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Rehabilitation bei Zwangsstörungen in den Einrichtungen von MEDIAN

Unter einer Zwangsstörung versteht man ein Verhaltensmuster, bei dem die Betroffenen bestimmte Handlungen unablässig wiederholen müssen, sich dabei jedoch immer wieder dagegen zu wehren versuchen, es noch einmal zu tun, aber letztlich dem Zwang zur Wiederholung erliegen.

Eine Zwangsstörung kann sich in Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen äußern. Sich aufdrängende Gedanken (z.B. „Habe ich den Herd ausgeschaltet?“) sind jedoch genauso eine Normvariante menschlicher Gewohnheiten wie zwanghafte Verhaltensweisen (z.B. die Schreibtischunterlage immer parallel zur Schreibtischkante auszurichten).

Zwangsgedanken zeigen sich in zwanghaften Zweifeln und Befürchtungen (z.B. beim Autofahren: "Habe ich in der letzten Kurve jemanden angefahren?"), zwanghaften Vorstellungen und Bildern (z.B. sich ständig aufdrängende innere Bilder von Verstorbenen) sowie in Zwangsimpulsen (z.B. beim Anblick eines Messers sich in der Gefahr wähnen, jemanden erstechen zu müssen).

Zwangshandlungen treten meist in Form von Kontroll- und Reinigungszwängen auf. Kontrollzwänge dienen dazu, mögliche Katastrophen zu vermeiden, in dem man zum Beispiel exzessiv prüft, ob die Elektro- und Gasleitungen abgestellt sind. Reinigungszwänge (z.B. exzessives Putzen, Duschen, Händewaschen) sind häufig mit Ängsten sich zu vergiften oder sich nachhaltig zu verunreinigen (Kontaminationsängsten) verbunden. Das heißt, die Betroffenen sind permanent bemüht, durch Reinigungshandlungen mögliche Infektionen zu verhindern. Kontaminationsängste können aber auch zu zwanghaften passiven Vermeidungsstrategien führen, wie zum Beispiel keine Türklinken anzufassen oder bestimmte "verseuchte" Ecken der eigenen Wohnung nicht mehr zu betreten.

Wann spricht man von einer Zwangsstörung?

Krankheitswert bekommen Zwänge erst dann, wenn sie erhebliche Folgeprobleme bei den Betroffenen verursachen, z.B. berufliche und soziale Aktivitäten massiv einschränken. Trotz der Bewertung der Symptome als übertrieben und unangemessen sehen sich die Betroffenen nicht in der Lage, diesen Zwängen zu widerstehen. Zustände innerer Anspannung, die mit Ängsten, Ekel oder anderen intensiven und aversiven Gefühlen verbunden sind, können nur durch das Ausüben sich ständig wiederholender Handlungen (Zwangsrituale) abgestellt werden.

Symptome einer Zwangsstörung

Patienten, die an einer Zwangsstörung leiden, haben oft das Gefühl, die eigene Kontrolle über ihr Leben verloren zu haben, ihnen ist ihr eigenes Erleben fremd geworden, sie vertrauen ihren eigenen Erinnerungen nicht mehr, sind sich ihren eigenen Bedürfnissen und Wünschen nicht mehr sicher, leiden oftmals unter einem sogenannten „Unvollständigkeitsgefühl“, d.h. sie erleben bei ihren Zwangshandlungen das Gefühl, „nicht ganz da bzw. abwesend“ zu sein. All das deutet auf eine Zwangsstörung hin.

Patienten, die unter Zwangsstörungen leiden, fallen in der Regel erst dann klinisch auf, wenn die Symptome das Leben so stark einengen, dass private und berufliche Pflichten kaum mehr erfüllt werden. Die meisten Betroffenen haben bis zu diesem Zeitpunkt schon einen jahrelangen Leidensweg hinter sich. Die stattgefundene Chronifizierung zum Zeitpunkt der erstmaligen Diagnosestellung hat dann schon infolge einer Vielzahl fehlgeschlagener Bewältigungsversuche zu depressiv-hilflosem Erleben und Verhalten geführt. Dementsprechend haben viele Patienten mit einer Zwangsstörung depressive Symptome und Probleme im Umgang mit anderen. Auch die Bezugspersonen der Betroffenen haben häufig bereits eine fatalistisch-resignative Grundhaltung eingenommen, die den Erkrankten zunehmend weniger korrigierende Erfahrungen ermöglicht. Das ist einer der Gründe, weshalb eine Therapie der Zwangsstörung so wichtig ist.

Weitere Formen der Zwangsstörung

Wiederhol- und Zählzwänge:
Bei dieser Form der Zwangsstörung müssen die Betroffenen beliebige Alltagshandlungen wie z.B. das Ankleiden so oft wiederholen, bis sie eine bestimmte Zahl erreicht haben. Tun sie das nicht, verspüren sie eine starke innere Unruhe oder sie werden von Befürchtungen geplagt, dass Angehörigen ein Unglück widerfahre, wenn sie nicht zählen. Werden sie beim Zählen unterbrochen oder schweift ihre Aufmerksamkeit ab, fangen sie meist von vorn an.
 
Zwanghaftes Sammeln:

Betroffene mit einem Sammelzwang schaffen Gegenstände an, die anderen Menschen wert- oder bedeutungslos erscheinen würden (z.B. Zeitungen, Joghurtbecher), und horten sie anschließend. Als Motiv führen sie meist „vernünftige“ Gründe an, wie „diese Zeitschrift könnte ich noch einmal brauchen“ oder „man sollte sparsam sein“, in Wahrheit jedoch haben sie, durch die Zwangsstörung verursacht, zu den Gegenständen eine persönliche Beziehung entwickelt. Das Wegwerfen erleben sie so, als würde ein Teil von ihnen selbst vernichtet werden. Das zwanghafte Sammeln oder Horten nimmt nicht selten extreme Ausmaße an, in ihren Wohnungen stapeln sich dann z.B. die Zeitungen meterhoch, sodass der Raum praktisch unbewohnbar wird.
 
Ordnungszwänge:
Jede Art von Unordnung im eigenen Bereich macht Menschen mit Ordnungszwängen extrem unruhig und nervös. Sie entwickeln oft ausgeklügelte und starre Ordnungssysteme, z.B. müssen infolge dieser Zwangsstörung Bücher im Regal entweder nach Größe, Farbe, Autor oder Jahrgang bzw. nach einer Kombination dieser Kriterien angeordnet werden. Die Wäsche im Kleiderschrank muss exakt gefaltet sein und „auf Stoß“ genau liegen. Der Gedanke daran, dass Besuch kommt oder dass sie verreisen sollen, bringt Patienten schnell in Panik, da sie befürchten, dass sie nicht nur die äußere, sondern auch die innere Ordnung verlieren könnten.
 
Zwanghafte Langsamkeit:
Sämtliche Formen der Zwangsstörung führen dazu, dass die Betroffenen oft sehr viel Zeit damit verbringen, ihre Zwänge auszuüben. Bei einer eher seltenen Form der Zwangserkrankung scheint die Langsamkeit selbst das Symptom zu sein. Von dieser Erkrankung Betroffene benötigen z.B. mehrere Stunden zum Zähneputzen, da sie jeden Millimeter der Zahnoberfläche mit exakten Kreiselbewegungen der Zahnbürste reinigen wollen, oder beim Kämmen achten sie darauf, dass jedes einzelne Haar gekämmt wird.
 
Zwanghaftes Rückversichern:
In für den äußeren Betrachter scheinbar banalen Situationen veranlassen die Betroffenen dieser Zwangsstörung Personen in ihrer Umgebung, ihnen zu versichern, dass bestimmte Vorgänge oder Situationen in Ordnung sind. Sie benutzen die „objektive“ Einschätzung eines anderen, ihre eigene Unsicherheit zu reduzieren. Ein über längere Zeit zunächst unauffälliger Rückversicherungszwang kann darin bestehen, nach dem Einkauf das Kassenpersonal zu bitten, den zurückgezahlten Geldbetrag hinsichtlich der Richtigkeit noch einmal zu überprüfen. Ein solches zwanghaftes Verhalten wird so lange nicht auffällig, wie ein Betroffener verschiedene Geschäfte aufsuchen kann oder auf unterschiedliches Personal trifft. Um solche Risiken zu reduzieren, kaufen die Betroffenen nur noch selten und dann größere Mengen ein oder lassen sich von Personen begleiten, die diese Verhaltensmuster noch nicht kennen.

Diagnosestellung einer Zwangsstörung

Für die Diagnose Zwangsstörung müssen mindestens zwei Wochen lang an den meisten Tagen Zwangsgedanken oder -handlungen oder beides nachweisbar sein:

Die Zwangsgedanken werden als die eigenen Gedanken erkannt und nicht als von außen aufgezwungen (wie es beispielsweise bei einer Schizophrenie der Fall sein kann) erlebt.

Die Betroffenen einer Zwangsstörung versuchen, sich gegen die Zwangssymptome zu wehren, haben dabei aber keinen – oder nur einen sehr begrenzten – Erfolg.

Die Zwangsgedanken und -handlungen wiederholen sich auf die gleiche Weise („stereotyp“) in einer für den Betroffenen unangenehmen Weise und werden darüber hinaus als sinnlos oder zumindest übertrieben empfunden.

Die Betroffenen leiden unter ihren Zwangsgedanken und -handlungen. Der damit verbundene hohe Zeitaufwand behindert sie in ihren sozialen Kontakten und ihrer allgemeinen Leistungsfähigkeit.

Spezielle Diagnosekriterien für Zwangsgedanken

Bei Zwangsgedanken handelt es sich um als störend, lästig, ungewollt und sinnlos erlebte Ideen, Gedanken, Vorstellungen oder Impulse, die wiederholt und länger andauernd auftreten.

Die Betroffenen versuchen, diesen Zwangsgedanken Widerstand zu leisten, sie zu ignorieren, zu unterdrücken oder sie mithilfe anderer Gedanken oder Handlungen auszuschalten.

Falls der Zwangserkrankte unter einer weiteren psychischen Störung leidet, so darf diese nicht in Beziehung zu den Zwangsgedanken stehen. So sind beispielsweise zwanghafte Gedanken übers Essen bei einer Essstörung keine Zwangsgedanken.

Spezielle Diagnosekriterien für Zwangshandlungen

Zwangshandlungen sind wiederholte, zweckgerichtete und beabsichtigte Verhaltensweisen, die nach bestimmten Regeln und meist in der gleichen Abfolge („stereotyp“) ausgeführt werden.

Das Verhalten ist nicht sinnvoll. Es dient vielmehr dazu, Ängste und Spannungen abzuschwächen und befürchtete Katastrophen zu vermeiden, die dem Betroffenen selbst oder einer ihm nahestehenden Person zustoßen könnten. Dabei steht die Handlung in keiner logischen Beziehung zu dem, was sie bewirken oder verhindern soll oder ist eindeutig übertrieben.


Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V.: www.zwaenge.de