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Rehabilitation bei Somatoformen Störungen

Mit Somatoformen oder funktionelle körperliche Störungen werden körperliche Beschwerden bezeichnet, die nicht auf eine organische Krankheit zurückgehen und von denen man annimmt, dass sie seelisch verursacht sind, beispielsweise durch hohe seelische Anspannung, Stresserleben oder zwischenmenschliche Konflikte.

Häufig werden die Beschwerden Organen zugeordnet, die weitgehend oder vollständig vom sogenannten vegetativen Nervensystem kontrolliert werden, z.B. Herz-Kreislauf-System, Magen-Darm-Trakt oder Atemwegstrakt.

Bei von somatoformen Störungen Betroffenen besteht häufig Unklarheit über die Herkunft der Beschwerden oder es bestehen Befürchtungen, dass eine verdeckte, möglicherweise gefährliche körperliche Erkrankung dahinterstecken könnte. Manche Betroffene wissen aber bereits aus einer oder mehreren Untersuchungen, dass ihrem Leiden keine organische Krankheit zugrunde liegt bzw. dass körperliche Erkrankungen die Stärke und das Ausmaß ihrer Beschwerden nicht erklären können. Sie denken deshalb von sich aus schon an die Möglichkeit einer seelischen Verursachung ihres Beschwerdebildes. Dies kann in den psychosomatischen Kliniken bei MEDIAN genau diagnostiziert und wirkungsvoll behandelt werden.

Wie kommt es zu Somatoformen Störungen?

Auch der gesunde Körper eines Menschen reagiert auf intensive Gefühle oder Gefühlsveränderungen:

  • Freude zum Beispiel lässt das Herz schneller schlagen, der Körper fühlt sich entspannter, leichter und vielleicht sogar beschwingt an, die Atmung kann freier und tiefer sein. Das körperliche Reaktionsmuster bei Freude ist bei jedem Menschen individuell, wird meist aber als angenehm erlebt.
  • Gefühle wie Enttäuschung, Trauer, Ärger, Angst, Ekel, Scham, .... gehen auch mit individuell besonderen Körperreaktionen einher, die von der Intensität sehr störend, leidvoll oder ängstigend erlebt werden können.

Wenn Gefühle plötzlich sehr stark sind und bewusst erlebt werden, sind die dazugehörigen Körperreaktionen verständlich, eventuell aber nicht gut regulierbar und stark in der Lebensqualität einschränkend. Es ist auch möglich, dass Gefühle sich über einen längeren Zeitraum „anstauen“, jedoch im einzelnen Moment nicht so stark sind, dass sie bewusst erlebt werden. Dies passiert vielleicht, weil unsere Aufmerksamkeit durch Aktivitäten („Weiterfunktionieren“) voll in Beschlag genommen wurde. Dabei reagiert der Körper mit zunehmender Anspannung, man wird immer „reizbarer“. Manchmal fängt der Körper dann in einer Situation an „leidvoll symptomatisch“ zu reagieren, die nicht als intensiv erlebt wurde, aber den „Eimer zum Überlaufen“ gebracht hat. Dazu reicht bisweilen auch ein „kleiner Tropfen“.

Welche Gefühle in einer Situation auftreten, hängt immer auch von den persönlichen Gedanken, von ausgelösten Erinnerungen oder Ansprüchen, Bewertungen und Einstellungen ab, die durch Lebenserfahrungen geprägt und erworben wurden. Und ab wann Körpersymptome leidvoll einschränkend erlebt werden, dann Symptome genannt werden, ist auch hoch individuell von der Lebenssituation abhängig.


Das folgende „Funktionsmodel eines Menschen“ verdeutlicht das eben Dargestellte:
 

Wie ist die psychosomatische Therapie bei Somatoformen Störungen?

Vereinfacht kann man sagen: Als Erstes ist es wichtig, das man durch die Therapie bewußt erleben lernt, wie der eigene Körper bei unterschiedlichen Gefühlen reagiert. Das ist bei jedem Menschen individuell besonders! Dabei wird einem auch klar: welche Gefühle belasten mich am meisten? Bei welchen Gefühlen reagieren mein Körper und die Symptomatik am ehesten? Parallel dazu lernen sie von der ersten Woche an Selbstregulationsübungen kennen, mit denen Sie sich selbst positiv regulieren und Ihre Symptome und Gefühle beeinflussen können.

Wenn Sie für sich verstanden haben, bei welchem Gefühl oder welchen Gefühlen in Belastungssituationen Ihr Körper besonders reagiert, ist es im weiteren Verlauf sinnvoll zu untersuchen, wie Sie diese in Ihrem Alltagsleben aktiv „managen“ können. Jeder Mensch ist durch seine Erlebnisse und Erfahrungen in seinen Gefühlsreaktionen geprägt, reagiert also auf Einiges empfindsam, ist bei Anderem unempfindlich. Sich selbst in Folge (auch im Austausch mit anderen) gut zu kennen, schafft Fähigkeiten und Freiräume für Veränderung, so das die Körpersymptome immer weniger auftreten.

Nur in seltenen Fällen lassen sich die Bedingungen, unter denen eine andauernde emotionale Überlastung entsteht, derart günstig beeinflussen, dass der Stress sofort aufhört. In den meisten Fällen wird es erforderlich sein, einen günstigeren Umgang mit schwierigen Gefühlen und damit chronischem Stress zu erlernen. Folgende Fragen können dabei hilfreich sein:

  • Welche Gefühle lösen bestimmte (Arbeits-) Situationen in mir aus?
  • Wie bewerte ich? Wie streng bin ich mit mir und anderen?
  • Was sind meine Vorerfahrungen? Welche „alten“ Gefühle kommen hoch?
  • Wie schätze ich meine eigenen Fähigkeiten im Umgang mit schwierigen Lebensbereichen ein?
  • Kann ich meine Fähigkeiten verbessern oder anpassen?
  • Welche Unterstützung erhalte ich?
  • Kann ich zusätzliche Hilfe und Unterstützung erhalten?

Gegen Ende der Behandlung werden wir mit Ihnen überlegen, ob konkrete Veränderungen in Ihrem Alltagsleben, besonders in Ihrer Arbeitssituation, langfristig erreichbar sind, damit die körperlichen und gefühlsmäßigen (Über-)Reaktionen sich beruhigen. Wir wollen Sie anregen, Fähigkeiten der Selbstfürsorge (weiter) zu entwickeln, damit Sie Ihren Anforderungen aktiv entgegentreten können und diese mit weniger Stress und reduzierter (oder sogar ohne) Symptomatik bewältigen können.

Im Verlauf der Behandlung werden Sie erleben, dass Sie Ihren Beschwerden und Körperreaktionen nicht passiv ausgeliefert sind, sondern dass Sie diese wie ein Signalsystem nutzen können, um mit den eigenen Gefühlen in einen guten Kontakt zu kommen.
Sie werden Ideen entwickeln, wie Sie chronischen Stress langfristig reduzieren und Ihr Leben im Wechsel von Aktivität und Erholung aktiv und verändernd gestalten und damit direkten Einfluss auf Ihre Symptomatik nehmen können.