Kontakt

Wir freuen uns auf Ihren Anruf unter:

+49 (0)33204 / 620

MEDIAN Klinik Beelitz - Hyperkinetische Störungen (ADHS)

Bereits im 19. Jahrhundert waren Unaufmerksamkeit, Überaktivität und unbedachtes Verhalten bei Kindern für Eltern, Pädagogen und Erzieher ein Problem. Dies belegen vor allem die berühmt gewordenen Geschichten des Nervenarztes Heinrich Hoffmann aus dem Jahre 1845. Seine Bildergeschichten vom „Zappelphilipp“ und „Hans Guck-in-die-Luft“ veranschaulichen die Schwierigkeiten der Kinder und deren Eltern.

Aufmerksamkeitsstörungen stellen derzeit eine der häufigsten psychiatrischen Erkrankungen dar und können die gesunde Entwicklung eines Kindes, seine schulische Laufbahn, sein Sozialverhalten und seine Erziehung beeinträchtigen. Folglich gibt es zahlreiche Gründe für eine disziplinübergreifende Diagnostik und differenzierte Behandlung.

Hierfür hat die MEDIAN Kinder- und Jugendklinik Beelitz ein Behandlungskonzept entwickelt, das die Fähigkeiten der Kinder verbessert, ihre Ressourcen nutzt und ihr Selbstbewusstsein stärkt, um derzeitige und künftige Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. Dieses Behandlungskonzept beinhaltet neben der ärztlichen und psychotherapeutischen Betreuung auch eine pädagogische, sport- und ergotherapeutische Betreuung.

Therapieziele bei der Behandlung hyperkinetischer Störungen in der MEDIAN Kinder- und Jugendklinik Beelitz sind:

  • Stärkung des Selbstwertgefühls und Förderung eines positiven Selbstbildes
  • Vermittlung von sozialem Regelwissen und Erhöhung der Regelakzeptanz
  • Verbesserung der sozialen Kompetenz und Integration
  • Verbesserung der Frustrationstoleranz
  • Regulierung der Impulssteuerung
  • Verbesserung der Körpergeschicklichkeit und Körperkoordination

Weiterführende bzw. individuell angepasste Therapieziele können sein:

  • Klärung des individuellen Psychotherapiebedarfs bei begleitenden psychischen Erkrankungen
  • Pharmakotherapie
  • Einsatz nichtmedikamentöser Alternativen (z.B. Kugelweste von Protac)

Therapiekonzept zur Behandlung von Kindern mit hyperkinetischen Störungen

Indikationen ICD 10

  • Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit und ohne Hyperaktivität und hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens F 90
  • Störungen des Sozialverhaltens F 91, F 92
  • Emotionale Störung des Kinder- und Jugendalters F 93

Kontraindikationen

  • Kinder und Jugendliche mit extrem dissozialen Verhaltensstörungen
  • Kinder und Jugendliche, bei denen akute Suizidgefahr besteht
  • Drogen- und Alkoholkonsum
  • Gruppenunfähigkeit
  • Weglaufen

Gesamtstationäre Behandlung

Wir bieten unseren Patienten eine gesamtstationäre Betreuung. Dabei verfolgen wir einen multimodalen Behandlungsansatz: Jede Berufsgruppe fokussiert mit ihrem spezifischen Behandlungsangebot auf einzelne Störungsaspekte.

Pädagogische Betreuung

Es besteht eine Vollzeitbetreuung durch feste Bezugspersonen in etwa altersgleichen Gruppen. Das pädagogisch-therapeutische Beziehungsangebot unterstützt eine aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt und lässt Raum für selbstbestimmtes Lernen in der Gleichaltrigengruppe. Dies ermöglicht dem jungen Patienten wichtige Veränderungsprozesse bezüglich der Symptomatik und seiner allgemeinen psychosozialen Entwicklung. Daher sehen wir die pädagogische Arbeit im stationären Alltag als einen therapeutischen Schwerpunkt unserer Behandlung.

Die Erzieher helfen den Patienten bei der sozialen Integration in die Gleichaltrigengruppe,  fördern die sozialen Kompetenzen und vermitteln Konfliktbewältigungsstrategien. Weiterhin erhält der Patient Unterstützung beim Erlernen von Alltagsbewältigung und Tagesstrukturierung (Planung, Organisation und Zeitmanagement). Ausdauer und Konzentration werden in strukturierten Spielangeboten ohne Leistungsdruck im spielerischen Rahmen aufgebaut und gefördert. Das wöchentliche Gruppengespräch mit Erziehern dient der Klärung von konflikthafter Gruppendynamik (z.B. Sündenbockentwicklung) und der Vermittlung von sozialem Regelwissen.

Psychologisch-psychotherapeutische Betreuung

Aufbauend auf der pädagogisch-therapeutischen Betreuung im stationären Setting nehmen die jungen Patienten an indikationsspezifisch angelegter Gruppenpsychotherapie teil. Wir bieten hier die verhaltenstherapeutisch orientierte Gruppentherapie mit Schwerpunkt aggressive, oppositionelle, verweigernde Kinder an. Der Behandlungsfokus liegt dabei auf Konfliktklärung und Vermittlung von Konfliktlösungsstrategien auf der Basis realer Konfliktsituationen aus dem stationären Alltag. Weiter gibt es die Gruppentherapie für schüchterne, sozial zurückgezogene und durchsetzungsschwache Kinder mit dem Behandlungsfokus auf Förderung des Selbstbewusstseins und einer sozial angemessenen Selbstbehauptung. In der ADS-Gruppe liegt der Behandlungsfokus auf Entlastung von Leidensdruck und Förderung von Problemverständnis.

Diagnostisch erfolgt Verlaufsdiagnostik mit Exploration, systematischer Verhaltensbeobachtung und Fähigkeits- und Persönlichkeitstest.

Xylophonspieler in der MEDIAN Kinder- und Jugendklinik Beelitz

Ärztliche Betreuung

Entwicklungsdiagnostik, Ausschluss neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen bzw. Erkennen von bestehenden Co-Morbiditäten (wie Ticks, Symptomatik-Störung des Sozialverhaltens oder kombinierte Störungen motorischer Fähigkeiten). Optimierung der Pharmakotherapie (Reduktions-/Auslassversuch von Methylphenidat bzw. Einstellung auf Methylphenidat, Strattera bzw. weitere notwendige Medikamente). Systematische Beobachtung des Kindes unter den Augen des interdisziplinären Teams. Durchführung von entsprechenden Elterngesprächen bezüglich der spezifischen medizinischen Diagnostik sowie Komplettierung der vorhandenen Diagnostik, wie z.B. EEG-Kontrolle, notwendige Blutentnahmen bei Dauermedikation. Bei Verdachtsmomenten Drogenscreening.

Ergänzung des multimodalen Konzeptes

Physikalische Therapie

Körperbetonte Anwendungen wie Bäder, Fango, Sauna, Bewegungsbad sollen die Körperwahrnehmung verbessern und Entspannung und körperbetontes Wohlbefinden fördern.       

Nahaufnahme einer Hand die etwas auf ein Blatt Papier schreibt in der MEDIAN Kinder- und Jugendklinik Beelitz

Sporttherapie

Hier liegt der Schwerpunkt auf dem spannungsabführenden Bewegungsangebot, der Übung von Kraftdosierung und Regulierung der Impulssteuerung sowie der sozialen Gruppeninteraktion und Erlernen sozialen Regelverhaltens und Finden der adäquaten Sportart für den häuslichen Freizeitbereich.       

Ergotherapie

Ziel dieser Behandlung ist die Verbesserung von Defiziten in den Bereichen der Wahrnehmung, Motorik, Koordination und Sprache sowie die Förderung sozialer Kompetenzen.

In der Ergotherapie werden verschiedene Therapiebereiche entsprechend den Defiziten angeboten.

Auditivgruppe: Verbesserung der Diskrimination der serialen Verknüpfung, d.h. Reihenfolge, Handlungs-/Planungsabläufe sowie Verbesserung des Transfers von Aufgaben, Verbesserung des auditiven Gedächtnisses.

Graphomotorik: Finden der richtigen Stifthaltung und Sitzhaltung, Verbesserung der Schreibtechnik und Transfer des Gelernten in die Schule.

Taktil: Kinästhetische Wahrnehmung sowie Verbesserung der Körperwahrnehmung, d.h. die Kinder müssen lernen, sich zu spüren, zu fühlen, sich und andere wahrzunehmen.

Visomotorik: Verbesserung von Hand-Auge-Koordination, Planung von Handlungsabläufen wie Nachbau, Nachempfindung von Aufgaben. Verbesserung des Aufgabenverständnisses sowie auch des Transfers von Gehörtem und Gesehenem in Hand-Auge-Bewegungen und Abläufen.