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Rehabilitation bei Persönlichkeitsstörungen

Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

Menschen sind unterschiedlich – ihre von vielen Faktoren geprägten Persönlichkeiten machen das Leben bunt und interessant. Problematisch wird es, wenn deutlich abweichende Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster zu einer Persönlichkeitsstörung führen, die erhebliche psychische, psychosomatische und soziale Folgen hat.  Menschen mit beispielsweise paranoiden, schizoiden, zwanghaften, narzisstischen oder Borderline-Persönlichkeitsstörungen müssen behandelt werden. In den psychosomatischen MEDIAN Klinken können erfahrene Experten mit einer wissenschaftlich fundierten Therapien bei Persönlichkeitsstörungen Therapie gezielte und wirkungsvolle Hilfe leisten.

Persönlichkeitsstörung Definition

Persönlichkeitsstile wie z.B. gewissenhaft, sensibel oder selbstbewusst beschreiben ein charakteristisches Muster, der Art und Weise, in der man denkt, fühlt und handelt. Der eigene Persönlichkeitsstil prägt die Beziehung zum Partner, zu den Kindern oder zum Chef und zu sich selbst, er trägt dazu bei, welche Arbeit uns liegt, wie wir mit Konflikten umgehen und vieles mehr. Persönlichkeitsstörung Symptome liegen dann vor, wenn ein Mensch bestimmte Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster in extremer Form aufweist, die merklich von den Erwartungen der persönlichen und sozialen Umgebung abweichen. Weiterhin müssen diese extremen Persönlichkeitszüge seit der Kindheit und Jugendzeit vorliegen, das daraus resultierende Verhalten in vielen persönlichen und sozialen Situationen unflexibel und wenig angepasst sein und in klinisch bedeutsamer Weise zu Leiden oder Beeinträchtigung in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Bereichen geführt haben.

Wie wird eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert?

Die Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen erfolgt in zwei Schritten: Zur Diagnosestellung müssen zunächst diese allgemeinen Kriterien für das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung überhaupt erfüllt sein. Erst dann können die individuellen Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster anhand spezieller Kriterien einem spezifischen Persönlichkeitstyp zugeordnet werden.

Die psychischen, psychosomatischen und sozialen Krankheitsfolgen bei Patienten mit Persönlichkeitsstörungen sind vielfältig und Betroffene berichten oft über die unterschiedlichsten Beschwerden und Probleme. So ist z.B. die zwanghafte Persönlichkeitsstörung durch ein Muster von ständiger Beschäftigung mit Ordnung, Perfektionismus und Kontrolle gekennzeichnet und Menschen mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung sind wegen ihrer perfektionistischen Neigung und der ständigen Besorgtheit, ob die eigenen Leistungen gut genug sind und ob man das Richtige tut, gefährdet  weitere  psychische und psychosomatische Erkrankungen zu bekommen.

Persönlichkeitsstörungen können sich auch entscheidend auf die Qualität von persönlichen Beziehungen zu anderen Menschen auswirken und damit Freundschaften und Partnerschaften sowie das Familienleben ungünstig beeinflussen. Ein weiterer Bereich betrifft die beruflichen Bezüge und die Einstellungen zur beruflichen Arbeit, also die Art, wie jemand Aufgaben ausführt, Entscheidungen trifft, wie er oder sie auf Kritik reagiert, Regeln befolgt oder mit anderen zusammenarbeitet. Eine Person mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung z.B. widmet dem Beruf und der Produktivität so viel Zeit, dass Freizeit und Freundschaften oft keinen Platz mehr in ihrem Leben haben. Vor allem der Umgang mit Anderen ist aufgrund einer Persönlichkeitsstörung oft soweit eingeschränkt, dass funktionsfähige Arbeitsbeziehungen nicht aufrechterhalten werden können und eine konstruktive Teilhabe am Arbeitsleben gefährdet oder verunmöglicht wird.

Entwicklung und Aufrechterhaltung von Persönlichkeitsstörungen

Aus kognitiv-verhaltenstherapeutischer Sicht wird davon ausgegangen, dass sich Persönlichkeitsstörungen aus einem komplexen Zusammenspiel von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren entwickeln und dass die frühen fehlangepassten Schemata des Patienten eine zentrale Rolle bei Persönlichkeitsstörungen spielen.

Welche Rolle spielen Schemata bei einer Persönlichkeitsstörung?

Schemata sind äußerst stabile und durchgängige Eigenheiten des Denkens und Fühlens eines Menschen, die sich in der Kindheit und Jugendzeit entwickeln und über ein Leben lang erweitert werden. Sie beinhalten wichtige Überzeugungen und Gefühle hinsichtlich der eigenen Person und des Umfeldes. Frühe fehlangepasste Schemata haben ihren Ursprung in chronisch ungünstigen und oft traumatischen Entwicklungsbedingungen wie z.B. chronischer Vernachlässigung, unzureichender Förderung der Entwicklung des Kindes, körperlichen Gewalterfahrungen, sexuellem und emotionalem Missbrauch oder dem Verlust wichtiger Bezugspersonen. Das Schema Abhängigkeit/Unfähigkeit (charakteristisch für die abhängige Persönlichkeitsstörung) bezieht sich z.B. auf die Überzeugung, nicht fähig zu sein, mit alltäglichen Verantwortlichkeiten kompetent und unabhängig umzugehen. Wenn es z.B. darum geht, Entscheidungen zu treffen oder neue Aufgaben anzupacken, verlassen sich Menschen mit diesem Schema übermäßig auf die Hilfe anderer. Im Allgemeinen entbehrten diese Menschen als Kinder ein förderliches Umfeld für die Entwicklung und wurden nicht ermutigt, unabhängig zu handeln sowie Vertrauen in ihre Fähigkeit, sich um sich selbst zu kümmern, zu entwickeln. Dies kann sich im weiteren Verlauf des Lebens zu einer Persönlichkeitsstörung entwickeln.

Frühe fehlangepasste Schemata beinhalten Überzeugungen, die zu dem Zeitpunkt ihrer Entstehung möglicherweise richtig waren. Die fehlangepasste  Natur der Schemata wird gewöhnlich im späteren Leben in der Interaktion mit anderen Menschen sichtbar, wenn das Muster des Denkens und Fühlens weiterhin den Umgang des Betreffenden mit anderen Menschen prägt, selbst wenn seine Wahrnehmungen und Interpretationen nicht mehr zutreffen und sich als gedankliche Verzerrungen und Fehlwahrnehmungen herausstellen. Daran kann man erkennen, wie sich Persönlichkeitsstörungen bilden. So kann jemand, der in seiner Kindheit missbraucht oder von Eltern, Geschwistern oder Gleichaltrigen ständig ungerecht behandelt wurde, ein Schema des Misstrauens/Missbrauchs entwickeln (charakteristisch für die paranoide oder die Borderline Persönlichkeitsstörung) und befürchtet dann auch als Erwachsener durchgehend, von anderen Menschen verletzt, betrogen, missbraucht oder fallengelassen zu werden.

Frühe fehlangepasste Schemata sind oft lebenslange Muster des Denkens und Fühlens, die die individuelle Sichtweise und Interpretation der Außenwelt und das Verhalten beeinflussen und die der einzelne Mensch blind in seiner Wahrheit akzeptiert. Je traumatisierender, rigider oder eingeschränkter die Lernerfahrungen waren, desto starrer und unflexibler wird der einzelne Mensch an ihnen festhalten. Typisch für diese Denkeinstellungen von Menschen mit Persönlichkeitsstörungen ist, dass sie jeder Veränderung gegenüber sehr widerstandsfähig sind.

Zur Bewältigung schmerzhafter Erlebnisse und Gefühle entwickeln von einer Persönlichkeitsstörung Betroffene unterschiedliche Verhaltensweisen. Dieses durch frühe fehlangepasste Schemata geprägte zwischenmenschliche Verhalten stellt eine Art Schutz- und Überlebensfunktion dar (z.B. Rückzug aus sozialen Beziehungen bei der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung oder hilfesuchendes und klammerndes Verhalten bei der abhängigen Persönlichkeitsstörung) und soll sich wiederholende schmerzhafte seelische Verletzungen sowie Enttäuschungs- und Überforderungserlebnisse verhindern. Diese als Selbstschutz entstandenen Verhaltensweisen sind stereotyp, unflexibel und nicht angepasst an die Bedürfnisse der Bezugspersonen. Dies führt im zwischenmenschlichen Bereich nicht selten zu erheblichen Irritationen und löst Ablehnung, Kritik und Feindseligkeit aus, welche die Betroffenen an frühe Beziehungserfahrungen erinnern und deren fehlangepasstes Verhalten noch weiter verstärken. Auf diese Weise führen die interpersonellen Bewältigungsversuche in einem Teufelskreislauf zu einer Bestätigung der fehlangepassten Schemata, zur Aufrechterhaltung des Verhaltens und sie verhindern, dass neue Erfahrungen gemacht werden.

Das Verhalten der Betroffenen wird damit einerseits als eine aus der individuellen Lerngeschichte nachvollziehbare und subjektiv sinnvolle, im weiteren Lebenslauf aber untaugliche Anpassungs- und Überlebensstrategie zum Schutz vor zwischenmenschlichen Verletzungen aufgefasst, dann als spezifische Form einer Persönlichkeitsstörung.

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