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Pathologisches Glücksspielen (Glücksspielsucht)

Glücksspiele üben auf Menschen seit jeher eine besondere Anziehung aus. Beim Spielen den Zufall und das Glück herauszufordern erzeugt eine besondere Spannung und einen besonderen Kick, der die Welt außerhalb des Spielgeschehens vergessen lässt. Die Möglichkeit, im Spiel den Alltag, Sorgen, Probleme und Nöte vergessen können, wird von vielen Menschen gesucht. Außerdem lockt die Aussicht, schnell und einfach über viel Geld zu verfügen und beflügelt die Träume auf ein besseres und problemfreies Leben.

Auch die Atmosphäre, die an vielen Spielorten herrscht, hat eine besondere Anziehungskraft. Es wird signalisiert: Hier findet etwas Anderes, etwas Besonderes statt, hier bist du wer. Der Alltag und deine persönlichen Schwierigkeiten sind hier nicht wichtig.

Doch die Realität des Glücksspielens wird häufig schnell eine andere. Hoffnungen und Wünsche erfüllen sich nicht. Es entsteht ein Druck, verlorenes Geld wieder hereinholen zu wollen. Das Leben beginnt sich immer mehr um das Spielen und die Geldbeschaffung dafür zu drehen.

Wenn aus Spaß bitterer Ernst wird

Harmloser Einstieg

Geringe Geldeinsätze lassen die Freude über unerwartete Gewinne umso größer erscheinen. Die Spieldauer und -einsätze nehmen zu, um vergleichbare Glücksgefühle zu erhalten. Verluste häufen sich an. Eine rasante Aufholjagd soll das wachsende Minus ausgleichen. Niederlagen werden äußeren Umständen zugeschrieben, Gewinne den eigenen Fähigkeiten. Die Hoffnung auf den großen Gewinn wird durch abergläubische Überzeugungen und Handlungen aufrechterhalten.

Wachsende Alltagsprobleme

Konflikte mit nahen Angehörigen, Freunden und Arbeitskollegen nehmen zu, Schuldenlast und Geldbeschaffung erhöhen den Stress. Das Glücksspielen gleicht einer verzweifelten Flucht hinein in die Scheinwelt der unbesiegbaren „Glücksritter“, um zumindest kurzfristig „abschalten“ zu können oder die Rolle des „großen Gewinners“ einzunehmen. Das unwiderstehliche Spielverlangen, Illusionen über die Kontrollierbarkeit des Spiels, Selbstisolation und die Einschränkung alternativer Erlebnismöglichkeiten bilden einen Teufelskreis der Selbstzerstörung. Der Betroffene verliert alle Hoffnung, sein Leben noch meistern zu können.

Vorhandene Probleme und Konflikte werden nicht gelöst, sondern türmen sich immer weiter auf und werden durch die Geldverluste beim Spielen noch verschlimmert. Ausreden werden erfunden, um das Spielen zu verheimlichen und um unangenehme Tatsachen zu verbergen. Es kann auch zu Betrug und anderen unredlichen Handlungen zur Geldbeschaffung kommen. Das Vertrauen anderer Menschen geht zunehmend verloren, Einsamkeit und Verzweiflung breiten sich aus.

Symptome erkennen und aktiv werden

Wenn bestimmte Gesichtspunkte beim Glücksspielen übermäßig in den Vordergrund treten, wird  das Spielen pathologisch oder krankhaft. Das sind:

  • Der Wunsch nach Verlassen der Realität und Vergessen von Problemen.
  • Das Gefühl von Macht und Kontrolle beim Spielen oder durch das Spielen.
  • Falsche Einschätzungen von Wahrscheinlichkeiten und Gewinnchancen.
  • Die Illusion, das Spielgeschehen kontrollieren und beherrschen zu können.
  • Trost im Glücksspielen suchen bei  Selbstwertproblemen, Depressivität und Ängsten.
  • Auftreten von Verlangen und entzugsähnlichen Erscheinungen, wenn nicht gespielt werden kann.

Andere erkennen Glücksspieler daran, dass diese nie Zeit und nie Geld haben. Für Abwesenheit und Finanznot halten sie stets gute Ausreden parat. Hinter dieser Fassade verbirgt sich eine Abwärtsspirale in eine ausweglose Situation – verbunden mit viel Leid für die Betroffenen und natürlich deren Angehörige. Die Folgen dieser Erkrankung sind gravierend:

  • Schuld- und Schamgefühle
  • Psychosomatische Störungen, Depressionen und Selbstmordversuche
  • Alkohol- und Drogenmissbrauch
  • Familiäre Konflikte, Trennung und Scheidung
  • Berufliche Probleme und Arbeitsplatzverlust
  • Verschuldung und Wohnungsverlust
  • Unredliche Geldbeschaffung

Der Krankheit wirksam begegnen

Das Pathologische Glücksspielen ist ein Störungsbild, dass sich bei fast allen Formen des Glücksspielens entwickeln kann: Geldspielautomaten-, Kasino-, Karten- und Würfelspiele, Sportwetten, alle Formen von Online-Glücksspielen und andere. Es ist seit 2001 als eigenständige Erkrankung anerkannt. Betroffen sind Menschen beiderlei Geschlechts, aller Altersgruppen und Bevölkerungsschichten. Am häufigsten betroffen sind junge Männer und Menschen mit Migrationshintergrund.

Bei wachsenden Alltagsproblemen steigert das Glücksspielen das Selbstwertgefühl und dient der Gefühlsregulation: Hier werden positive Empfindungen erlebt, negative können ersatzweise ausgelebt oder vermieden werden. Oft glauben Glücksspieler, das Spiel beeinflussen zu können. All dem lässt sich mit einer fachspezifischen Therapie der Glücksspielsucht begegnen.

In acht MEDIAN Fachkliniken besteht ein anerkanntes, störungsspezifisches Behandlungsangebot für alle Formen des krankhaften Glücksspielens. Wissenschaftlich fundiert entspricht es den hohen Anforderungen von Rentenversicherungsträgern und Krankenkassen. Sie übernehmen neben der Möglichkeit zur ambulanten Betreuung die Kosten einer stationären Behandlung. Die Dauer der Behandlung beträgt in der Regel fünf- bis acht Wochen, kann jedoch je nach Schwere von Begleiterkrankungen, insbesondere bei stoffgebundenen Suchterkrankungen, auch 15 -24 Wochen dauern.

Die übergeordneten Ziele der Behandlung sind:

  • Erlangen einer dauerhaften Glücksspielfreiheit
  • Verstehen, was die Auslöser für das exzessive Glücksspielen sind
  • Entdecken, welche Alternativen das Leben bietet
  • Lernen, konstruktiv mit unangenehmen Gefühlszuständen und Konflikten in Beziehungen umzugehen
  • Verbesserung des Umgangs mit Geld und Einleitung der Entschuldung
  • Hilfe bei allen alltäglichen, rechtlichen und beruflichen Problemen

Effektive Therapie – differenzierte Angebote

Die MEDIAN Kliniken bieten umfassende und differenzierte Hilfe in Form von:

  • Einem Team aus (Fach-)Ärzten, ärztlichen und  psychologischen Psychotherapeuten, Sport-, Ergo- und  Soziotherapeuten
  • Unterbringungsmöglichkeiten in einer therapeutischen  Wohngruppe
  • Gemeinsamer Tagesablauf mit Sport, Bewegung und  kreativer Beschäftigung
  • Einzel- und Gruppentherapie
  • Störungsspezifische Gruppentherapie mit gleich betroffenen Patienten

Die Kliniken verfügen außerdem über jeweils spezielle geschlechts-, alters-, und krankheitsbezogene Gruppenangebote. In einigen Kliniken bestehen ambulante und tagesklinische Angebote, Möglichkeiten zur Behandlung von Eltern mit Kindern bis 12 Jahren und zur nahtlosen Adaptionsbehandlung.

Voraussetzungen für die stationäre Aufnahme:

Es sollte vor der Aufnahme ein kurzer Arztbericht mit Diagnose und Behandlungsempfehlung sowie ggf. ein Sozialbericht einer Suchtberatungsstelle und die schriftliche Kostenzusage des zuständigen Kostenträgers vorliegen.

Testen Sie Ihr Glücksspielverhalten!

Glücksspielen kann zu einem ernsthaften Problem werden. Durch die Beantwortung der folgenden Fragen lässt sich abschätzen, ob Ihr Umgang mit Glücksspielen problematisch ist.

1. Ich kann mit dem Glücksspielen erst aufhören, wenn ich kein Geld mehr habe!

               Ο    Richtig                                        Ο    Falsch

2. Beim Glücksspielen zu verlieren ist für mich eine persönliche Niederlage, die ich 

    wettmachen möchte!

               Ο    Richtig                                        Ο    Falsch

3. Ich denke oft an das Glücksspielen und verspüre dann einen inneren Drang dazu!

               Ο    Richtig                                        Ο    Falsch

4. Zur Geldbeschaffung für das Glücksspielen habe ich schon andere Menschen

    belogen und betrogen!

               Ο    Richtig                                        Ο    Falsch

                                                                                                                                                    © Jörg Petry, 1996

 

Haben Sie zwei oder mehr der vier Aussagen mit Ja beantwortet, kann ein krankhaftes Glücksspielen nicht ausgeschlossen werden. Es ist sinnvoll, dann ein Gespräch mit einem Arzt oder in einer Beratungsstelle zu suchen, und zu klären, ob professionelle Hilfe notwendig ist.