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Soziotherapie bei Abhängigkeitserkrankungen

Langjähriger chronischer Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch führt zu Schädigungen an fast allen Organsystemen und Organfunktionen. Als chronisch mehrfach beeinträchtigte Frauen und Männer bezeichnet man eine Gruppe von Suchtkranken, die eine langjährige Abhängigkeitserkrankung aufweisen, die zu einer Vielzahl von weiteren Folgeschäden geführt hat.

Diese körperlichen, seelischen und geistigen Beeinträchtigungen haben oft ein Ausmaß erreicht, durch das die betroffenen Menschen mittelfristig oder auch dauerhaft nicht in der Lage sind, allein zu leben und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Aufgrund der langen Abhängigkeitsdauer mit entsprechend häufigen Vorbehandlungen (Entgiftungen, Entwöhnungsbehandlungen, Krankenhausaufenthalten) sind die Betroffenen meist beruflich und sozial desintegriert und entwurzelt. Aus dem Arbeitsleben sind sie in der Regel längst ausgeschieden. Meist fehlt ihnen die Fähigkeit, selbstständig alltägliche Anforderungen wie Orientierung in ihrer Umwelt, Zeitstrukturierung, Selbstversorgung oder Hygiene zu bewältigen, und oft die Kraft, ihre Situation zu verändern.
Für die Art und das Ausmaß der körperlichen Schädigungen spielen Alter, Geschlecht, Trinkmenge, Lebens- und Ernährungsgewohnheiten sowie psychische und soziale Faktoren eine Rolle. In Anbetracht der starken Schädigungen sind entsprechend lange Behandlungsdauern notwendig. Erfolgreiche Behandlungsmaßnahmen bieten seit Jahrzehnten die abstinenzorientierten soziotherapeutischen Therapiezentren.

Unter Soziotherapie wird die Auseinandersetzung mit dem Alltäglichen und Normalen verstanden und umfasst alle Lebensbereiche der Teilhabe. Soziotherapie unterstützt Menschen, die aufgrund körperlicher, geistiger, psychischer und/oder sozialer Einschränkungen der Teilhabe vorübergehend oder dauerhaft nicht in der Lage sind, selbstständig und eigenverantwortlich zu leben.

Soziotherapie ist ein Betreuungsansatz, der neben dem Einsatz psychotherapeutischer und medizinischer Maßnahmen besonders die „Normalisierung“, die Teilhabe an der Gemeinschaft, das Alltägliche und die gesunden Anteile der Menschen fördert. Sie hilft Betroffenen, Krisen zu bewältigen, Rückfälle zu vermeiden und Teil der Gemeinschaft zu sein.

Soziotherapie ist die Auseinandersetzung mit dem Normalen, mit Bedürfnissen wie Essen, Trinken, Schlafen, Wohnen, Tätigsein sowie mit Grundregeln, Notwendigkeiten und Pflichten. Im alltäglichen Zusammenleben werden Fähigkeiten und Fertigkeiten trainiert, die den Bewohnern eine soziale Integration und größere Selbstständigkeit ermöglichen. Die Unterstützung der Menschen mit Beeinträchtigungen orientiert sich am notwendigen individuellen Bedarf. Soziotherapie schafft einen abstinenten und stabilisierenden Rahmen, in dem psychotherapeutische Methoden und andere Maßnahmen wie Gruppentherapie, Arbeits- und Beschäftigungstherapie, Freizeitgestaltung, Sport- und Bewegungstherapie zur Anwendung gelangen.

Die wichtigsten Behandlungsziele in der Soziotherapie Abhängiger sind:

  • Stabilisierung des Abstinenzwunsches und der Abstinenz
  • Förderung der Verantwortung für die eigene Gesundheit
  • Verbesserung der Alltagsfähigkeiten
  • Verbesserung der Gedächtnisleistungen, Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Entwicklung von planvollem Handeln und Durchhaltevermögen
  • Entdecken persönlicher Interessen und Vorlieben
  • Erlangen von mehr Genuss und Lebensfreude
  • Stärkung von Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeitsüberzeugung
  • Entwicklung von Sicherheit und Kompetenz im Kontakt mit anderen
  • Förderung von Verantwortungsübernahme und Eigeninitiative
  • Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sowie beruflicher und sozialer Wiedereingliederungschancen

Die Behandlungsdauer ist nicht begrenzt, sondern abhängig von den individuellen Gegebenheiten und der Entwicklung des Patienten.