) tragen, ebenso wie positive und negative Verstärkerwirkung des Suchtmittels, selbst zur Suchtentwicklung bei. Dies betrifft den anfänglichen Suchtmittelgebrauch, die Entwicklung und Aufrechterhaltung von Suchtverhalten sowie Rückfälle nach Phasen der Abstinenz .

In der Sozial-Kognitiven Lerntheorie spielen die Konstrukte "soziale Kompetenz" und "Coping", d.h. Bewältigungsverhalten, eine zentrale Rolle. Mängel in der sozialen Kompetenz und Mängel in Bewältigungskompetenzen führen zu eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten, verringern die Kontrolle über eigene Handlungen und die Umwelt, engen den Zugang zu sozialen Verstärkerquellen ein und rufen Angst und sozialen Stress hervor. Diese Ausgangssituation begünstigt wiederum die Entwicklung und Aufrechterhaltung einer Alkoholproblematik. Durch Alkohol werden die bestehenden Mängel scheinbar ausgeglichen, unangenehme Gefühle verringert und positive Gefühle gesteigert, so dass der Alkoholkonsum zu einer immer stärker ausgeprägten Bewältigungsstrategie wird. Unter dem Einfluss von Toleranzentwicklung, körperlicher Abhängigkeit und Folgeproblemen des Suchtmittelmissbrauchs wird Alkoholkonsum schließlich selbst zum Kontrollproblem und andauernden Stressfaktor, dessen Auswirkungen auf Gefühle und Selbstwerterleben zu weiterem verstärkten Suchtmittelkonsum führen.

Die systemische Therapie begreift Verhalten im Kontext zwischenmenschlicher Beziehungen, lebensphasischer Rollen und Aufgaben sowie im Kontext von Tradition und Kreation. Ein suchtkranker Mensch ist so verstanden ein Delegierter eines zwischenmenschlichen Systems. Verhalten, auch problematisches Verhalten wie z.B. Suchtverhalten, wird seinem konstruktiven Sinn nach zu verstehen versucht. Wie trägt Suchtverhalten zum Gleichgewicht in einem System bei? Welches Risiko entsteht für ein gewachsenes, an Traditionen orientiertes System, wenn ein Verhalten neu gelernt bzw. verändert wird?

Schlussfolgerungen für die Behandlung
Unsere Behandlungsstrategie hat sowohl identifizierbare und für die weitere Entwicklung bedeutsame Entstehungsbedingungen des Suchtverhaltens zu berücksichtigen, als auch in die Zukunft gerichtete Fähigkeiten zu entwickeln und zu stärken. Deshalb legen wir den Schwerpunkt auch auf vorbeugend wirksame stabilisierende Fähigkeiten, die nicht nur bei Abhängigkeitserkrankungen, sondern auch bei anderen psychosomatischen und psychiatrischen Krankheitsbildern eine Art Schutzfunktion haben und sich in verhaltensmedizinischen Konzepten niederschlagen.

  • Soziale Kompetenzen im Sinne von Problemlöse-, Kommunikations- und Konfliktbewältigungsfähigkeiten werden als relativer Schutz gegen die Entwicklung einer Suchtproblematik und als stabilisierende Ressourcen für die Aufrechterhaltung eines abstinenten Lebensstiles angesehen.
  • Positives rationales Denken scheint gegenüber schädigenden Erfahrungen abzuschirmen und ermöglicht eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem sozialen Umfeld.
  • Die Fähigkeit, sich in realistischem Ausmaß eine Veränderungswirksamkeit zuzuschreiben und an positive Effekte des eigenen Verhaltens zu glauben, scheint die Bewältigung von schwierigen Problem- und Lebenslagen zu begünstigen.
  • In diesem Zusammenhang wirkt sich die Fähigkeit, sein Leben längerfristig zielbezogen zu gestalten und ihm eine sinnhafte Bedeutung zuzuschreiben, positiv auf die Lebensbewältigung aus.
  • Empathie und emotionale Intelligenz erleichtern die soziale Bindungsfähigkeit, begünstigen eine zufriedenstellende soziale Interaktion und wirken sich positiv auf die Entwicklung und Aufrechterhaltung eines sozialen Stützsystems aus.
  • Sowohl die Kontrolle belastender Gefühlsreaktionen und die Fähigkeit, sich emotional distanzieren zu können, als auch ein angemessenes, sozialakzeptiertes Ausleben von Emotionen scheinen gesundheitsfördernd zu sein.
  • Eine realistische Bewertung der Anforderungen des Lebens im Allgemeinen als auch der täglichen Anforderungen und Chancen in Beruf, Familie und sozialem Leben sowie der eigenen Fähigkeiten begünstigt eine zufriedenstellendere und gesündere Lebensweise.
  • Ein ausgeglichener Lebensstil, der Belastungen, Entspannung und Bedürfnisbefriedigung in ein balanciertes dynamisches Gleichgewicht bringt, scheint die Rückfallgefährdung zu reduzieren.
  • Eine gesunde Lebensführung im Sinne von gesunder Ernährung und regelmäßiger aerober Bewegung und gesunden genussvollen Ritualen scheint nicht nur das Immunsystem zu stabilisieren und chronischen Krankheiten vorzubeugen, sondern auch die Belastungsfähigkeit gegenüber psychischen Erkrankungen zu erhöhen.
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