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Sucht und ADHS

Abklärung und Behandlung der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) im Erwachsenen-Alter

Die ADHS ist eine beeinträchtigende psychische Erkrankung, die im Kindes- und Jugendalter beginnt und häufig im Erwachsenenalter bestehen bleibt. Die Kernbereiche bestehen aus Hyperaktivität, Impulsivität, Unaufmerksamkeit, Planungs- und Organisationsproblemen und affektiven Symptomen wie Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit.

ADHS-Behandlungskonzept seit 2016

2016 wurde in der MEDIAN Klinik Wilhelmsheim eine Untersuchung zur Häufigkeit des Vorliegens einer Erwachsenen-ADHS bei alkoholabhängigen Patienten durchgeführt. Bei jedem fünften der 415 untersuchten Patienten (20,5%) konnte eine ADHS diagnostiziert werden. Jedoch nur bei 6% dieser  Patienten war die Diagnose vor Aufnahme bekannt, sodass die Erwachsenen-ADHS sehr häufig vorliegt, jedoch häufig nicht erkannt wird. 

Aufgrund dieser Ergebnisse hat sich die Klinik seitdem auf die gleichzeitige diagnostische Abklärung und Behandlung der Erwachsenen-ADHS und der Suchterkrankung spezialisiert, wobei natürlich die Therapie der Abhängigkeitserkrankung in unserer Sucht-Rehaklinik im Vordergrund steht. Seit 2016 haben wir 60-100 ADHS-Patienten pro Jahr mit einem standardisierten Konzept aus Gruppentherapie, Einzeltherapie und Medikation behandelt.

Diagnostische Abklärung der Erwachsenen-ADHS

Es gilt zunächst die große Zahl an Betroffenen mit bisher nicht entdecktem Erwachsenen-ADHS verlässlich nach Aufnahme zu identifizieren. Deshalb haben wir aktuell folgenden diagnostischen Ablauf für alle Neuaufnahmen unabhängig von der Art der Abhängigkeitsdiagnose etabliert:

In den ersten zwei Wochen nach Aufnahme nehmen alle neu aufgenommenen Patienten an einem 30-minütigen Vortrag über das Erwachsenen-ADHS teil, in dem die ADHS-Symptomatik, die Zusammenhänge mit der Suchterkrankung und unsere ADHS-Diagnostik und Behandlung dargestellt wird. Falls die ADHS-Symptomatik zutrifft, können sich die Patienten nach dem Vortrag für eine Abklärung vormerken lassen. 
Zudem werden alle Patienten nach dem Vortrag einbestellt, um einen ADHS-Selbstbeurteilungsbogen (ASRS) auszufüllen. Patienten mit auffälligem ASRS werden in einem mehrstufigen Vorgehen abgeklärt: 

  1. weitere Selbstbeurteilungsbögen (WURS-K, ADHS-SB, CAARS-S-SB, KATE), 
  2. Fremdbeurteilungsbögen (Grundschulzeugnisse, Elternbeurteilungsbogen, ADHS-DC, CAARS-S-FB),
  3. Rückmeldung aus der Verhaltensbeobachtung durch den zuständigen Psychotherapeuten. 

Ergeben sich daraus weiterhin Verdachtsmomente auf eine ADHS, erfolgt ein standardisiertes, diagnostisches ADHS-Interview durch einen Psychotherapeuten und/oder den zuständigen Psychiater.

Falls bei Patienten bereits bei Aufnahme ein ADHS-Verdacht besteht oder sogar ein ADHS bereits diagnostiziert wurde, klären wir entweder die ADHS erneut ab oder integrieren die Patienten direkt in unser Behandlungsprogramm.

Medikamentös-psychotherapeutische Behandlung der Erwachsenen-ADHS

Falls die Diagnose einer Erwachsenen-ADHS gestellt wird, erfolgt zunächst ein Beratungsgespräch durch den behandelnden Psychiater, der über die Behandlungsoptionen im Allgemeinen und in der Klinik im Speziellen aufklärt. Dem ADHS-Betroffenen wird empfohlen - in Abhängigkeit von der Schwere der Beeinträchtigungen und des Leidensdrucks - an der ADHS-Gruppenpsychotherapie teilzunehmen und ein Medikament einzunehmen. 

Medikamentös werden hauptsächlich die zugelassenen Erwachsenen-ADHS Medikamente Atomoxetin (Strattera®), Methylphenidat (Medikinet adult®; Ritalin adult®), Lisdexamfetamin (Elvanse adult®) eingesetzt, bei Kontraindikationen oder zusätzlicher depressiver Störung selten auch Bupropion (Elontril®) als off-label Medikation. Die Indikation für das betäubungsmittelpflichtige Methylphenidat und Lisdexamfetamin wird dabei besonders kritisch gestellt. Die medikamentöse Einstellung erfolgt im Rahmen von wöchentlichen Einzelterminen bei dem behandelnden Psychiater. Durch die mittlerweile gute Vernetzung mit niedergelassenen Psychiatern mit ADHS-Expertise können wir den meisten ADHS-Betroffenen schon während der stationären Behandlung eine direkte ambulante, wohnortnahe Weiterbehandlung vermitteln.

In der ADHS-Indikativgruppe befinden sich ausschließlich Patienten mit einer ADHS. Sie findet 2 x wöchentlich (75 min) mit insgesamt 15 Terminen statt und ist ein wichtiger Bestandteil der ADHS-Behandlung. Sie beinhaltet den wichtigen Austausch untereinander, Krankheitsaufklärung (ADHS-Symptomatik, biographische Einordnung der Erkrankung und daraus resultierender Defizite, Zusammenhang mit dem Substanzkonsum und anderen psychischen Erkrankungen), Aufklärung über Behandlungsoptionen und natürlich Strategien zum verbesserten Selbstmanagement, wobei zentrale Elemente den erfolgreicheren Umgang mit beruflichen und  Beziehungsproblemen, Hyperaktivität, Impulsivität, Reizbarkeit, Affektlabilität und Desorganisation betreffen. 

Ziel der integrierten medikamentös-psychotherapeutischen ADHS-Behandlung ist nicht nur die Verbesserung der ADHS-Symptomatik, sondern auch der Suchterkrankung, da sich beide Erkrankungen gegenseitig verstärken und eine gleichzeitige Therapie auch zu einer verbesserten Abstinenzwahrscheinlichkeit führt.

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