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Herzinfarkt bei jungen Menschen: Reha-Experten suchen Lösungen

Internationaler Herztag am 29. September

Die medizinischen Erfolge sind beeindruckend: Von 1990 bis 2015 verringerten sich nach Zahlen des aktuellen Deutschen Herzberichts die herzbedingten Sterbefälle um gut 46 Prozent. Gründe dafür sind genauere Diagnoseverfahren, verbesserte Therapien, die Optimierung der Abläufe in Krankenhäusern, verbesserte Notarztsysteme sowie die gesunkene Zahl der Raucher. Entwarnung geben können Ärzte und Therapeuten aber nicht, denn bundesweit starben im gleichen Jahr 2015 immerhin noch insgesamt 128.230 Menschen an den Folgen einer Koronaren Herzerkrankung, die häufig zum Herzinfarkt führt. Dabei rückt gerade die Gruppe jüngerer Patienten immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Infarkt trotz guter Lebensführung gibt Ärzten Rätsel auf

„Wir wissen mittlerweile sehr viel über Herzerkrankungen, aber die Suche nach den Auslösern und verbesserten Therapien geht nach wie vor weiter“, erklärt dazu Dr. Christoph Altmann, Chefarzt der MEDIAN Klinik Bad Gottleuba. Er beobachtet seit Jahren Tendenzen und Entwicklungen in der medizinischen Rehabilitation nach dem akuten Herzinfarkt, um daraus für seine Patienten immer bessere Behandlungsmethoden abzuleiten. „Es gibt Phänomene, die wir dringend erklären müssen“, so Dr. Altmann. „Dazu gehört, dass wir in der kardiologischen Reha auch junge Herzpatienten deutlich unter 50 und Patienten mit gesunder Lebensführung und wenigen Risikofaktoren haben, die eigentlich nicht ins Schema passen. Wir bei MEDIAN wollen nicht nur das medizinisch-technisch Richtige für unsere Reha-Patienten tun, sondern auch verstehen, warum sie krank sind.“ Bei rund 60 Prozent der jungen Infarktpatienten, so Dr. Altmann, habe er keine Erklärung für deren Herzinfarkt.

Fettstoffwechselstörung als mögliche Ursache

Bei der Suche nach den Ursachen sind Dr. Altmann und seine Kollegen auf die Spur einer Fettstoffwechselstörung gekommen, die sie bei vielen jungen Patienten feststellen konnten. „Es handelt sich dabei um das so genannte Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Es wird in der Leber produziert und transportiert im Körper Cholesterin. Ist sein Wert im Blut erhöht, kann es zu vorzeitiger Arterienverkalkung und in der Folge zu Durchblutungsstörungen, Arterienschädigungen, Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen“, so der Chefarzt. Erhöhtes Lipoprotein(a) aber wird, obwohl es ein gefährlicher Risikofaktor ist, besonders bei jüngeren Patienten häufig übersehen. An der MEDIAN Klinik für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Bad Gottleuba, die schwerpunktmäßig jüngere Patienten betreut, hat Dr. Altmann darum ein Programm zur Entdeckung erhöhter Lp(a)-Werte und zur Beratung betroffener Patienten ins Leben gerufen. Jahr für Jahr werden hier über 100 neue Betroffene identifiziert, beraten und zum Teil direkt in die Stoffwechselabteilung des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden überstellt. „Wir machen bei der Erforschung auch in Zusammenarbeit mit anderen Kliniken und Wissenschaftlern gute Fortschritte“, so Dr. Altmann. „Wir wissen, dass erhöhte Lp(a)-Werte erblich sind. Aber es gibt außer einer aufwendigen Blutwäsche zurzeit noch keine medizinisch anerkannte Hilfe, also auch keine zugelassenen Medikamente gegen erhöhtes Lipoprotein(a).“

Neue Antikörper-Therapie könnte Krankheitsverlauf verbessern

Neben neuen Erkenntnissen zu den Ursachen von Herzinfarkten zeichnen sich aber auch neue Wege in der Therapie ab. „Wir wissen heute, dass man Antikörper gegen Entzündungen in der Herzgefäßwand nach einem Herzinfarkt einsetzen kann, die gerade bei jüngeren Patienten zu einer nachhaltigen Verbesserung des Krankheitsverlaufs führen können“, erklärt Dr. Altmann. Die Therapie ist zwar noch nicht auf dem Markt, erscheint aber für solche Sonderfälle vielversprechend. „Eine erste Prüfung der  Eignung für die Therapie mit diesem Antikörper und unter Umständen auch der Therapiebeginn könnten z.B. während einer kardiologischen Rehabilitation erfolgen, weil die Medikation erst 30 Tage nach dem Infarkt – also nach dem Krankenhausaufenthalt – erfolgen darf. Die „Antiinflammatorische Therapie“ ist auch eines der Themen des „Advisory Boards für kardiologische Reha-Experten“ am 27. September in Berlin. Dort treffen sich unter Leitung von Prof. Dr. med. Heinz Völler vom Stiftungslehrstuhl für Rehabilitationswissenschaften an der Universität Potsdam und Dr. Altmann Experten aus Reha-Kliniken, um über den Stand der Therapie nach einem Herzinfarkt und die möglichen Konsequenzen neuer und zukunftsweisender Behandlungsmethoden zu diskutieren. „Unser Ziel – und da spreche ich sicher im Sinne aller Kollegen – ist es, neue und außergewöhnliche Wege zu finden und zu gehen, damit wir die Patienten, die mit Herzerkrankungen zu uns kommen, in Zukunft in der medizinischen Rehabilitation noch besser behandeln und ihnen einen Weg zurück in ein gutes Leben möglich machen können.“

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